Lexikon

Hier habe ich versucht, die wichtigsten Begriffe rund um das Thema Rallyesport zusammenzufassen und zu erläutern (natürlich ohne Gewähr hinsichtlich der Richtigkeit und Vollständigkeit 🙂 )

A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

 

A

Autosternfahrt

Bei einer (Auto)Sternfahrt starten die Teilnehmer an verschieden Orten und treffen sich dann an einem gemeinsam zuvor festgelegten Ort. Übersetzt man den Begriff ins Englische dann wird dieser mit Rally bzw. Rallye gleichgesetzt.

Aufschrieb (auch „Gebetbuch“ genannt, Englisch: pacenote oder auch roadbook)

Beim Aufschrieb handelt es sich um handschriftliche Aufzeichnungen in Papierform welche Daten wie Geschwindigkeiten, Gangwechsel, Bremswege, besondere Gefahrenstellen etc. einer Wertungsprüfung beinhalten. Das gebetartige Vorlesen des Aufschriebs durch den Co-Piloten ist eine seiner Hauptaufgaben. Erstellt wird ein Aufschrieb im Zuge einer Erkundungsfahrt, dort gibt der Fahrer dem Co-Piloten die entsprechenden Informationen bekannt. Die Hinweise vom Co-Piloten an den Fahrer sind dabei immer knapp aber trotzdem aussagekräftig, eine Beispiel: „Rechts 5, 100 links 4, nicht schneiden“ bedeutet: „Rechtskurve im 5. Gang, nach 100 Metern folgt eine Linkskurve im 4. Gang, welche nicht geschnitten werden darf„.

 
B

Besichtigungsfahrt

siehe „Erkundungsfahrt“

Bordkarte

Die Bordkarte ist das wichtigste Dokument bei einer Rallye, auf ihr sind u.a. der Name des Teams, des Fahrers und des Beifahrers, das Kennzeichen, die Startnummer eingetragen. Ebenfalls werden darin die jeweiligen Zeiten und Durchfahrtskontrollen gestempelt. Am Ende der Rallye wird die Karte dann an der verantwortlichen Stelle abgegeben.

 
C

Co-Pilot (deutsch Beifahrer)

Der Co-Pilot in einem Rallye-Fahrzeug ist in erster Linie dafür verantwortlich, dem Piloten den Aufschrieb über Bordfunk vorzulesen. Aber auch administrative und logistische Aufgaben können – je nach Team – zu seinen Aufgaben zählen. Der Erfolg bei einer Rallye resultiert jedenfalls IMMER auch aus einem perfekten Zusammenspiel zwischen Pilot und Co-Pilot.

cutten (deutsch: schneiden)

Im Motorsport bedeutet cutten das Schneiden beim Befahren einer Kurve. Dadurch wird der Kurvenradius vergrößert und die damit maximale Geschwindigkeit erhöht. Ist kein Schneiden möglich (z.B. durch Hindernisse wie große Steine oder Mauern) weist der Co-Pilot beim Vorlesen des Aufschriebs i.d.R. darauf hin.

 
D

Doppelkupplungsgetriebe „DSG“ („Direktschaltgetriebe“, engl.: „Direct Shift Gearbox“)

Ein Doppelkupplungsgetriebe hat gegenüber konventionellen mechanischen Getrieben und auch sequentiellen Getrieben einen entscheidenden Vorteil: Schaltzeiten von nur cirka 40 Millisekunden. Diese Getriebe kommen in Folge hauptsächlich bei „sportlichen Zivil-Fahrzeugen“ und Renn-Fahrzeugen zum Einsatz.

E

Etappe

Die Etappe ist ein Teil einer Rallye-Veranstaltung und besteht aus verschiedenen Wertungsprüfungen (WP’s).

ERC

ERC ist die Abkürzung für die European Rallye Championship (Rallye-Europameisterschaft).

Erkundungsfahrt (auch Besichtigungsfahrt)

Erkundungsfahrten werden von den Teilnehmern durchgeführt um den für die Absolvierung einer Wertungsprüfung erforderlichen Aufschrieb zu erstellen.

 
F

FIA

FIA ist die Abkürzung für die Fédération Internationale de l’Automobile, des Dachverbandes aller international anerkannten Motorsport-Sektionen. Die FIA wurde 1904 gegründet und hat seither ihren Sitz in Paris (F).

 

 
G

Gebetbuch –> siehe „Aufschrieb“

Getriebe (engl.: „gearbox“)

Das Getriebe wandelt vereinfacht gesagt die durch den Motor gewonnene Antriebsenergie in Bewegung um (Antrieb der Räder).

Gleichmäßigkeitsprüfung (abgekürzt „GLP“)

Die Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) ist eine bestimmte Durchführungsform einer Motorsportveranstaltung. Dabei steht nicht die kürzeste Zeit mit welcher ein Rennen absolviert wird im Vordergrund sondern die geringste Abweichung zu einer bzw. mehreren vom Veranstalter festgelegten Soll-Zeiten. Von dieser Wettbewerbsform profitieren neben Teilnehmern mit historischen (und damit meist wertvollen) Fahrzeugen auch jene, die das Risiko eines Unfalls minimieren wollen.

Gravel Crew (deutsch: Schotter-Crew, Schotter-Spione)

Bei den Gravel Crews handelt es sich um Fahrer und Beifahrer, welche im Auftrag der einzelnen Teams kurz vor dem Start der Wertungsprüfung diese nochmals befahren und ggfs Ergänzungen/Änderungen im Aufschrieb vornehmen und so den Teams wichtige letzte Informationen über die aktuellen Straßenverhältnisse bereitstellen.

Gruppe B

Bei der Gruppe B handelt es sich um eine Zuordnung von Fahrzeugen in eine bestimmte Kategorie, im Rallye-Sport war diese Gruppe lediglich in den Jahren 1982 bis 1986 gültig. Leider kam es in dieser kurzen Zeit zu mehreren schweren Unfällen (z.T. auch mit Todesfolgen) da diese Fahrzeuge nur noch von wenigen Piloten „gebändigt“ werden konnten, aus diesem Grund wurden und werden diese Fahrzeuge umgangssprachlich auch „Gruppe-B-Monster“ genannt. Ein paar Daten z.B. jene des LANCIA Delta S4 gefällig: 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h auf Schotter und mit konventioneller H-Handschaltung, 600PS1.800ccm Hubraum mit Kompressor UND Turbolader, und das bei einem Leergewicht unter 900kg.

Auch wenn damals fast alle renommierten Fahrzeughersteller Gruppe-B-Fahrzeuge entwickelt und auch eingesetzt haben, sind AUDI Quattro S1, PEUGEOT 205 Turbo 16, LANCIA Delta S4, FORD RS200 oder auch der MG Metro 6R4 die wohl bekanntesten Vertreter ihrer Zunft. Fahrer wie die Französin Michèle Mouton, Walter Röhrl (D), Henri Toivonen (FIN), Stig Blomqvist (SWE), Hannu Mikkola (FIN), Markku Alén (FIN), Miki Biasion (ITA) oder auch Shekhar Mehta (Kenya) sind nur einige der damaligen „Heroen“.

 
H

Homologation

Unter Homologation versteht man ein von der FIA festgelegtes Reglement (Artikel 255A) welches besagt, dass ein Fahrzeug für Wettbewerbszwecke in einer bestimmten Mindeststückzahl produziert werden muss, um in eine entsprechende Wettbewerbskategorie eingestuft werden zu können (und damit überhaupt an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen zu dürfen). Dabei werden für die „zivilen“ Versionen (sprich Serienfahrzeuge) der WRC-Fahrzeuge neben der Menge auch sehr viele andere technischen Daten genau vorgegeben.

 
I
 
J

JWRC

JWRC ist die Abkürzung für die Junior World Rallye Championship (Junioren Rallye-Weltmeisterschaft).

 
K

 

 
L

Leistungsgewicht

Luftmengenbegrenzer (engl.: air restrictor)

Ein Luftmengenbegrenzer ist ein technischer Bauteil zur Begrenzung der Verbrennungsluftmenge eines Motors. So kann durch die einheitliche Verwendung dieses Bauteils gewährleistet werden, dass alle Fahrzeuge, in welchen dieser verbaut ist, über annähernd die gleiche Leistung verfügen.

 
M
 
N
 
O

Oldtimer

In der Regel werden im deutschen Sprachgebrauch Fahrzeuge, welche älter als 30 Jahre sind, als Oldtimer bezeichnet.

 
P

Parc Fermé (deutsch: „geschlossener Park“)

Der Parc Fermé ist ein Ort im Veranstaltungsbereich in welchem die teilnehmenden Fahrzeuge verwahrt werden (i.d.R. bis die Protestfrist abgelaufen ist). Im Parc Fermé dürfen keinerlei Arbeiten an den Fahrzeugen durchgeführt und damit der Zustand nach der Zielankunft verändert werden.

 
Q
 
R
 
S

Sequentielles Getriebe (engl.: „sequential gearbox“)

Ein sequentielles Getriebe ist ist quasi ein automatisiertes Schaltgetriebe. Dabei bedeutet der Begriff „Sequenz“ eine exakt festgelegte Folge/Reihe, mit welchen zwischen den Gängen gewechselt wird. Im Gegensatz zum manuell geschalteten H-Getriebe (Wechselgetriebe) ist ein „Verschalten“ nicht möglich die einzelnen Gänge nicht frei anwählbar sind. Diese Art von Getriebe kommt z.B. (immer noch) bei den meisten Mopeds und Motorrädern zur Anwendung (Gangwechsel über Fußhebel). Da ein sequentielles Getriebe von einem Wechselgetriebe abgeleitet ist, muss zwischen den Gangwechseln gekuppelt werden. Dies erfolgt automatisiert über einen Elektromotor oder eine zentrale Hydraulik und wird über das zentrale Steuergerät des Fahrzeugs gesteuert.

 

Super 2000 – Reglement

Das Super 2000 – Reglement ist ein von der FAI erstelltes Reglement welches die technischen Anforderungen und Voraussetzungen sowohl für Tourenwagen als auch für Rallye-Fahrzeuge festlegt. Es beinhaltet sowohl Fahrzeuge mit Benzin-Saug-Motoren und Turbodiesel-Motoren mit einem Hubraum von 2.000 ccm als auch Fahrzeuge mit Benzin-TurboMotoren mit einem Hubraum von 1.600 ccm. Bei Rallye-Fahrzeugen schreibt dieses Reglement u.a. einen Allradantrieb vor und es verbietet sogenannte aktive Differentiale.

 

 
T
 
U
 
V

Verbindungsetappe

Als Verbindungsetappe bezeichnet man jene Wegstrecke, welche zwischen den einzelnen Etappen von den Teilnehmern zurückgelegt wird. Diese erfolgt i.d.R. auf öffentlichen Straßen bei welcher die jeweiligen gesetzlich vorgeschriebenen Straßenverkehrsordnungen eingehalten werden müssen. Aus diesem Grund müssen WRC-Fahrzeuge generell eine Straßenzulassung besitzen und mit 2 gültigen KFZ-Kennzeichen ausgestattet sein, der Fahrer muß zudem über einen gültigen KFZ-Führerschein verfügen.

 
W

Wertungsprüfungen

WRC

WRC ist sowohl die Abkürzung für die World Rallye Championship (Rallye-Weltmeisterschaft) als auch für das World Rally Car.

World Rally Car

Ein World Rally Car ist ein Kraftfahrzeug, welches nach dem Reglement der FAI aufgebaut ist. Dieses Reglement wurde erst im Jahr 1997 für die Rallye-Weltmeisterschaft eingeführt. Die erste Version dieses Reglements war bis einschließlich 2010 gültig, seit 2011 ist eine „verschärfte“ Version gültig (das Super 2000 – Reglement), die technischen Vorgaben wurde bei dieser Version wesentlich restriktiver gestaltet. Die Grundlage für ein World Rallye Car bildet dabei ein dem Super 2000 – Reglement entsprechendes und homologiertes Fahrzeug welches dann mit einem WRC-Kit ausgerüstet wird. Dieses beinhaltet z.B. Seitenverglasungen aus leichterem Plexiglas, einem leichteren Schwungrad und einem angepassten Motormanagement. Air Restrictors (=Luftmengenbegrenzer) drosseln zudem die Maximalleistung des Motors auf 300 PS (ca. 220 kW), ein Allradantrieb ist ebenfalls vorgeschrieben.

 
X
 
Y

Youngtimer

In der Regel werden im deutschen Sprachgebrauch Fahrzeuge, welche älter als 20 und jünger als 30 Jahre sind, als Youngtimer bezeichnet.

 
Z