Piper Cub

Piper

Da war ich natürlich komplett überrascht, als mir Anfang September 2012 ein Vereinskollege dieses fertige Modell schenkte.  Ich habe mich entschlossen, die verbauten nagelneuen 5 Servos (incl. Schleppkupplung) im Modell zu belassen und so wechselte die „Kleine dicke Gelbe“ gegen einen sehr fairen Ablöse-Preis für die Servos den Besitzer. Nach der provisorischen Reparatur der Modellhaube und des leicht lädierten Seitenruders ging es an den Einbau des Motors, des Akkus und des Reglers. Da ich das Modell mit einer etwas stärkeren Motorisierung betreiben wollte (5S statt 3S), musste aufgrund des Gewichts der Akkuschacht noch entfernt und nach oben hinten versetzt werden.

Bei der Piper handelt es sich um mein erstes „Nicht-Schaumwaffel-Modell“. Balsa- und Sperrholz mit Folie bespannt waren für mich eine neue Erfahrung und beim Gedanken daran, was beim Flug (und auch beim Transport) alles kaputt gehen könnte, verspürte ich wachsenden Respekt vor diesem Modell. Um zumindest beim Transport nichts kaputt zu machen, habe ich aus Pappelsperrholz eine Transportbox gebaut (natürlich nachdem ich vorher die Platzverhältnisse in meinem PKW geprüft hatte). Und auf der Unterlage sind sowohl der Rumpf als auch die beiden Tragflächen, die Flächenstreben und das Steckungsrohr platziert.

Der Erstflug / 23.9.2012

Ca. 14 Tage später war’s dann soweit. Der „Fluglehrer meines Vertrauens“ hat sich der Piper angenommen und mit ihr den Erstflug (nach meinen durchgeführten Modifikationen bzw. Reparaturen) gewagt. Und das war eine gute Entscheidung, bei mir hätte sich das Modell vermutlich spätestens nach 10 Sekunden nach einem heftigen Bodeneinschlag in seine Einzelteile zerlegt. Den bereits beim Start stieg das Modell in einem ziemlichen heftigen Steigwinkel nach oben. In sicherer Höhe führte Peter dann einige Manöver und Tests durch. Es stellte sich dann ziemlich bald heraus, dass das Modell so eher in die Kategorie „stark absturzgefährdet“ einzustufen war. Das zeigte sich eindeutig, als das Modell bei Vollgas wunderschöne Loopings in den Himmel zauberte, allerdings ohne dass dabei das Höhenruder betätigt wurde…nicht so gut. Beim Landen dann die nächste Überraschung: das Modell weigerte sich wehement, Auftrieb abzubauen. Obwohl lediglich ca. 70cm über der Piste zog das Modell unbeirrt in einer geraden Linie darüber hinweg. Erst beim dritten Versuch und mit den Rädern beim Anflug fast schon in der Wiese vor der Landebahn hat Peter es dann geschafft, die Piper wieder sicher zu landen.

Im Anschluss daran erfolgten umgehend die notwendigen Korrekturen. Als erstes den 18×10-Löffel gegen einen 17-er tauschen. Weiters den deutlich zu geringen Motorsturz als auch den -seitenzug erhöhen. Und schlussendlich noch den Akku um etwa 15mm weiter nach hinten versetzen. Eine Woche später waren diese Arbeiten dann erledigt und das Modell war was die Flugeigenschaften betrifft nicht wiederzuerkennen, alles im grünen Bereich, einfach perfekt. Und so abgestimmt habe ich dann in etwa 20 Flüge im Lehrer-Schüler-Modus absolviert, zu Beginn mit 2 unerfreulichen – durch mich verursachten – Zwischenfällen. Aber aus Schaden wird man bekanntlich klug und so habe ich gelernt: Durchstarten mit Vollgas in Bodennähe bei sehr langsamem Modell = nicht gut (zum ersten Mal wurde mir der Begriff und die Auswirkung des Drehmoments praktisch dargeboten…). Und beim Rollen am Boden NIE Tiefe drücken…auch nicht gut (nach der Rolle vorwärts im Gras war jetzt das Seitenruder wenigstens komplett futsch und musste neu aufgebaut und mit Folie bespannt werden…).

Bei den Flügen stellte sich dann noch ein kleiner (konstruktionsbedingter) Minuspunkt heraus: das Modell braucht in den Kurven Geschwindigkeit. Ist die Geschwindigkeit zu gering, dann klappt die Gelbe ohne Vorwarnung denn kurveninneren Flügel nach unten…Strömungsabriss. Die Ursache: die Tragflächen der Piper weisen weder eine V-Stellung, noch eine Flächen-Schränkung auf, sie gleichen eher einem Bügelbrett als einer aerodynamisch konzipierten Tragflächen. Aber gut, so hat jedes Modell seine Eigenheiten und als Pilot hat man die Herausforderung, mit diesen umzugehen und diese zu meistern (finde ich…).

Der erste Alleinflug / 18.11.2012

Und irgendwann ist er dann eben da, der Zeitpunkt, an welchem man das Modell alleine und ohne einen rettenden Eingriff eines erfahrenen Pilots in brenzligen Situationen fliegen muss. Die ersten Flüge stand mir mein Kollege noch mit Rat zur Seite und gab mir wertvolle Tipps. Und von Flug zu Flug legte sich die Anspannung. Mittlerweile fliege ich das Modell selbstständig, zwar mit de nötigen Respekt sowie größerer Konzentration und Aufmerksamkeit als beispielsweise mit einer „Schaumwaffel“, aber ohne Angst im Hinterkopf. Nun gut, es war sicher nicht das idealste Modell, um auf diese Kategorie umzusteigen, aber wie sagt man so schön „Man wächst mit den Herausforderungen“ und vor allem: „Stillstand bedeutet Rückschritt“ ;-).

Fazit:   zwar nicht gerade unkritisch und absolut kein Anfängermodell, aber trotzdem ein tolles Scale-Modell mit einem ansprechenden Flugbild…ich bin jedenfalls sehr froh, sie in meinem „Hangar“ zu haben.

Die technischen Daten*:

Spannweite:                 1815 mm
Gewicht (incl. Akku):     3286 g
Länge (über alles):        1180 mm
Material Rumpf:             Sperrholz mit Folie bespannt
Material Flächen:           Sperr- bzw. Balsaholz mit Folie bespannt
Frequenz:                      2,4 Ghz
Steuerung:                     Höhe, Seite, Quer, Motor

Von mir verbaute Komponenten:

Motor:                            LiPolice LPA-4025/16T-385KV (ca. 1,50 PS)
Akku:                             HYPERION LiPo 5S, 18,5V / 5000mAh
Propeller:                       APC 17×10
Regler:                           FUSION HAWK 60A / programmierbar
Empfänger:                    FUTABA R617FS

*….alle Angaben ohne Gewähr