Moorhuhn / Vöster Modellbau

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Bei diesem Funflyer handelt es sich um das sogenannte „Moorhuhn“ von VÖSTER MODELLBAU in Ditzingen (D), welches um das Jahr 2003 produziert und in Österreich u.a. über SCHWEIGHOFER MODELLBAU als Bausatz vertrieben wurde. Der Neupreis des Modells betrug damals in etwa € 100,00. Im Vergleich zu seinem „Konkurrenten“, dem „Funky Chicken“ von GRAUPNER sind keine bedeutenden Unterschiede feststellbar, außer dass das „Funky Chicken“ eine um ca. 20cm geringere Flügelspannweite hatte. Alle Bauteile waren weiß, das Modell konnte so dem eigenen Geschmack entsprechend lackiert und gestaltet werden. Kopf und Rumpf bestanden aus GFK, die (einst) 4-teiligen Tragflächen (oder sollte ich besser „Flügel“ sagen) aus „echtem“ Styropor, Höhen- und Seitenleitwerk aus Balsaholz, als Augen dienten halbierte Styroporkugeln mit einem Durchmesser von 50mm.

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Wie ich zum „Moorhuhn“ gekommen bin….

Und wieder einmal hat sich mir das Modell förmlich aufgedrängt und mich mit großen Kulleraugen aus dem Internet angesehen. Und so ist es dann in der ersten Septemberwoche 2013 bei mir zu Hause „eingetrudelt“, leicht lädiert aber was bedeuten schon Äußerlichkeiten…wie würde mein Vereinskollege Peter sagen „..für das eine Mal…“. Und zudem hat das Huhn ja auch schon 10 Jahre auf dem Buckel und darf somit ruhig ein wenig gerupft aussehen (das ist Scale).
Mein Modell war bereits fertig zusammengebaut, die einteilige Tragfläche wird mittels 2 Schrauben am Rumpf befestigt. Im Modell verblieben sind Motor incl. Klappluft-Propeller und Spinner sowie der Regler und 2 Micro-Servos für das Höhen- und das Seitenruder. Also theoretisch würde gelten: „Akku+Empfänger rein und los geht’s“.

Nachdem die „Teich-Henne“ dann ein paar Wochen im Keller herumgelegen hat, habe ich mir ein Herz gefasst und einen MPX-Stecker an den Regler gelötet, einen noch zufällig freien Empfänger verbaut und einen Akku verstaut. Die Kontrolle des Schwerpunktes ergab – zu meiner Überraschung – ein durchaus akzeptierbares Ergebnis.

Der Erstflug / „Version 1.0“
Freitag, 18.10.2013
Was soll’s…nach dem Motto „Entweder sie fliegt oder nicht“ hat mir mein Vereinskollege Peter noch beim Programmieren des Senders geholfen, 1 Seiten- und 1 Höhenruder waren ziemlich rasch betriebsfertig, die „Schubkraft-Messung mit Muskelkraft“ hat auf der Stirn von Peter einige Runzeln erzeugt, das schräge-nach-oben-Halten des Modells bei Vollgas war seiner Mimik entsprechend nicht unbedingt sehr überzeugend. Als sich dann bei Vollgas auch noch der graue Spinner mit einem lauten „Plop“ verabschiedete und in seine Einzelteile auflöste, stieg die Belustigung im selben Verhältnis wie die Hoffnung über einen erfolgreichen Erstflug sank. ABER: der Schwerpunkt war absolut perfekt…ist ja auch nicht selbstverständlich Die Dauer zwischen erstem Wurf und Bodenkontakt betrug geschätzt 1 Sekunde (großzügig aufgerundet). Also zweiter Wurf und siehe da: sie hielt sich in der Höhe…zwar nicht lange aber sie bewies überraschend gute Segel-Qualitäten. Nach der Erhöhung des Höhenruderausschlags und dem Programmieren von Expo bei beiden Ruderausschlägen stand einem dritten Versuch nichts im Wege. Und es klappte schon weitaus besser…bis zu jenem Zeitpunkt, als das Federvieh trotz Vollgas keinen Vortrieb mehr erzeugt hat…also sanfte Landung in der Wiese, Vogel holen, Fehlersuche. Zu meiner Verteidigung muss ich erwähnen, dass ohne größere Demontagearbeiten am Modell es nicht möglich gewesen wäre, festzustellen, welche Spannung denn eigentlich der verbaute Motor gerade noch akzeptiert hätte. Jedenfalls liess Brandgeruch nichts Gutes erahnen und nach dem Ausbau des Motors stellte sich heraus, dass es sich um einen ROBBE-Motor handelte, welcher für eine Betriebsspannung von 6V ausgelegt war (und da kann man es ihm natürlich nicht übelnehmen, dass er beim Betrieb mit einem 3S-LiPo-Akku mit 11,1V nicht unbedingt sehr erfreut war.

Also zurück in die Ordination..also in meine Werkstatt….den verbrannten Bürstenmotor durch einen kleinen gebrauchten Brushless-Motor ersetzen, den Drehzahlsteller durch einen ebenfalls gebrauchten 20A-Brushless-Regler. Zusätzlich habe ich dem Huhn dann auch noch etwas längere Klappluftschrauben gegönnt, mit der Gefahr, dass das – was das Huhn betrifft – in’s Auge gehen könnte (denn wenn sich die längeren Löffel während des Fluges anlegen und dann beim Gasgeben wieder drehen…ich möchte mir den Anblick gar nicht erst vorstellen…). Das könnte aber vermieden werden, in dem die Motorbremse beim Regler deaktiviert wird, somit verschlechtern sich zwar die ausgezeichneten Segelflug-Qualitäten des Modells mit einer rekordverdächtigen Sinkrate, dafür legen sich die Klappluftschrauben auch bei „Motor-Aus“ nicht an und retten so der Henne Augenlicht.

Der Zweitflug / „Version 1.1“
Samstag, 19.10.2013
Erneut ein traumhafter Herbsttag, milde 20°C, blauer Himmel und fast kein Wind…ideale Bedingungen also, um das „Moorhuhn Version 1.1“ zu starten…leider wusste der blöde Vogel aber nicht, dass dies ideale Bedingungen waren. Den ersten Versuch mit den neuen Komponenten habe ich selbst gewagt: Modell leicht nach oben…Vollgas…ein paar Schritte und los…aber länger als 1 Sekunde dauerte es auch diesesmal nicht, bis das Huhn im Rasen einschlug..mit schmerzhaften Folgen beim Huhn: Kieferbruch ! Was war geschehen: zwar hat das Vögelchen jetzt mehr Dampf, allerdings war der Motorsturz diesen Kräften nicht gewachsen was auch durch einen vergrößerten Höhenruderausschlag nicht kompensierbar war. Aber so schnell gibt Michael nicht auf. Also nochmals ein weiterer Versuch: wieder mit Vollgas, voll gezogener Höhe und einem neuen ausgeruhten Werfer…Ergebnis: Verdoppelung der Flugzeit auf mindestens 2 Sekunden. Allerdings hat sich der arme Vogel nun neben dem Kieferbruch auch noch einen offenen Bruch der rechten Schwinge mit kompletter Amputation zugezogen. Jetzt reicht’s aber langsam…TESA-PowerTape raus, Flügel einigermaßen stabilisiert und weiter geht’s. Inzwischen war der erste Werfer ausgeruht und empfahl eine andere Taktik (nein, nicht sprengen…): a) Modell leicht nach oben ausrichten b) Höhe voll durchziehen c) Gasknüppel auf Halbgas….danach ein paar lockere Schritte als Anlauf…loslassen und…1 Sekunde..2 Sekunden…3 Sekunden (neuer Rekord)..und noch immer oben. Zwar hatte das Ganze absolut nichts mit Fliegen zu tun, „Sich-gegen-das-Abstürzen-wehren“ oder „mit-allen-Mitteln-der-Erdanziehungskraft-entgegenwirken“ ist sicher die treffendere Beschreibung. Aber immerhin gelang es mir, das Huhn einige Zeit in der Luft zu halten. Die Landung war dann etwas zu schnell und mit zu wenig Höhe, das gab dem Huhn dann ziemlich den Rest und es zog sich auch noch eine ziemlich schwere Augenverletzung zu…kein schöner Anblick…wirklich nicht…..

Und so brachte ich das lädierte Huhn wieder nach Hause in meine Werkstatt, die am Unfallort getroffenen Diagnosen haben sich bei näherer Untersuchung allesamt bestätigt. Der Zustand des Huhns war einigermaßen stabil, keine der zahlreichen Verletzungen war lebensbedrohlich:

Der Drittflug / „Version 1.2“
Dienstag, 22.10.2013
24°C (!) Außentemperatur, ziemlich strammer Südwind mit Böen von bis zu 50km/h…das Huhn ist parat. Nachdem ich die einteilige Tragfläche in der Wiese auf der gegenüberliegenden Straßenseite wiedergefunden hatte (war doch eine etwas heftige Böe, die sich sowohl meiner Coke-Flasche als auch der Tragfläche widmete), erklärten sich drei Vereinskollegen bereit, Ihren Beitrag für das Projekt „Heli-Huhn-Schlepp“ zu leisten: Oli als Pilot des Schlepp-Helis, Jogi widmete sich der Pressearbeit und Peter fungierte als technischer Berater. Als Schleppseil hatte ich eine 0,5mm starke Nylonschnur mit ca. 8m Länge angefertigt, als kleines Gewicht habe ich an einem kleinen Karabiner 2 große rechteckige Beilagscheiben aus Metall in einem kleinen Knoten an der Schleppleine über dem Huhn befestigt (Helikopter + Hauptrotor + Heckrotor = gefährlich). Der Heli hob ohne Probleme ab und war von den unter sich hin- und herpendelnden 650g Zusatzgewicht nicht sehr beeindruckt. In ca. 8m Höhe stieg zwar der Heli weiter, das Huhn aber nicht..und bevor ich überhaupt einen Steuerknüppel zu greifen bekommen habe, schlug das Huhn ziemlich genau senkrecht mit der Schnauze voraus auf dem Asphalt ein….Auge rausgefallen….ein Teil der linken Tragfläche abgebrochen…Ober- und auch Unterkieferbruch….

Also wieder retour mit dem Federvieh nach Hause, nach 25 Minuten Arbeit war das Huhn wieder flugbereit….wobei ich beim nächsten Versuch wieder auf die Wurftechnik zurückgreifen werde….und die Versuche so oft wiederholen werde, bis ich zumindest 1 Foto des Huhns in fliegendem Zustand für diesen Bericht habe ! Vorher gebe ich dieses Projekt nicht auf…und wenn ich zur Not eine große Silvesterrakete in das Hinterteil dieses Vogels stecken muss und ihn so mit Gewalt zum Fliegen zwingen muss !

Der Viertflug / „Version 1.3“
Freitag, 25.10.2013
Noch immer hält das milde Herbstwetter an, 24°C, Sonnenschein und fast wolkenloser blauer Himmel. Vorbereitend dazu hatte ich mich am Vormittag unter 4 Augen mit dem Huhn unterhalten und ihm mit dem Einführen einer Silvester-Rakete zum nächsten Jahreswechsel gedroht. Und nach den ersten entrüsteten Kommentaren von einigen Ornithologen habe ich gleichzeitig an ihr Gewissen appelliert, mir weitere Operationen an ihr zu ersparen. Zum Starten haben wir nun wieder die klassische Wurfmethode verwendet, dies wurde wieder von Vereinskollege Peter übernommen, Andreas kümmerte sich diesesmal um das Fotografieren. Also wenigstens dauerte dieser Flug wesentlich länger, als die letzten 3 Versuche zusammen. Aber im Grunde genommen war ich nur damit beschäftigt, das Huhn irgendwie in der Höhe zu halten…und zum Schluss driftete es immer weiter Richtung Süden (sind Moorhühner eigentlich Zugvögel ? Das würde einiges erklären..) und zwang mich zu einer Außenlandung….ABER: a) ich hatte nun endlich meine Flugfotos für diesen Artikel und b) sie war unbeschädigt.

Etwas später kam Vereinskollege Christian dazu, er hat sich sofort bereit erklärt, das Moorhuhn zu fliegen damit ich noch ein paar weitere Fotos machen kann. Und was soll ich sagen, bereits nach den ersten Sekunden meinte er trocken „Fliegt gar nicht so schlecht…ganz lustig ohne Querruder…nicht gearde viel Leistung…und wenn man Seite gibt, muss man nur leicht ein wenig mit Höhe stützen..sonst kippt es gleich auf die Seite weg nach unten…und ein wenig trimmen muss ich so noch“. Dazu möchte ich noch erwähnen, dass Christian nicht einmal den selben Mode fliegt wie ich. Jedenfalls war damit bewiesen: es liegt eindeutig NICHT am Huhn sondern am Piloten !. Christian absolvierte noch weitere 4 Flüge und so hatten Vereinskollege Mathias und ich genug Zeit, um noch ein paar tolle Schnappschüsse festzuhalten:

Das war also die Geschichte vom kleinen Moorhuhn, welches auszog, um seinen Besitzer und alle, die ihm beim Fliegen zusehen, zu erheitern…und es hat seine Aufgabe tapfer und hervorragend erledigt. Und jetzt kann ich mich endlich in Ruhe meinem Winterprojekt widmen: der Bau (m)einer MRV…Näheres dann auf dieser Homepage.

Fazit: Also um ganz ehrlich zu sein: der Hit ! Aber nur solange ich es nicht fliegen muss und mich um die Fotos kümmern darf.

Die technischen Daten*:

Vertrieb:                    SCHWEIGHOFER
Hersteller:                  VÖSTER Modellbau
Baujahr:                     ca. 2003
Spannweite:               zwischen 1190mm und 1350mm (abhängig von der Anzahl der verbleibenden Federn an den Flügelspitzen)
Länge (über alles):      660mm
Gewicht (flugfertig):    648g
Material Rumpf:           GFK
Material Flächen:         Styropor
Material Leitwerke:       Balsaholz
Steuerung:                  Höhe, Seite, Motor

Vom Vorbesitzer verbaute Komponenten*:

Regler:                        HOBBYWING „Eagle-20A“ für Bürstenmotoren (!)
Motor:                         ROBBE 6V-Bürstenmotor
Luftschraube:              GRAUPNER 6×6″ (15×15) Klappluftschraube
HR-Servo:                   1 Stk.  JAMARA XT „S-Micro“
SR-Servo:                   1 Stk.  JAMARA XT „S-Micro“

Von mir verbaute bzw. verwendete Komponenten*:

Motor:                         no-name (ex ASW17 von Hype)
Regler:                        HOBBYWING „Skywalker“ 20A mit 5A-BEC (ex ASW 17 von Hype)
Luftschraube:               no-name (ex ASW17 von Hype
Flug-Akku:                   1 Stk. WELLPOWER 2S 2000mAh 7,4V
Empfänger:                  FUTABA R608FS (mann gönnt sich ja sonst nichts…)

*……alle Angaben ohne Gewähr