62″ Fly Guy (designed by Otto Diefenbach)

Fly Guy

Der 62″ Fly Guy (designed by Otto Diefenbach)

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich beim Aufräumen des Kellers wieder mal auf einen großen Karton 6mm Depronplatten gestoßen. Dabei konnte ich mich auch noch schwach erinnern, irgendwann letztes Jahr mal einen Bauplan eines größeren Funflyers – dem Fly Guy – ausgedruckt zu haben. Also was soll’s, die weiteren erforderlichen Komponenten hatte ich ebenfalls „auf Lager“, es stand einem kleineren Zwischenprojekt also nichts im Wege 🙂

Der Bauplan

Den Bauplan gibt’s gratis auf der Website rcgroups.com als Download. Dabei werden mehrere Einzelseiten gedruckt, diese dann zu einem großen 1:1-Plan zusammengeklebt und die Bauteile im Anschluss ausgeschnitten. Ich habe dann als Fleißaufgabe (aber eigentlich nur der besseren Möglichkeit des Übertragens der Schablonen auf Depron) alle Teile zuerst noch auf einen etwas dickeren Karton übertragen und sie dann danach sauber ausgeschnitten. Der Fly-Guy setzt sich aus lediglich 17 Einzelteilen zusammen (eine mehr als überschaubare Menge wenn ich mich an meine Depron Modelle der Corsair oder auch der Canadair zurück erinnere).

Wie sich im Zuge des Zusammenbaus herausgestellt hat, waren beim einen oder anderen Bauteil Fehler im Plan und es waren einige manuelle Korrekturen erforderlich. So besteht z.B. die Brustplatte lt. Plan aus 2 Bauteilen, welche a) eigentlich 1 Bauteil sein sollten und b) zusammengesetzt auch noch rund 5cm zu schmal sind. Auch weichen die Bauteile von der – mehr oder wenig gut bebilderten Bauanleitung in englischer Sprache – ab. Aber mit ein wenig Hausverstand und nach meinen Bauerfahrungen mit dem „Skyman“ von Michael Kainberger, habe ich dann doch aus den ganzen Einzelteilen ein Ganzes geschaffen 🙂

Der Zusammenbau

Der Kopf des Fly Guy’s wird in Sandwichbauweise hergestellt, um eine höhere Festigkeit zu erzielen. Ich habe dazu innen und außen 0,5mm-Flugzeugsperrholz und in der Mitte einen Kern aus 3mm Depron verwendet. Die zu verklebenden Stellen mit Holz-Weissleim bestreichen, das Ganze ordentlich mit Gewicht belasten und über Nacht ziehen lassen :-). Dort wo der Motorspant angebracht wird, habe ich ebenfalls eine Sperrholzplatte aufgeleimt. Im Bereich der Arme und Schultern sorgen Kiefernholzleisten (10 x 5mm) für etwas mehr Festigkeit, bei den beiden „Bein-Rudern“ 2 dünne CFK-Rohre).

Nun konnte mit dem Zusammenbau der einzelnen Bauteile begonnen werden. Zur Verklebung habe ich für jene Bauteile, bei welchen noch vor dem Aushärten des Klebers eine Feinjustierung möglich sein muss, UHUpor® verwendet, bei den restlichen Bauteilen kam die Heißklebepistole zum Einsatz.

An den beiden Bein- pardon – Höhenrudern sowie an den „Seitenleitwerken“ habe ich dünne CFK-Rohre angebracht, sie geben den Bauteilen ein wenig mehr Stabilität. Abweichen zum Bauplan sind die beiden starren Füße nun durch einen dünnen Stab verbunden, je nach Windverhältnissen und Flugzustand des Modells, hatten sich die Höhenruder an den starren Bauteilen verhakt (gar nicht gut).

Der Antrieb & die Elektronik

Angetrieben wird der Fly Guy von einem Brushless-Motor in Verbindung mit einem 40A-Regler des gleichen Herstellers. Der Durchmesser der Luftschraube richtet sich bei diesem Modell in erster Linie nach den im „Brustraum“ herrschenden Platzverhältnissen. Ein „10er-Löffel“ hätte jedenfalls bereits Depron-Schneefall zur Folge und würde mehr zu Belustigung der Vereinskollegen als für moderaten aber ausreichenden Schub sorgen. Und so war ein wenig Tüfteln und Ausprobieren bei der Wahl des richtigen Props erforderlich.

Die Servos

Als Höhenruder-Servos hatte ich zunächst zwei kleine namenlose 9g-Servos verbaut, als Unterlage zur Befestigung dienten 2 kleine Sperrholzplättchen. Wie sich aber bei den ersten Flügen herausgestellt hat, legten beide Servos einfach zu wenig Weg zurück und liefen zudem noch unterschiedlich schnell. Also raus mit den Servos und ersetzen durch 2 etwas größere Exemplare. Danach waren die Ausschläge größer und das Ansprechverhalten fast identisch.

 

Das Design

Über das Design habe ich mir vorsichtshalber erst nach dem Erstflug Gedanken gemacht (man lernt ja bekanntlich nie aus 🙂 ). Fest stand allerdings, dass ich nicht den xten Superman – in welcher Farbkombination auch immer – wollte, es sollte irgendwas anderes werden. Und nachdem mir eines Abends auf der Heimfahrt von der Arbeit ein Firmenauto des Österreichischen Innenministeriums mit zwei am Straßenrand stehenden und ziemlich böse blickenden Angestellten des selben Ministeriums aufgefallen sind, war das wie eine Erleuchtung: jawohl, es wird…es wird…es wird…ein Polizist ! 🙂 Die Bemalung erfolgte per Pinsel mit Lacken auf Wasserbasis, die restlichen Details wie Gesicht, Abzeichen und Schriftzüge wurden zunächst am PC auf die entsprechende Größe skaliert, auf Papier ausgedruckt und dann auf das Modell aufgeklebt. Ach ja, neue Hände hat der „Fly Guy“ auch noch erhalten (sogar mit schwarzen Handschuhen). Zum Thema Gesicht: es war gar nicht so einfach, Fotos ein und der selben Person von vorne und auch im Profil zu finden. Aber als ideal dafür stellten sich ganz klar Fahndungsfotos heraus und so ziert nun ein namenloser Drogendealer aus den USA meinen „Fly Guy“.

 

Der Erstflug / Freitag, 21.4.2017

Bei etwas kühlen aber sonnigen 13°C und guten Windverhältnissen hat mein Kollege Peter den Fly Guy geworfen und…..er flog, etwas „schwammig“ (Expo für Höhe habe  ich danach gleich wieder auf 0% gestellt) und nicht gerade sehr folgsam, aber er flog. Interessant war die Tatsache, dass er Rechtskurven problemlos gemeistert hat, bei Linkskurven aber einen Kurvenradius wie ein manntragendes Jumbo-Jet für sich beanspruchte. Auch ein Seitenzug des Motors von rund 5° konnte dieses Phänomen nicht beseitigen. Also habe ich auf Anraten Peters die beiden No-Name-Servos wieder entfernt und durch Markenservos mit Metallgetriebe ersetzt. Das Problem der billigen Servos war, dass sie sowohl zu wenig Weg zurücklegten als auch unterschiedlich schnell die Steuerbefehle umgesetzt haben..

Hier einige Impressionen des zweiten Flugs durch Vereinskollege Christian, der Fly Guy war damals noch als Schneemann getarnt 🙂

Und hier ein paar Flugfotos mit dem fertigen Fly Guy vom 30.4.2017, Danke an Bernd für die Bilder 🙂

Das Fazit

Ab und zu braucht man eben Herausforderungen 🙂

Die technischen Daten*:

Konstruktion:                 Otto Diefenbach
Bau:                               Michael Pfanner
Bauzeit:                         ca. 23  Stunden (17h Bau, 5h Design)
Spannweite:                  1.070mm
Länge gesamt:              1.580mm
Gewicht (incl. Akku):     ca. 960g
Material:                         Depron, Sperrholz, Fichtenholz, CFK
Motor:                            1 Stk. HAWK-FUSION „3545/06“
Luftschraube:                1 Stk. APC 9×7,5″
Regler:                           1 Stk. HAWK-FUSION „40A“
Akku:                              1 Stk. XPOWER LiPo-Akku 3S, 11,1V, 2.650mAh
Servos:                           2 Stk. „DIAMOND“ Metallgetriebe-Servos
Steuerung:                     Höhe, Motor
Empfänger:                    GRAUPNER „GR-16“, 8  Kanal,  2,4Ghz

*…alle Angaben wie immer ohne Gewähr