Das Hermelin

Da habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich eines Morgens an unserem Modellflugplatz eintraf und mehrere kleine Raubtiere herumtollten. Wie sich herausstellte, hatte eine Hermelin-Fähe für rund 3 Wochen unter dem Container unseres Vereins-Clubheims vorübergehend eine passende Bleibe für Ihre 5-6 Jungen gefunden.

Umgangssprachlich wird das Hermelin auch Großes Wiesel oder auch Kurzschwanzwiesel genannt. Es ist sowohl mit dem Mauswiesel als auch dem Langschwanzwiesel eng verwandt, es zählt wie diese zur Überfamilie der Hundeartigen (Canoidea) und der Familie der Marder. In unseren Breitengraden unterscheidet sich das Sommerfell des Hermelins (braune Oberseite und weiße Unterseite) sehr stark vom Winterfell (komplett weiß mit Ausnahme der Schwanzspitze, diese bleibt auch im Winter schwarz und ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Wiesel-Arten.). Zu seinen Verwandten zählen außerdem auch der Stein- und der Baummarder, der Iltis, der Fischotter und – man mag es kaum glauben – auch der Dachs.

Hermeline weisen einen langen schlanken Körper mit relativ kurzen Beinen auf, sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 15 bis 35 Zentimeter und ihr Gewicht liegt im Bereich zwischen 40 und 360 Gramm wobei die Männchen (Rüden) generell etwas größer und schwerer sind als die Weibchen (Fähen). Das Hermelin ist nach dem Mauswiesel das zweitkleinste Raubtier in unseren Breitengraden. Hermeline bevorzugen zwar Lebensräume in der Nähe von Wasser, entscheidender ist für sie jedoch das Nahrungsangebot. Dieses besteht in erster Linie aus Scher-, Erd– und Feldmäusen. Hermeline sind bis in Höhenlagen von ca. 3.400m anzutreffen. Sie sind hauptsächlich am Tag und in der Dämmerung aktiv und leben – die Aufzucht- und Paarungszeit ausgenommen – als Einzelgänger, dabei kann ihr Aktionsraum bis zu 200 Hektar betragen. Wichtig bei der Jagd sind vor allem der Geruchsinn und das Gehör, um sich einen entsprechenden Überblick zu verschaffen sieht man sie auch oft in „Männchen“-Stellung. Hat es ein Beutetier entdeckt wird dieses durch einen Biss in die Nackengegend getötet und dann sofort in den Bau getragen.

Hermeline paaren sich in der Zeit um den Spätfrühling bzw. Sommer, die Besonderheit liegt darin, dass im Anschluss die sogenannte Keimruhe eintritt: die befruchtete Eizelle nistet sich erst im März/April des darauffolgenden Jahres in der Gebärmutter ein. Nur ca. 4 Wochen nach der Einnistung der Eizelle bringt die Fähe 3 bis maximal 18(!) Jungtiere zur Welt wobei der Durchschnitt zwischen 6 und 9 Jungtieren liegt. Rund 50% der zur Welt gebrachten Jungen überleben aber schon den ersten Winter nicht. Die Lebenserwartung von Hermelinen liegt in freier Wildbahn zwischen 1 und 3 Jahren, in Gefangenschaft können sie durchaus ein Alter von 7-8 Jahren erreichen. Zu ihren gefährlichsten Fressfeinden zählen Greifvögel, Eulen, Störche, Graureiher, Füchse und auch Dachse.

Der größte Feind des Hermelins ist aber eindeutig der Mensch. Und das nicht, weil man ihm seinem wunderschönen weißen Winterfells wegen nach seinem Leben trachtet, sondern weil dem Hermelin sukzessive der Lebensraum entzogen wird. Hermeline benötigen eine gewisse Unordnung in ihrem Lebensraum: Steinhaufen oder -mauern, kleine Bäche und Tümpel, ungemähte Wiesen, Asthaufen, Steinbrocken, Hecken usw. Kurz gesagt: das Hermelin benötigt sogenannte Kleinstrukturen. Je aufgeräumter die Landschaft und je öfter eine Wiese gemäht wird, um so mehr wird einer Vermehrung dieses nützlichen Raubtiers und exzellenten Mäusejägers entgegengewirkt. Denn bevor unsere Hauskatzen damit begonnen haben, Mäuse zu jagen, war das Hermelin besonders bei den Landwirten immer ein gern gesehener Gast. Aus diesem Grund hat PRO NATURA in der Schweiz das Hermelin zum Tier des Jahres 2018 erkoren.

 

Michael Pfanner
Juli 2018

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermelin
https://www.pronatura.ch/de/tier-des-jahres-2018-hermelin