LS3 / Multiplex

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Die Vorgeschichte

Ich war ja bereits seit längerem auf der Suche nach einem einigermaßen robusten, auch langsam zu fliegenden und für mich finanziell erschwinglichen Segelflugmodell mit Elektroantrieb, welches ich für gemütliche Thermikflüge verwenden kann. Es sollte zudem eine Flügelspannweite zwischen 3 und 4 Metern haben und über Störklappen verfügen bzw. den späteren Einbau ermöglichen. Und da das Auge mitfliegt, sollte auch noch das optische Erscheinungsbild ansprechend sein (zumindest für mich). Eigentlich die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau. Und noch bevor ich ihn entdeckt habe, hat mir mein Vereinskollege Peter den link zum LS3 von MULTIPLEX geschickt, welcher auf prop.at zum Verkauf angeboten wurde:

Mit dem Verkäufer war ich schnell einig, gegen einen kleinen Aufpreis hat er mir das Modell auf dem Postweg geschickt, Ende März 2013 ist er dann eingelangt…mein „Youngtimer“ (sogar mit einem reparierten Ersatzrumpf und einer Klappluftschraube incl. Spinner als Draufgabe):

„ROLLADEN SCHNEIDER LS3“ -Das manntragende Original

Bei der LS3 handelt es sich um ein einsitziges Wettkampf-Segelflugzeug des Herstellers Rolladen Schneider Flugzeugbau in Egelsbach (D). Es wurde in einer kleinen Stückzahl von knapp über 430 Exemplaren hergestellt und weist eine Besonderheit auf: es verfügt über sogenannte Flaperons (Quer-Ruder), welche sich über die gesamte Flügellänge erstrecken. Den nicht gerade schmeichelhaften Beinamen „LS-Blei“ erhielt das Modell aufgrund des relativ hohen Gewichtes.

Technische & sonstige Daten des manntragenden Segelflugzeuges „LS3“

Erstflug:                                   1976
Flügelprofil:                              Wortmann
Länge:                                      6,84m
Spannweite:                            15,00m
Flächeninhalt Flügel:                10,50m²
Leergewicht:                       ca. 270kg
Maximales Startgewicht:     ca. 472kg
Ballast (Wasser):                ca. 150kg
Gleitzahl :                                   40,8
Abriss-Geschwindigkeit:        ca. 65km/h
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rolladen_Schneider_LS3)

Die MULTIPLEX LS3 / Ausgangszustand

Es war mir von vornherein klar, dass ich mit dem Kauf ohne Besichtigung ein Risiko eingehe. Und dass ein Modell, welches viele Flugstunden absolviert hat und im Zeitraum von 1987 bis 1992 produziert wurde (inzwischen also ca. 23 Jahre auf dem Buckel hat), Gebrauchsspuren und eventuell auch die eine oder andere reparierte Stelle aufweist, war vorhersehbar und ich habe damit gerechnet. Zumindest über die „Gebrauchsspuren“ hat mich der Verkäufer auch ausführlich informiert. Nun ist es natürlich Auslegungs- bzw. Ansichtssache, wie man „Gebrauchsspuren“ definiert. Ich persönlich würde jetzt ein einst gebrochenes Höhenleitwerk, eine gebrochene Tragflächenhälfte und einen im Heckbereich gebrochenen Rumpf nicht unbedingt in diese Kategorie einstufen. Was mich dann nach dem Öffnen der Kabinenhaube sowie der Abdeckungen der beiden Querruder-Servos erwartete, möchte ich nicht kommentieren…zudem sagt ein Bild ja bekanntlich mehr als 1000 Worte.

ABER: beide Tragflächen wurden vom Verkäufer neu bespannt und ich freue mich trotzdem über das Modell. Denn bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass reparierte Modelle am besten fliegen…zumindest meine ;-). Und wenn ich an dieser Stelle einen Vereinskollegen zitieren darf: „Schönheit bringt keine großen aerodynamischen Vorteile“. Und solange das Modell dadurch bezüglich Konstruktion und Stabilität keine Einbußen erlitten hat und ich ohnedies keine (absichtlichen) Kunstflug-Figuren fliege, ist für mich die Optik eher zweitrangig.Und nach einer halben Dose Aceton hatte ich das Modell dann soweit von Fett, Harz und etlichen undefinierbaren organischen und anorganischen Substanzen befreit, sodass ich mit dem Umbau beginnen konnte.
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Die Renovierung

Als erstes habe ich das Modell von den beiden (unterschiedlichen) Querruder-Servos befreit, diese waren sehr „rustikal“ eingebaut, z.T. mit Epoxidharz übergossen bzw. lediglich mit einem kleinen Stückchen Doppelklebeband im Holz befestigt, teilweise nicht ausreichend „versperrt“ gegen eine Bewegung des Servogehäuses bei Zug und Druck der Servostange, bei den Servokabeln wurden die Litzen freigemacht, die Enden zusammen“gedrüllt“ und mit Tixo isoliert..nicht unbedingt so, wie ich mir das Ganze vorstelle.  Nach der Demontage wurden die Servoaussparungen ausgefräst und mit Leisten zur Montage der neuen Servos vorbereitet. Noch die neuen Servoabdeckungen darüber…fertig.

Als nächstes folgte die Demontage und Funktionskontrolle des mit Epoxidharzes eingeklebten Zentralservos für die beiden einstöckigen Störklappen (welche beim Modell serienmäßig mechanisch über Gestänge angelenkt werden). Hier mussten jedoch beim Aufbau jeweils die Gestänge mit den Gabelköpfen durch den Rumpf geführt und mit erheblichen Gefummel am Servoarm des Zentralservos befestigt werden.  Da die Anlenkungen bei beiden Störklappen einwandfrei funktionieren, habe ich den Gedanken an den Einbau von elektrischen Klappen (vorerst) ad-acta gelegt. Anstelle der umständlich anzubringenden und zu öffnenden Gabelköpfe habe ich einen sehr guten Vorschlag meines Vereinskollegen Peter umgesetzt. Statt der M2-Gabelköpfe an den Gestängen zur Anlenkung der Störklappen, wurden 2 Kugelkopf-Halterungen angebracht, wobei die drehbaren Kugeln in der Aufnahme verbleiben. Beide Kugeln haben ein durchgängiges Loch mit einem Durchmesse von 2mm. Auf dem Servoarm des Zentralservos habe ich 2 jeweils ca. 30mm lange M2-Schrauben befestigt. Zum Befestigen der Gestänge am Servo muss nun lediglich der Gestängeanschluss mit einem Finger etwas hochgehoben und genau über der Schraube wieder losgelassen werden. Und genau so simpel funktioniert das Ganze beim Aushängen zum Abbau der beiden Tragflächenhälften. Einfach, simpel und genial.

Auch bei den beiden verbauten Servos für das Höhen- und das Seitenruder habe ich mich für deren Demontage entschieden und diese ebenfalls durch neue Servos ersetzt (im Gegensatz zu den alten Servos mit Nylongetrieben haben diese nun Metallgetriebe). Das im Rumpf als Träger für die Servos verklebte Sperrholz habe ich belassen, allerdings einer kleinen optischen Auffrischung unterzogen.

Das Seitenruder hatte anfangs so viel Spiel, dass dafür fast die Hälfte des Servoweges benötigt wurde. Nach Abschrauben des Höhenleitwerkes sowie dem Ausklinken der Gabelköpfe für das Höhen- und das Seitenruder, konnte der als Drehachse dienende und viel zu dünne Draht gezogen und gegen einen passenden ausgetauscht werden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich das nicht (mehr ?) verklebte Kunststoff-Führungsrohr im oberen Teil des Seitenruders verklebt. Und da das Seitenruder ohnedies bereits ausgebaut war, habe ich die als Schachmuster aufgebrachte schwarzen und gelben Folien entfernt. Dabei wurde sichtbar, aus welchem Grund sich die untere Hälfte des Ruders so schwammig angefühlt hat: 2 Leisten innerhalb des Ruders sind gebrochen, Teile des Ruderendes hatten sich gelöst und waren nur mehr mit der Folie aber nicht mehr mit dem Balsaholz verbunden. Um nicht das ganze Ruder neu bauen zu müssen, habe ich einen Streifen mit ca. 30mm Breite am Ruderende abgetrennt, mit 4mm starkem Balsaholz neu aufgebaut und auf eine Breite von ca. 1mm am Ruderende zugeschliffen. Nach dem Aufbügeln der neuen (weißen) Bespannungsfolie konnte das Ruder wieder eingesetzt und mit dem Gabelkopf verbunden werden.

Beim Höhenruder habe ich die Reparaturstelle (wurde nur mit Harz gefüllt) und den Mittelteil der Oberseite ebenfalls mit weisser Folie versehen. Als ich den Segler erhalten habe, war das Höhenruder mit der dafür vorgesehenen von oben einzudrehenden Nylonschraube mit dem Rumpf verschraubt. Der zweite Befestigungspunkt ist in der Regel nur ein kleiner Zapfen am Höhenruder, welcher beim Aufschrauben des Ruders im Rumpf einrastet und so ein seitliches Verdrehen des Höhenruders verhindern soll. Leider wurde dort – in rustikaler Manier – eine 5mm starke Blechschraube angebracht…aus welchem Grund auch immer. Jedenfalls habe ich dies korrigiert, jetzt kann das Höhenruder wieder durch das Lösen von nur 1 Schraube (de)montiert werden.

Motor / Akku / Empfänger-Akku / Regler / Empfänger

Als Motor werde ich vorerst den bereits verbauten HACKER A30-10XL Brushless-Motor weiterverwenden, der Akku (HYPERION 4S-LiPo, 4200mAh, 14,8V 35C) ist ja seit der Bestattung der „TwinAir“ wieder ungebunden und findet nun in der LS3 seinen Einsatz. Und auch der Empfänger (FUTABA R6308SBT) hat ja nach dem Dilemma mit der „Corsair“ nur darauf gewartet, wieder mal Signale zu empfangen und zu senden. 4 in Reihe zusammengelötete SANYO-ENELOOP Akkus à 1,2V – 1900mAh dienen im Notfall der Empfänger-Stromversorgung. Und auch der Regler (40A) ist noch eines der zahlreichen Überbleibsel aus den beiden TwinAir’s. Ach…den Alu-Spinner hätte ich fast vergessen, diese habe ich meinem „Easy Glider“ abgenommen (er wird’s verkraften).

Ein erster Schubtest mit o.a. Komponenten und den vom Verkäufer beigelegten Klappluftschrauben hat gezeigt, dass die LS3 so zwar ordentlich Schub hat, bei voller Last dafür aber auch fast 110 (!) Ampère „zieht“ (da würde sich der arme kleine ROBBE-Regler vermutlich sehr bald in ein kleines, dampfendes und sehr warmes Häufchen verwandeln). Nach dem Austausch der Klapp-Luftschrauben gegen „humanere“ Exemplare (12×6,5″), reduzierte sich dieser Wert dann auf rund die Hälfte, also durchaus noch akzeptabel für die Dauer von ein paar Steigflügeln mit Halbgas.

Das Design

Ohne Zweifel wäre mir das Originaldesign des Modells durchaus recht gewesen, aber an den meisten Decals hatte erheblich der Zahn der Zeit (und auch so mancher Stein und manches Werkzeug) genagt. Und zudem war vom ursprünglichen Design des Modells ohnedies nicht mehr viel vorhanden…also weg mit den vergilbten Resten. Doch wollte ich bei diesem Modell beim Design weder viel Geld noch viel Zeit investieren (TwinAir und Corsair haben mich diesbezüglich nachdenklich gemacht). Aus diesem Grund habe ich außer einer kleinen persönlichen Kennung auf den beiden Rumpfseiten sowie der Anbringung von ein paar Streifen an den Unterseiten der Tragflächen (zur besseren Erkennung der Fluglage) auf weitere Fleißaufgaben verzichtet.

Der Erstflug
Sonntag, 14.04.2013
Der erste richtig schöne, milde Frühlingstag dieses Jahres mit ca. 22°C und klarem blauen Himmel und relativ konstanten Windverhältnissen….die optimalen klimatischen & thermischen Bedingungen also, um der LS3 das Fluggelände unseres Modellflugplatzes und den dazugehörenden Luftraum näherzubringen. Auch bei diesem Modell hat sich mein Vereinskollege Peter bereiterklärt, den Erstflug zu übernehmen, alles lief völlig problemlos ab, es mussten nur wenige Trimmungen durchgeführt werden und so habe ich dann die nächsten 4 Flüge selbst absolviert.

Fazit: Wie mir ein Insider bereits vor dem Kauf des Modells prognostiziert hat: tolle Langsamflug-Eigenschaften, robuste Konstruktion des gesamten Modells, relativ unproblematisch bezüglich Start als auch Landung und ein schönes Flugbild (da Scale-Modell)..MULTIPLEX eben.