Michael Pfanner / PJOTRNOV „PJ-1“

Die Idee…

Ausschlaggebend für dieses Projekt waren zahlreiche Faktoren wie z.B.. die allgemeine Überlegung hinsichtlich eines Winterprojekts, die Suche nach etwas Ausgefallenem, 2 fertig bespannte Tragflächen welche ich von einem Vereinskollegen geschenkt bekommen habe usw. Es sollte jedenfalls ein Hochdecker werden (ja, ich stehe immer noch auf Kriegsfuß mit sämtlichen Mittel- und Tiefdeckern) mit Einziehfahrwerken, zur Abwechslung mal mit 4 Motoren und ausreichend Leistung. Vielleicht auch mal mit ein „paar“ Rädern mehr als die klassischen Standardmodelle. Und dann sah ich zudem noch im Fernsehen eine interessante Dokumentation über das z.Z. größte Frachtflugzeug der Welt, die ANTONOV „AN-225„. Sechs Triebwerke, Leergewicht ca. 175 Tonnen, maximales Startgewicht ca. 600 Tonnen (!), ca. 89m Flügelspannweite und….ein Hochdecker 🙂 Und so ist aus einem Sammelsurium an Teilen & Ideen das Projekt „Pjotrnov“ entstanden.

Die Planung…

Bei diesem Projekt habe ich zum ersten Mal bereits vor dem Bau am Computer ein 3D-Modell erstellt um mein Manko bei der räumlichen Vorstellungskraft zu kompensieren. Im Internet gibt es zahlreiche kostenlose Planungsprogramme, allerdings sind die meisten entweder als zeitlich begrenzte Testversion erhältlich oder aber so kompliziert, dass man als Laie ziemlich schnell das Handtuch wirft. Ich bin dann aber fündig geworden und kann die Software SketchUp an dieser Stelle wirklich nur empfehlen (den link zum Download von einer seriösen Webseite (chip.de) gibt’s hier). Natürlich ist auch bei dieser Software Interesse und Geduld gefragt, aber mir hat’s bei der Planung sehr geholfen. Hier ein paar screenhots vom 3D-Modell wobei es sich nur um einen groben Entwurf handelt….

Rumpf

Eines war klar: den Rumpf würde ich als möglichst einfachen Kasten-Rumpf konzipieren. Klar, rund bedeutet weniger Luftwiderstand aber auch viel mehr Arbeit. Und zudem wollte ich ja keinen Airliner nachbauen sondern ein Unikat schaffen 🙂 Also habe ich zunächst einmal aus Fichtenholz-Stäben (10mm x 10mm) einen primitiven rechteckigen Rumpf mit den Abmessungen 700mm x 200mm x 200mm erstellt. Zur Befestigung des T-Leitwerks habe ich einen separaten Bauteil erstellt und diesen möglichst stabil mit dem Grundgerüst verbunden. Ob sich die Proportionen als richtig erweisen, wird sich vermutlich erst beim Erstflug zeigen :-).

Nach den ersten vorsichtigen Tests bezüglich des Schwerpunktes hat sich gleich herausgestellt, dass sich das irgendwie nicht so ganz ausgeht und mein „Ostblock-Bomber“ ein zu kurzes Vorderteil hat ;-). Jedenfalls war der Dremel ziemlich schnell im Entfernen des vorderen Teils, unwesentlich länger hat es gedauert, den Bug neu zu konstruieren und dabei der Größe der Flug-Akkus anzupassen….

Also das Bespannen des Modells hat mich einige graue Haare gekostet und diese Tätigkeit gehört eindeutig nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber was soll’s, zu ist zu und aus ein paar Metern Entfernung sieht die Falten kein Mensch mehr. Und wen’s stört der darf jederzeit gerne den Rumpf zu sich nach Hause mitnehmen und mir diesen neu und faltenfrei bespannt wieder bringen 🙂

Das Hauptfahrwerk

Für das Hauptfahrwerk hatte ich mir 2 Einziehfahrwerke mit jeweils 6 Achsen und je 2 Rädern pro Achse vorgestellt. Die beiden EZFW’s von RIPMAX sind zwar großzügig dimensioniert (lt. Hersteller geeignet für Modelle mit einem Gesamtgewicht von max. 10kg), aber wer weiß, vielleicht finden sie ja zukünftig in einem anderen Modell Verwendung. Als Räder dienen insgesamt 24 Moosgummireifen mit Kunststofffelgen und einem Durchmesser von knapp über 50mm. Als Träger dient ein CFK-Vierkantrohr (10mm x 10mm). Für die Achsen habe ich jeweils 60mm lange Stücke aus einer Gewindestange M3 entnommen, die Befestigung der Achsen und Räder kann so einfach mit M3-Schrauben erfolgen.

 

Das Bugfahrwerk

Das – natürlich lenkbare – Bugfahrwerk habe ich der Einfachheit halber starr konstruiert.

Tragflächen

Bei den Tragflächen musste ich mich leider von meiner ursprünglichen Planung verabschieden. Eigentlich wollte ich 2 gebrauchte Tragflächen (welche ich von einem Vereinskollegen geschenkt bekomme habe) bei diesem Modell verbauen. Da aber bei diesen Flächen das Steckungsrohr nicht im rechten Winkel zur Wurzelrippe der Tragflächen steht, ich aber einen rechteckigen Rumpf konstruiert habe, hätte ich ziemlich komplizierte Anpassungen am Rumpf machen müssen. Aus diesem Grund habe ich mich nach anderen besser geeigneten Tragflächen umgesehen. Und als ich an meinem JOKER XL vorbeigelaufen bin, kam mir die Idee:  Joker-Tragflächen !! Also gleich auf die PICHLER-Homepage…und da zufällig noch 1 Exemplar des Jokers lagernd war, habe ich gleich einen kompletten Joker bestellt (damit habe ich zur Not dann noch einen Ersatz-Rumpf für meinen Schlepper auf Lager) 🙂

Zur Anpassung der Joker-Tragflächen waren neben der Kürzung des Steckungsrohrs auch Anpassungen beider Querruder erforderlich: einerseits musste der Bereich für den Rumpf ausgenommen werden und andererseits wollte ich da die „Pjotrnov“ vorsichtshalber mit Landeklappen ausstatten.

Motoren & Regler

Die Motoren und Regler habe ich extra für dieses Projekt gekauft. Zwar habe ich am Anfang noch überlegt, ob 4 Bürstenmotoren und 4 Regler eine Alternative wären, aber aufgrund der mangelnden Artenvielfalt bei der „Bürsten-Variante“ hat sich die „bürstenfreie Variante“ klar durchgesetzt. Ein wenig Bedenken hatte ich zu Beginn vor allem hinsichtlich der Synchronisierung der 4 Motoren. Denn die Erwartung, dass 4 Brushless-Regler – auch wenn sie von Marke und Type her identisch sind – absolut synchron arbeiten, ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Aber mein Vereinskollege Peter hatte hier (wie immer) gleich die entsprechende Lösung: alle 4 Motoren erhalten einen eigenen Steckplatz beim Empfänger. So können die Gaskurven der Motoren alle einzeln verändert werden, ein möglichst synchroner Lauf der Motoren sollte so erzielbar sein.

Eine der größten Herausforderungen bei diesem Projekt war die Montage der 4 Motoren und dabei speziell die Motorenhalterungen und deren Befestigung an den Tragflächen. Das Ganze sollte stabil sein und möglichst keine Verwindungen im Betrieb zulassen, trotzdem nicht zu schwer. Zudem wollte ich das Ganze ohne größere „Eingriffe“ in die Struktur der Tragflächen herstellen und auch deren Optik nicht mehr als notwendig verändern. Zudem sollten sowohl Motoren- als auch Reglertausch im Falle eines Defekts möglichst einfach erfolgen können. Den ersten Motorspant habe ich mit einem stabilen Karton erstellt und erst nach einigen Änderungen dann aus 5mm Mehrschicht-Sperrholz gefertigt.

Um dem Drehmoment der 4 Motoren entgegenzuwirken laufen die beiden Motoren der rechten Tragfläche nach links und jene der linken Tragfläche nach rechts (jeweils von vorne gesehen).

 

Höhenleitwerk & Seitenleitwerk

Das Seitenleitwerk incl. Seitenruder hatte ich noch auf Lager, es stammt von meiner ausrangierten „CriCri“ von Modster. Hier musste ich lediglich das Seitenruder leicht nach oben versetzen und die Anlenkung anpassen. Vom ursprünglichen Vorhaben des geplanten T-Leitwerks musste ich mich verabschieden, der Grund: die insbesonders beim Starten wichtige aber beim T-Leitwerk fehlende Anströmung von Höhenleitwerk und -ruder durch die 4 wesentlich tiefer arbeitenden Luftschrauben. Aus diesem Grund habe ich das beim JOKER beiliegende Höhenleitwerk verbaut.

Elektrik & Elektronik

Bei den Flug-Akkus habe ich aus verschiedenen Gründen wieder (in der Anschaffung etwas teureren) LiFe-Akkus gewählt: die „Pjotrnov“ braucht vorne Gewicht, die Akkus können zum Laden im Modell verbleiben und die „Balancerei“ bei LiPo-Akkus entfällt ebenfalls. Zum Einsatz kommen also 15 LiFe-Zellen mit je 2.500mAh und 3,3V konfektioniert als 5S3P.

Das Design:

Bei der Wahl des Designs hatte ich absichtlich den Erstflug abgewartet (man weiß ja nie) und mir dann über die Firma Druckermax ein paar Aufkleber bestellt….

Der Erstflug / Sonntag, 19.3.2017

Nachdem wir am Freitag zuvor die Programmierung des Modells fertiggestellt und den Akku randvoll geladen hatten, setzte pünktlich die „Schlinser Mittags-Brise“ mit starkem und vor allem z.T. von der Seite wehendem Wind ein. Erstflüge bei solchen unberechenbaren Verhältnissen lehne ich kategorisch ab :-). Also habe ich mich mit einigen Rollversuchen begnügt (die aber – zumindest was die Leistung betrifft – ziemlich erfolgversprechend waren). Am Sontag war es dann bei idealen Voraussetzungen soweit, Modell nochmals durchgecheckt, ab auf die Piste und Schub. Brav hob die Pjotrnov ab, Leistung mehr als ausreichend, in ausreichender Höhe dann lediglich 2-3 „Zacken“ Tiefe getrimmt, es folgten die obligatorischen Test wie z.B. das Überziehen (was dem Modell aber so ziemlich egal war, außer konstantem Sinken nix los…). Danach 2 simulierte Landeanflüge und die Landung, dosiertes Schleppgas bei unveränderter Höhe, Gas leicht zurücknehmen und Punktlandung. Es folgten Verwunderung von meiner Seite gepaart mit ein klein wenig Stolz….Prototyp fliegt, die erste „4-Mot“ am Platz…mit Gesamtkosten unter € 500,00 🙂

Hier einige Flugfotos von der Pjotrnov, Danke an dieser Stelle an Vereinskollege Peter..

 

Und hier noch ein paar Standfotos:

Fazit:

Natürlich sind die hervorragenden und unkritischen Flugeigenschaften in erster Linie auf die perfekten Tragflächen des „Joker XL“ von PICHLER zurückzuführen, leichte V-Stellung und eine Schränkung der Flächen sind einfach ein Garant für entspanntes Fliegen….

 

Die technischen Daten*:
Konstruktion & Bau:   Michael Pfanner
Planungs- u. Bauzeit: ca. 48 Stunden                  
Spannweite:               ca. 2.020mm
Länge über alles:        ca. 1.560mm
Gewicht (flugfertig):    ca. 5,8kg
Standschub:               ausreichend 🙂
Material:                     Sperr- u. Fichtenholz, Balsa, Bügelfolie
Steuerung:                 Höhe, Seite, Quer, Motoren, Landeklappen, EZFW
QR-Servos:                2 Stück MASTER „DS4020 (#C4994)
LKL-Servos:              2 Stück GRAUPNER C5077
HR-Servo:                 1 Stück HITEC „HS-322HD“
SR-Servo:                  1 Stück GRAUPNER C231
Motoren:                     4 Stück PLANET HOBBY „Joker 3536-9“, 890 U/V, ca. 350W
Luftschrauben:           4 Stück AERO-NAUT 10×5″ (2 links- und 2 rechtsdrehende)
BL-Regler:                   4 Stk. PLANET HOBBY „Fun 40A 2-4S SBec“
Flug-Akkus:                15 Stk LiFe A123 2500mAh konfektioniert als 5S3P 18,5V mit
                                    High Current Switch „HCSW1“ made by Horst 🙂
Einziehfahrwerk:
Hauptfahrwerk:            2 Stk. RIPMAX Type „F-RMXER040MS“
Räder:
Hauptfahrwerk:           24 Stk. Moosgummi-Reifen ∅ 51mm, Breite 19mm, à 5g
Bugrad:                       2   Stk, Moosgummi-Reifen ∅ 51mm, Breite 19mm, à 5g
Bugrad-Servo:            1 Stk. GRAUPNER C507
Empfänger:                 GRAUPNER GR-24 (12 Kanal) 2,4 Ghz
*….alle Angaben ohne Gewähr