Piper „Cherokee“ / Planet Hobby

 

PH_Piper_SFMan gibt Briefe und Pakete auf, aber niemals Schachpartien.“ Dieses Zitat von Paul Keres (1916-1975), einem bekannten sowjetischen Schachmeister, hat mich seit meinem Schachunterricht in den 80er Jahren begleitet. Und nach den „Tonnen-Bestattungen“ der Corsair und der TwinAir sowie einem Besuch der Unfall-Notaufnahme im Spital (so ein Dreiblatt-Löffel hat aber auch einen Durchzug, ich wünschte, er hätte ihn bei der Corsair auch so frei entfaltet), habe ich mich dann um ein neues Modell umgesehen. Die Voraussetzungen: gutmütige Flugeigenschaften, Spannweite zwischen 150 und 160cm, Scale-Charakter, preiswert, Gewicht um die 3-4kg.

PIPER AIRCRAFT CORPORATION / PA-28 „Cherokee“ -Das manntragende Original

Die PA-28 wurde ab 1961 in Serie produziert, bereits über 36.000 Stück verließen das Werk, noch heute wird sie in der Versionen Archer III, Warrior III und Arrow als einmotoriges viersitziges Flugzeug hergestellt. Die PA-28 findet hauptsächlich als Schulungsflugzeug und Reiseflugzeug für Kurzstrecken Anwendung.

Technische & sonstige Daten des manntragenden Flugzeuges „PIPER PA-28-181 Archer III“

Erstflug:                                   1960 / seit 1961 in Serienproduktion
Triebwerk:                                 LYCOMING O-360-A4M (Kolbenmotor)
Leistung:                                  135kW (184PS)
Länge:                                      7,32m
Höhe:                                       2,20m
Spannweite:                            10.80m
Flächeninhalt Flügel:                15,80m²
Leergewicht:                       ca.   764kg
Maximales Startgewicht:     ca.1.175kg
Reichweite:                        ca. 1.185km
Geschwindigkeit (max):     ca. 246km/h
Dienstgipfelhöhe:              ca. 3.353m
Reichweite maximal:         ca. 1.185km

(Quelle: http://www.flugzeuginfo.net)
link zum Hersteller:            PIPER AIRCRAFT CORPORATION

Das RC-Modell der „Piper PA-28 Cherokee“ von PLANET HOBBY

 

Der Bausatz

Ende April 2013 ist meine „Cherokee“ dann im Ländle eingelangt. Ein schlichter Karton, keine Hochglanz-Beschichtung, aus ökologischer Sicht natürlich sehr begrüßenswert. Alle Bau- und Kleinteile waren perfekt verpackt und ausreichend für den weiten Transport aus einem fernen Land nach Europa gesichert. Nach der Entfernung der Verpackungen von sämtlichen Bauteilen, habe ich diese dann in meinem Arbeitszimmer zwischengelagert. Am nächsten Tag musste ich dann allerdings den Raum ordentlich durchlüften, ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, welche Art von Weichmachern in den ganzen Kunststoffteilen enthalten sind und in welchen Mengen sie sich verflüchtigen. Aber zum einen wird sich das Modell ja meistens im Freien aufhalten, zum anderen habe ich ja nicht im Sinn, darauf herumzubeissen Smiley.

Der Zusammenbau

Die dem Bausatz beigelegte schwarz-weiß kopierte Bauanleitung in englischer Sprache hat z.T. große Ähnlichkeiten mit den Aufbauanleitungen eines großen schwedischen Möbelhauses. Aber mit etwas logischem Denken und der „try & error – Methode“ findet man sich dann einigermaßen zurecht.

Zuerst werden die Polyamid-Scharniere an den Querrudern sowie die Stift-Scharniere an den Landeklappen eingeklebt und anschließend mit den Tragflächen verbunden. Gut gefällt mir dabei die verdeckte Anlenkung der Landeklappen: das Gestänge führt durch die Tragfläche direkt an das Ruderhorn der Landeklappe und ist somit von außen nicht zu sehen. Die Servos für die Landeklappen werden im Servoschacht befestigt, die Holzklötzchen dafür sind bereits vorhanden, zur Servobefestigung wird eine kleine Sperrholzleiste quasi als Bügel darüber befestigt. Zur Befestigung der Querruder-Servos müssen zuerst die Holzklötzchen an den Servoabdeckplatten angebracht werden, die Servos werden dann an diesen verschraubt. Zum Verlegen der Servokabel von der Servos bis zur Wurzelrippe verwende ich meine „Angel-Methode“: am Ende eines Schweißdrahtes einen kleinen Haken formen, den Draht dann vorsichtig von der Wurzelrippe aus durch die Spanten bis zum Servoschacht führen, Servokabel einhängen und vorsichtig ziehen. Auf der Oberseite der Tragflächen sind im Bereich des Rumpfes bereits Öffnungen vorgesehen, aus diesen werden dann die Servokabel nach oben geführt. An den Vorderseiten der Wurzelrippen der beiden Tragflächen sind noch 2 Metallplättchen einzukleben, diese dienen als „Einrast-Zapfen“ in der dafür vorgesehenen Aussparung im Rumpf. Nun noch das Steckungsrohr aus Aluminium einführen, dann können die beiden Tragflächenhälften miteinander verbunden werden.

Auch bei diesem Modell werde ich die beiden Tragflächen in zusammengebautem Zustand belassen und transportieren, um den Aufwand beim Auf- und Abbau zu minimieren, habe ich auch bei diesem Modell die bewährte „MPX-Stecker-Methode“ verwendet, so können die 4 Tragflächenservos mit nur lediglich 1 Steckverbindung verbunden und getrennt werden.

Als nächstes werden die beiden Haupt-Räder zusammengebaut. Hier ist für einen leichtgängigen Lauf der Räder ein wenig „Feintuning“ notwendig, insbesonders die 4mm-breiten vorgeschnittenen Distanzhalter aus Kunststoff sind allesamt komplett schief geschnitten. Und nachdem ich das erste Rad einige Male zusammen und wieder auseinandergebaut habe, hat der Zusammenbau beim zweiten dann nur ein paar Minuten gedauert. Beide Fahrwerksbeine sind am Ende in 2 Winkeln gebogen, zur Befestigung dienen 2 Holzquader* welche an den Schachtabedeckungen mit Epoxidharz angeklebt werden. Die Abdeckungen mit den gesamten Radkonstruktionen werden dann mit jeweils 4 Schrauben an den Tragflächenunterseiten angeschraubt.
*…wie sich beim Erstflug als Schwachpunkt herausgestellt hat: a) in Weichholz und b) Ausfertigung in falscher Faserrichtung des Holzes

Noch eine kleine Anmerkung zur Montage der Räder an den Tragflächen: wer den dafür verantwortlichen Konstrukteur kennt, möge ihm bitte einen schönen Gruß von mir ausrichten und ihn bei dieser Angelegenheit fragen, wie er sich das Eindrehen jener 2 Befestigungsschrauben, die sich ziemlich genau unter den Radschuhen befinden, vorgestellt hat:

Der Zusammenbau des (angelenkten) Bugrades erfolgt in etwa wie jener bei den Haupträdern, an der Stange ist jedoch noch ein Anlenkungshebel anzubringen (ähnlich einem Servoarm), an diesem sollten die 0,4mm starken Anlenkungsdrähte aus Stahl befestigt, werden, welche durch zahlreiche Durchführungen im Rumpf bis zum Seitenruder-Servo ins Heck geführt werden sollten. Ich habe mich aus praktischen Gründen gegen die Drähte und für Bowdenzüge entschieden. Bei der Seilvariante hätten zudem aus meiner Sicht alle einzelnen Durchführungen im Sperrholz (und das sind viele !) noch mittels einem Kunststoff-Inlet ausgestattet werden müssen um ein eventuelles Durchscheuern durch die Zugbewegungen des dünnen Stahlseils zu verhindern.

Beim (nicht profilierten) Höhenruder sowie beim Seitenruder müssen – wie schon bei den Querrudern – die Polyamid-Scharniere beidseitig eingeklebt werden, mittig an der Unterseite wird das Ruderhorn am Höhenruder montiert. Nun können der feste Teil des Seiten-Leitwerkes sowie das Höhenruder mit dem Rumpf mittels Epoxidharz verklebt werden. Wichtig dabei: zuerst die Anlenkung für das Seitenruder durch den Rumpf einführen und erst dann das Seitenruder mit dem Seitenleitwerk verkleben. Die Anlenkung des Seitenruder erfolgt über einen Kugelkopf, jene des Höhenruders über einen Gabelkopf, für das Servogestänge muss dazu aus der Plastikabdeckung eine kleine Auslassöffnung erstellt werden.

In der Cockpit-Schale werden die 4 Kunststoff-Sitze mit Doppelklebeband befestigt, die beiden Steuerhörner müssen noch ausgeschnitten und mittels einer kleinen Distanzhülse am Armaturenbrett befestigt werden. Die Kabinenhaube wird dann mit Doppelklebeband auf der Cockpit-Schale befestigt. Die Befestigung der fertigen Kabinenhaube erfolgt mittels 2 kleinen Schrauben an der Rumpfaußenseite, im vorderen Bereich sorgt ein kleiner Zapfen für einen sicheren Halt.

Die Elektronik

Beim Zusammenbau dieses Modells stand für mich diesesmal eindeutig die Funktionalität im Vordergrund. Natürlich habe ich alle Komponenten sachgemäß verbaut, aber was beispielsweise die Elektronik anbelangt, haben diesesmal deren Einzelteile ziemlich rasch ihren Bestimmungsort gefunden.
Zur Platzierung des Akkus habe ich im vorderen Teil des Rumpfes ein paar Stege entfernt und eine Öffnung bis zum Motorspant geschaffen, so kann der Akku längs bis fast zum Motor hin eingelegt werden. Die 4 Akkus für die Empfängerstrom-Versorgung passen genau in einen seitlichen Schacht, auch für den „Horst-Schalter“ und den Regler ist noch ausreichend Platz. Und da die Unterseite der Kabinenhaube eine Art Deckel für den gesamten Bereich bildet, ist a) alles gegen Verrutschen gesichert und b) das ganze Wirr-Warr gar nicht mehr sichtbar.

Wie bereits bei der Corsair wurden die beiden Ein-Aus-Schalter für die Haupt- bzw. die Empfängerstromversorgung sowie die Ladebuchse an der Rumpfaußenseite verbaut. Da ich den Akku zum Laden im Modell belassen möchte, habe ich mir für das Balancerkabel eine einfache Lösung einfallen lassen: an der Rumpfunterseite eine Öffnung für den Balancerstecker machen – die Folie rund um die Öffnung rechteckig entfernen – ein Stück Fahrradschlauch in der Mitte mit 2 Kreuzschnitten einschneiden – auf die Öffnung kleben – Stecker durch – fertig. So kann das Kabel zum Laden einfach herausgezogen werden und danach wieder zurückgeschoben werden. OK, optisch ein Flop, aber funktionell top.

Der Erstflug
Donnerstag, 9.5.2013
Und schon wieder hat sich mein Vereinskollege Peter breitschlagen lassen und mir die Last des Erstflugs abgenommen. Dieser war dann zwar nicht gerade entspannt (komisch….ich persönlich habe das Ganze ziemlich gelassen verfolgt), der Flug hat aber relativ gut geklappt. Wir haben dann noch einen 12×10″-Propeller anstelle des 13×8″ montiert, am Sender noch einige Einstellungen angepasst bzw. korrigiert und so folgten noch 2 weitere Flüge. Was sich ziemlich bald herausstellte: a) das Modell ist relativ schwer und damit schnell (ja..ich geb’s zu..ich hätte kleinere leichtere Servos in den Flächen verbauen sollen, hatte aber die beiden FITEC bzw. HITEC-Servos noch von der Corsair in meinem Fundus) und b) die kleinen Holzquader, welche die Fahrwerksbeine aufnehmen und an den Unterseiten der kleinen Sperrholzabdeckungen eingeharzt sind, halten den Belastungen eindeutig nicht stand. Zum einen handelt es sich um normales Weichholz aus einem Stück, zum anderen läuft die Faserung des Holzes in die falsche Richtung, eine Spaltung ist dabei bei etwas härteren Schlägen vorprogrammiert.

Um dieses Problem zu beheben, habe ich aus einer 20mm starken mehrfach verleimten Holzplatte neue Quader mit den gleichen Abmessungen erstellt. Und dabei ist mir in den Sinn gekommen, dass ich ja von der „Corsair“ noch 2 geschleppte Federbeine aus Aluminium habe. Und nach der Kontrolle der Abmessungen sowie des Gewichts habe ich mich dann entschlossen, diese Federbeine vorerst für meine Piper zu verwenden. Dies hat für mich den Vorteil, dass ich für meine ersten Flüge mit einem Tiefdecker auch mal etwas härter aufsetzen kann, ohne dabei größere Schäden zu provozieren. Und wenn ich dann die notwendige Routine habe und das Modell bis dahin noch existiert, werde ich diese entfernen und auf die ursprünglich vorgesehene Konstruktion zurückgreifen. Dann finden auch die Radschuhe wieder Verwendung. Dazu habe ich dann aus dem mehrfach verleimten Holz die 2 Quader ausgeschnitten, 5mm-Bohrungen gemacht, auf der Rückseite Schlagmuttern angebracht und als Befestigung eine normale Gewindestande M5 verwendet. Diese hat zwar keine hohe Festigkeit, hat aber den Vorteil, dass sie im Notfall Schläge, welche nicht vom Fahrwerk abgefedert werden, aufnimmt und diese Energie in Kaltverformung umwandelt.
Zum Thema Optik möchte ich mich jetzt nicht äussern….aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Der „erste Alleinflug“ oder „alleinige Erstflug“
Dienstag, 14.5.2013, 18.00h
Vermutlich war ich nicht der einzige, der sich gewundert hat, dass ich das Modell 2x auf der Piste landen konnte und (fast) nichts kaputt war. Die geschleppten Federbeine funktionieren hervorragend, sie dämpfen bei härteren Landungen die auftreten Stöße optimal ab. Jedoch gibt es nun 2 restliche Dinge zu verbessern:

a) auch das Gestänge des Bugrades war bis jetzt ebenfalls in einem normalen Quader aus Weichholz untergebracht (welches sich in seiner letzten Verzweiflung solidarisch mit seinen ausrangierten Kollegen erklärt und in Längsrichtung geteilt hat). Auch hier habe ich einen neuen Quader aus Mehrschichtholz erstellt und eingeharzt.

b) die gedachte Mittellinie der Tragflächen des Modells sind im Stand leicht nach unten geneigt, d.h. die Flächen weisen einen negativen Anstellwinkel auf. Insbesonders beim Starten bedeutet dies, dass das Modell noch mehr Geschwindigkeit braucht, um vom Boden abzuheben, als es aufgrund seines hohen Gewichtes ohnedies schon benötigt. Um hier zumindest eine parallele Linie zu erhalten, habe ich zum einen ein etwas größeres Bugrad (62mm statt 55mm Durchmesser) verbaut und zum anderen bei der Befestigung noch ca. 10mm Länge „herausgeschunden“.

Fazit:  Preis-Leistungs-Verhältnis ohne Zweifel OK, die Verarbeitung des Modells ist sehr zufriedenstellend, über das eine oder andere kleinere Manko muss man in diesem Preissegment eben hinwegsehen. Doch um ehrlich zu sein: ausser der kleinen Schwachstelle beim Fahrwerk konnte ich nichts Negatives feststellen.

Die technischen Daten*:

Spannweite:                 1530 mm
Gewicht (flugfertig):      4200g
Länge (über alles):       1200 mm
Material Rumpf:            Sperrholz balsabeplankt mit Folienbespannung
Material Flächen:          Sperrholz balsabeplankt mit Folienbespannung
Material Leitwerke:       Sperrholz balsabeplankt mit Folienbespannung
Flächeninhalt:               43,5 dm²
Flächenprofil:                NACA 2415
Steuerung:                   Höhe, Seite, Quer, Landeklappen, Motor

Von mir verbaute Komponenten*:

HR-Servo:                     1 Stk. hexTronik HX12K
SR-Servo:                     1 Stk. GRAUPNER C5077
QR-Servos:                   2 Stk. HITEC HS-311
LKL-Servos:                  2 Stk. FITEC FS5617M
Motor:                            LiPolice LPA-3025/12T-770KV
Propeller:                      APC 12×10″
Akku:                            HYPERION LiPo 5S, 18,5V / 5000mAh
Schalter Hauptstrom:    HCSW1 High Current Switch (by Horst)
Empfänger-Akku:          4 Stk. SANYO NiCd-Akkus / à 1,2V 1800mAh
Regler:                          FUSION HAWK 60A / programmierbar
Empfänger:                   FUTABA   7 Kanal
Frequenz:                      2,4 Ghz

*……alle Angaben ohne Gewähr