Michael Pfanner / „Rochen“ – Delta

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Den Bau dieses Deltas habe ich aus 2 Gründen in Angriff genommen: a) war mein Winterprojekt „Canadair CL-415 XXL“ schon vor dem Winter fertig (ich denke, ich muss den Begriff „Winterprojekt“ für mich persönlich einmal neu definieren) und b) macht das SONIC-Delta einfach großen Spaß, besonders wenn man einfach „schnell mal fliegen“ will, Sender einschalten, Batterie anschließen, fliegen. Auf dieses konkrete Modell bzw. auf die Website flitetest.com hat mich ein Vereinskollege aufmerksam gemacht, ich habe mir dann kurz das Bauvideo angeschaut und im Anschluss daran den Bauplan ausgedruckt.

Der Bauplan

Dieser kann gratis als PDF-Datei von der Website heruntergeladen werden und besteht aus 64 Einzelseiten im DIN A4-Format, diese müssen dann „nur“ noch zusammengeklebt werden, d.h. 8 Seiten pro Reihe und 8 solcher Reihen übereinander ergeben dann einen sehr „handlichen und übersichtlichen“ Plan von nur ca. 4m² (!) am Stück. Das Problem: 64 einzelne Seiten verzugsfrei und so genau miteinander zu verbinden ist praktisch unmöglich. Ich habe dies dann doch so gut wie möglich versucht und danach aber die Bauteile grob ausgeschnitten und eigentlich nur als Grundlage für das Abmessen der einzelnen Bauteile verwendet und die Konturen selbst auf Depron erstellt. Und überhaupt: je mehr ich mit dem Bau beschäftigt habe, um so weniger ist vom Original übriggeblieben und wurde von mir eliminiert, wie z.B. das starre Hauptfahrwerk (schaut im Flug irgendwie komisch aus, zudem sind die Reifen hinsichtlich der Aerodynamik ja auch nicht sehr förderlich), 1 statt 2 Motoren, der dann sogar vorne statt hinten, damit verbunden Wegfall der beiden Motorgondeln. Dann habe ich anstelle die beiden Flügelflächen stumpf miteinander zu verkleben einen kleinen Rumpf aus Sperrholz erstellt und diesen dazwischen platziert. So können Regler, Akku und Motor verstaut werden und müssen nicht „aufputz“ an der Ober- oder Unterseite angebracht werden. Und da am Hinterteil dann ja keine Luftschraube rotiert, habe ich die beiden Querruder um ca. 25% verlängert. Also eigentlich sind ja nur mehr die 4 Flächenteile, die beiden Querruder und die beiden Winglets übriggeblieben. Und da im Endeffekt die Form im Grunde genommen bei allen Deltas ziemlich gleich ist, habe ich das Teil dann auch gerade noch in „Rochen“ unbenannt 🙂

Der Bau

Im Bauvideo hantieren die beiden Jungs ausschließlich mit Heißklebepistolen, um alle Teile des Modells miteinander zu verkleben. Ich habe dies dann – trotz meiner Heißkleber-Allergie 🙂 – an ein paar Depron-Abfallteilen versucht und festgestellt, dass diese Art der Verklebung nicht so sehr meins ist…einmal mit der Spitze der Pistole am Depron und schon herrscht Schwund. Wenn der Kleber zu heiß ist, zieht sich das Depron z.T. nach der Verklebung leicht zurück und verwandelt eine ursprünglich saubere und präzise Klebestelle in eine hässliche Furche. Wartet man etwas und ist der Kleber zu kalt, dann funktioniert’s auch nicht mehr. Und noch einen Nachteil hat Heißkleber: er wird nach dem Erkalten ziemlich hart und ist danach nur mehr geringfügig elastisch. Trotzdem muss ich zugeben, dass Heißkleber einen Vorteil hat: an Stellen eingesetzt, an denen eine umgehende Fixierung der Teile notwendig bzw. ein aufwändiges Fixieren und mehrstündiges Austrocknen erforderlich wäre, hält der Kleber bereits nach ca. 30-60 Sekunden die Bauteile zusammen.

Im Gegensatz zu meiner Corsair oder der Canadair ist die Anzahl der Bauteile bei diesem Modell ziemlich übersichtlich, 4 Teile für die Flächen, 2x Ruder, 2x Winglets und 2x „Spanten-Holme“. Die „Spanten-Holme“ sind eine simple aber effektive Möglichkeit, den Tragflächen sowohl Stabilität als auch ein Profil zu verleihen. Sie verlaufen in Höhe als auch in der Breite konisch zur Flächenspitze bzw. zu den Rudern und geben so den Flächen ihren aerodynamisch erforderlichen Querschnitt. Da mein „Rochen“ aber auch schwerer als der Flitetest-Kraken wird, habe ich zusätzlich noch 1 Vierkant-Kohlerohr (8x8mm) eingeklebt, dieses bildet nun eine Verbindung zwischen den beiden Flächen und dem Sperrholz-Rumpf.

Zum Bau der Tragflächen werden jeweils eine Ober- und eine Unterseite zusammengelegt und auf der Außenseite mit 2-3 kleinen Tixo-Streifen vorfixiert. Nun werden die beiden Teile mit einem geeigneten Klebeband – ich habe mich für ein 50mm breites „PowerTape“ in weiß entschieden – verbunden. An den (vom Bauplan übernommenen) roten Linien wird ein Einschnitt von ca. 3mm durchgeführt. Jetzt werden die beiden Hälften vorübergehend so zusammengeklappt, dass das Klebeband auf der Rückseite ist. Nun werden beide Kanten auf ca. 45° abgeschrägt, aber Vorsicht: dabei darf die Mittellinie nie überschritten werden. Danach können die beiden Hälften wieder aufgeklappt und die obere Fläche vorsichtig in die richtige Form gebogen werden. Und auch hier gilt: Geduld bringt Rosen 🙂

Wie bereits eingangs erwähnt, habe ich mich für den Einbau eines kleinen Rumpf-Zwischenteils aus 5mm-Sperrholz mit ca. 45mm Breite entschieden. Er bietet ein trockenes Plätzchen für Akku, Empfänger und Regler, eine stabile Unterlage, die beiden Einziehfahrwerke zu befestigen und auch der Motor findet so sicheren Halt.

Sind der Zusatzholm eingeklebt und die Seile für das spätere Einziehen der Servokabel eingelegt, können die beiden Tragflächenhälften geschlossen werden. Hier habe ich mit Heißkleber gearbeitet, so sind die Klebestellen der Flächen bereits nach wenigen Minuten fest und belastbar. Vor der Befestigung der beiden Winglets an den TF-Außenseiten, muss zuvor noch kontrolliert werden, ob die beiden Enden parallel schließen und ggfs noch etwas nachgearbeitet werden. An beiden Unterseiten der Winglets habe ich vorsichtshalber noch Kohle-Leisten 5mmx1mm angebracht (mal sehen, ob beim Bodenkontakt optische Abnützungserscheinungen ausbleiben) 🙂

Die beiden Ruder habe ich ja im Vergleich zum Bauplan stark verlängert, um zumindest für ein wenig Stabilität zu sorgen, wurden in beiden Rudern ca. 500mm lange GFK-Vierkantrohre mit einem Außenmaß von 4x4mm eingelegt und mit Weißleim eingeklebt. Als Scharniere dienen jeweils 4 Blatt-Scharniere pro Ruder.

Gegen Ende des Baus kam mir dann noch die Idee mit dem Stachel….ob und wie er sich aerodynamisch auswirkt, wird der Erstflug zeigen. Er ist aus 3mm-EPS ausgeschnitten, ca. 70cm lang und mit schwarzem PowerTape überzogen. Für die Befestigung am Rumpfende ist ein kleines Stück Sperrholz auf dem Stachel aufgeklebt, das Ganze wurde dann mit einer Schraube am Rumpf befestigt…und zwar drehbar (ist ja auch ohne Stachel nicht gerade platzsparend).

Für einen sicheren Halt beim Werfen sorgt ein von mir selbst entworfener Griff aus Sperrholz, dieser ist beidseitig mit einem griffigen „Anti-Rutsch-Band“ überzogen und von unten mit dem Rumpf verklebt.

Die Servos

Als Ruderservos habe ich 2 Stk. HITEC-Servos des Typs „HS-81“ verbaut (da ich diese noch vorrätig hatte). Da ich meinen „Rochen“ ja mit einem Einziehfahrwerk versehen habe, konnte ich die Anlenkungen an den Flächen-Unterseiten erstellen. Vor dem Zusammenklappen der Flächenhälften empfiehlt es sich, in beiden „Spanten-Holmen“ Seile einzuziehen, mit welchen dann beim Einbau der Servos die Kabel leicht eingezogen werden können. Zur Befestigung der beiden Servos habe ich 1,5mm starkes Sperrholz auf das Depron aufgeklebt. Zur Anlenkung der Ruder dienen 2 ca. 25cm lange Kohlerohre mit einem Außendurchmesser von 3mm, in die Rohre sind an beiden Enden ca. 50mm lange M2-Gewindestangen eingeklebt, an diesen lassen sich die Gabelköpfe M2 bestens – und vor allem längenvariabel – befestigen.

Das (Einzieh-)Fahrwerk

Das war so eine Idee von mir…mit dem Problem, dass sich die Funktionstüchtigkeit erst bei der ersten Landung herausstellen wird, über die Sinnhaftigkeit kann man diskutieren, ABER: mal was anderes 🙂 Die beiden kleinen EZFW’s habe ich so verbaut, dass möglich wenig davon von außen sichtbar ist. Der Bodenabstand vorne ist ja durch den Propeller bereits ungefähr vorgegeben. Die beiden Moosgummireifen sind an selbst gebogenen Stahldrähten (∅ 2,5mm) montiert und mit Stellringen fixiert.

Die Motorisierung

Beim Motor habe ich auf meinen Fundus zurückgegriffen und mich für einen FUSION HAWK entschieden. Zu dessen Befestigung wurde ein Motorspant in den Rumpf eingeleimt, 4 Löcher – 4 Einschlagmuttern – 4 Schrauben – fertig.

Die Elektrik & Elektronik

Na ja, da gibt’s nicht viel zu erläutern…..Empfänger, Akku, Regler, Motor und Flugakku, das war’s. Alles zusammen findet im Rumpf Platz, und wenn das Ding tatsächlich fliegt, dann könnte man eventuell über eine Art Kabinenhaube nachdenken (vielleicht als Winterprojekt oder so..)

Der Schwerpunkt

Leider ist weder aus dem Bauplan noch aus dem Bauvideo ersichtlich, wo in etwa der Schwerpunkt des Modells liegen soll. Nach ein paar Recherchen im Internet bin ich auf ein einfaches online-Berechnungsprogramm (maltemedia.de) gestoßen. Dort werden lediglich 3 Parameter eingegeben: die Tiefen der Wurzelrippe, des Randbogens sowie jene der Pfeilung, danach errechnet das Programm u.a. einen Schwerpunkt für Nuris. Bei meinem „Rochen“ liegt dieser bei ca. 34,5cm (von vorne).

Schwerpunkt

Das Design

Als Kriterium standen für mich hier klar eine gute Erkennung der Fluglage (unterschiedliches Design an Ober- und Unterseite) sowie eine allgemein gute Sichtbarkeit des Modell im Vordergrund. Als Farben kamen Acrylfarben auf Wasserbasis zur Anwendung, und da hatte ich „zufällig“ von der „Canadair XXL“ noch die Farben Rot und Gelb vorrätig 🙂

Der Erstflug

Freitag, 11.12.2015

Bei 3°C über Null, mäßigem Sonnenschein, fast windstillen Bedingungen und ein paar kleineren Anpassungen beim Programmieren hat sich Vereinskollege Peter bereit erklärt, mir das Modell für den ersten Flug von Hand zu werfen damit ich für alle Eventualitäten gerüstet bin. Bei einem konventionellen Flugmodell mit Bodenstart besteht ja immer noch die Möglichkeit, den Start abzubrechen, beim Delta gibt’s nur hopp oder drop. Aber meine Befürchtungen waren unbegründet, das Verhältnis von Gewicht zu Leistung offenbar im grünen Bereich und das Modell gewann kontinuierlich an Höhe. Der im Internet berechnete Schwerpunkt war in der Tat ein „leicht nasenlastiger Anfangs-Schwerpunkt“, der Akku konnte nach dem Flug noch um ca. 4cm nach hinten verlagert werden. Zum Landen kam natürlich das EZFW zum Einsatz und siehe da, es hat sogar eine längere Rollstrecke auf unebenem (und gefrorenem) Rasen unbeschadet überstanden. Beim zweiten Flug habe ich dann sowohl den Start als auch die Landung auf der Asphaltpiste riskiert und alles hat bestens geklappt.

Am Samstag, den 12.12.2015 hat Vereinskollege Christian den Sender übernommen und ich konnte noch ein paar Flugfotos vom „Stachel-Rochen“ machen:

Die technischen Daten*:

Bauplan:                      Mr. Josh Bixler
Adaptionen:                 Michael Pfanner
Bauzeit:                        ca. 30h
Spannweite:                 1.820mm
Gewicht (flugfertig):      1.780g
Länge (über alles):        860mm (ohne Stachel 🙂 )
Material:                        EPS 6mm und 3mm, Sperrholz 5mm, PowerTape 🙂
Steuerung:                    Motor, Ruder, EZFW
Motor:                            1 Stk. FUSION HAWK „345/06 BL 850“ (850 U/min/V)
Servos:                          2 Stk. HITEC „HS-81“
Einziehfahrwerke:         2 Stk. HORIZON HOBBY „EFLG400“
Räder:                           2 Stk. Moosgummireifen ∅48mm
Regler:                           1 Stk. ROBBE „E-Coline BL-C 40A“
Luftschraube::                1 Stk. APC 10×5″
Akku:                              1 Stk. WELLPOWER LiPo 4S/5000mAh
Empfänger:                     FUTABA R617FS
Frequenz:                       2,4 Ghz

*….alle Angaben ohne Gewähr