HANGAR 9 / F4U „Corsair“

Cora_Beitragsbild

Wie ich zur HANGAR 9 Corsair gekommen bin…..ist ganz einfach, ich habe sie geschenkt bekommen. Sie war nach Komplikationen im Landeanflug im Zuge des Erstflugs leicht lädiert und der Besitzer hatte sich entschlossen, das Modell nicht zu reparieren und hat sich von ihm getrennt. Und irgendwie hat mir die Cora leid getan 🙂

Ausgangslage

Ich habe dem Vorbesitzer natürlich noch am Platz geholfen, den Motor, die Servos und die gesamte Elektronik auszubauen. Danach habe ich mir zu Hause einen genaueren Überblick verschafft und festgestellt, dass die Schäden wie von mir vermutet gar nicht so dramatisch und mit akzeptablen Aufwänden an Geld & Zeit zu beheben waren. Und da für mich bei diesem Modell die Optik nur zweitrangig war und ich das Modell als Trainingsmodell verwenden wollte, habe ich mich dann sehr bald an das Projekt „Cora“ gemacht, hier noch ein paar Bilder vom damaligen „Ist-Zustand“…

Durchgeführte Reparaturen & Änderungen

Tragflächen-Reparatur & Servo-Einbau

Die Querruder-Servos waren schnell eingebaut, die Halterungen und Abdeckungen waren unbeschädigt. Ein Pluspunkt dieses Modells: die in den Tragflächen eingelegten transparenten PVC-Leerrohre, welche zum Einziehen der Servokabel sehr hilfreich sind. Die Montage der beiden Servos für Höhe und Seite im vorderen Teil des Rumpfs war ebenfalls gleich erledigt. Etwas komplizierter war der Einbau des Servos für die charakteristischen und von innen angelenkten Spreizklappen, bei der beschädigten Tragfläche wurde die gesamte Halterung für den Servo herausgerissen und musste im Zuge der Reparatur der Fläche von Grund auf neu aufgebaut werden.

Danach habe ich Teil für Teil wieder zusammengefügt, fehlende Teile ergänzt, das Ganze grob verschliffen und mit der bestehenden Folie wieder überzogen, und aus 2m Entfernung sieht niemand mehr, dass die Cora schon wegen eines offenen Bruchs und ein paar Stauchungen und Prellungen in Behandlung war 🙂

Bereits die umfangreiche Prüfung & Analyse der „Flugunfall-Untersuchung“ vor Ort hatte für die unverhältnismäßig große Beschädigung der Tragfläche 2 wesentliche Gründe eruiert:

a) Konstruktionsfehler:   im Flügel ist kein durchgehender Holm zu finden !

b) Verarbeitungsfehler: mangelhafte Verklebung zwischen TF-Hälfte u. Mittelteil

Die einzig stabile Verbindung zwischen den TF-Hälften und dem Mittelteil ist eine überlappende Verbindung von ca. 5x5cm. Bei der beschädigten Hälfte hatte sich diese Verbindung aufgrund einer sehr dürftig aufgetragenen Klebstoffschicht gelöst, die Beplankung und die Rippen alleine konnten diese Kräfte nicht mehr aufnehmen und so ist der gesamte Flügel abgeschert. Aus diesem Grund habe ich zunächst die intakte Flächenhälfte im Bereich dieser „Sollbruchstelle“ geöffnet und die Verbindung mittels 2 Schrauben verstärkt. Bei der beschädigten Hälfte wurde als erstes diese Stelle mit Weissleim dauerhaft verklebt. Danach habe ich mich von innen nach außen vorgearbeitet und so die Rippen und Spanten sowie die Halterung für den LKL-Servo neu aufgebaut und anschließend die Beplankung wieder so gut wie möglich erstellt.

Das Fahrwerk

Durch den Absturz war der Stahl des Fahrwerkbeines etwas verbogen und musste  nach dem Ausbau lediglich wieder gerade ausgerichtet werden. Beim Einbau in das EZFW muss beachtet werden, dass die beiden Enden der Spiralfeder in die entsprechenden Bohrungen eingeführt und vor dem Fixieren das Fahrwerk „vorgespannt“ werden muss. Diese Vorspannung zwingt das FW beim Ein- und Ausfahren zur Drehung um 90°, eine einfache aber effektive Methode (solange die Feder über ausreichend Spannung verfügt). Die zuvor vom Vorbesitzer (aus Gewichtsgründen) montierten und unterdimensionierten Moosgummireifen habe ich gegen passende Luftreifen mit Alufelgen ausgetauscht.

Motor & Motorhaube

Das Ziel bei der Suche nach einem passenden Motor war in erster Linie: Leistung ! Einerseits ist die Corsair auch manntragend gezwungen, Defizite in der Aerodynamik mit einem Plus an Leistung zu kompensieren (von vorne betrachtet hat sie einen CW-Wert wie eine Waschmaschine :-), andererseits habe ich das Ergebnis einer Unter-Motorisierung ja bereits selbst miterlebt. Auch wenn im Flugbetrieb dann nur mit Halbgas geflogen werden sollte: im Notfall soll sie ausreichend Leistung haben und diese auch möglichst sofort bereitstellen (einer der zahlreichen Vorteile eines Elektromotors). Und in dieser Kombination der Antriebseinheit (2PS-Motor, 80A-BL-Regler und 17×10-Schraube) sollte sie dies auch bewerkstelligen können….zumindest in der Theorie. Zur Montage des Motors habe ich als Erstes den „Geigenkasten“ (der bei diesem Modell zum Glück verschraubt war) entfernt, Grund: ich traute der gesamten Konstruktion nicht, zudem war eine genaue Platzierung des Motors (wegen Motorhaube !) nicht möglich. Stattdessen wurden 4 Gewindestangen mit Alu-Distanzhülsen zwischen Motor und Motorspant platziert. Da der Seitenzug durch den bereits schräg verbauten Motorspant vorgegeben war, musste lediglich der Sturz berücksichtigt werden.

Wie ich festgestellt habe – und was mich sehr verwundert hat – sind bei der unsanften Landung des Modell 3 der 4 Halterungen der Motorhaube nicht abgebrochen sondern einfach abgefallen, ein klares Zeichen für ein mangelnde Verklebung (mittlerweile hatte ich die Vermutung, dass am Tag der Produktion dieses Modells der „Bauer“ anwesend war, nicht aber der „Kleber„, was aber offenbar dem „Qualitäts-Sicherer„, dem  „Verpacker“ und dem „Versender“ nicht mitgeteilt wurde…). Also habe ich die noch intakte Halterung nachgeklebt und die losen 3 mit ordentlich Holzleim neu eingesetzt.

Bei der Motorhaube wurde vom Vorbesitzer stirnseitig nur eine einzige kleine Öffnung angebracht um den dort montierten BL-Motor mit Frischluft zu versorgen. Da ich aber unter der Haube sowohl Motor als auch beide Akkus und den Regler platzieren musste, habe ich nun alle Leerräume zwischen den angedeuteten 9 Zylindern der Sternmotor-Attrappe ausgefräst, nun können alle dort platzierten Bauteile frei atmen 🙂

Ein Vorteil des Modells: auf der Rumpfoberseite ist zwischen Cockpit und Motorhaube eine abnehmbare Abdeckung verbaut. Vorgesehen ist dieser Zugang, um einen Akkuwechsel ohne TF-Demontage durchführen zu können. Bei der jetzigen Verwendung muss die Haube nur zum Einschalten der Stromversorgung bzw. zum Laden des Akkus abgenommen werden….

Irgendwas ist mir zudem bei der Seitenansicht des Modells komisch vorgekommen und nach dem Vergleich mit Bildern aus dem Internet hat sich dies dann bestätigt: zwischen Seitenruder und Heck ist ein Spalt welcher dort so nicht hingehört, weder beim Modell noch beim manntragenden Original. Ich vermute jedoch, dass hier vom Vorbesitzer gewollt ein Bauteil nicht angebracht wurde um den Schwerpunkt nicht noch weiter nach hinten zu verlagern:

Elektronik, Regler & Akku

Was sich bei der Eruierung der Schwerpunktes (dieser liegt nach Herstellerangabe 92mm hinter der Nasenleiste der Tragflächen) ziemlich bald herausgestellt hat: die Gute braucht vorne viel Gewicht, sehr viel Gewicht sogar. Dies war auch der Grund, weshalb der Vorbesitzer fast den gesamten „Geigenkasten“ mit Blei verkleidet hat um den vom Hersteller geplanten Platz für den Akku beibehalten zu können. Ich bin aber ein absoluter „Blei-Gegner“. Zwar findet unter der Motorhaube kein LiPo-Akku in ausreichender Größe Platz und 2 kleinere Akkus in Serie würden auch 2x Balancer-Kabel bedeuten und wären zu diesem Zweck ohne Hauben-Demontage nicht zugänglich, aber es gibt ja zum Glück Eisen-Akkus. Und wieso Blei verwenden (welches außer Gewicht keinen Nutzen hat und zudem giftig ist), wenn das Gewicht auch gleichzeitig mit Leistung erzielt werden kann ? Klar, der Mehraufwand liegt beim Zusammenlöten der Einzelzellen, dafür ist aber a) die Lebensdauer unter normalen Umständen um ein Vielfaches höher als bei LiPo-Akkus, b) es reicht 1 Ladestecker c) es ist kein Balancieren notwendig und d) sowohl beim Laden und auch beim Entladen können Ströme erzielt werden, wie sie bei einem LiPo-Akku nur 1x möglich wären 🙂 Das Löten habe ich aber auch dieses Mal einem Spezialisten überlassen und so hat Peter den Kolben wieder glühen lassen.

Die beiden Akku-Packs (Gesamtgewicht incl. Verkabelung von rund 1.000g im Gegensatz zu den ca. 770g eines 6S-5000mAh-Lipos) wurden nun oben und unten an den Motorhalterungen befestigt, so auch der Regler und der High Current Switch, dieser ermöglicht es, das komplette Modell stromlos zu machen ohne dabei die beiden Akkus vom Regler zu trennen. Und so sieht das Ganze nun fertig aus:

Der Erstflug:

Dienstag, 7. Juni 2016

Spontane Feste sind die besten Feste“ Frei nach diesem Motto war’s auch beim Erstflug dieses Modells so. Da die „Cora“ flugbereit im Keller stand, es nach Feierabend tatsächlich einmal nicht regnete und Vereinskollege Peter auch „zufällig“ Zeit hatte, war sie fällig :-). Nach Fertigstellung der Programmierung den Prop montieren und zunächst mal Strom messen, das Ergebnis sorgte für leichtes Stirnrunzeln der Anwesenden: 25A bei voller Last (lediglich der 80A-Regler blieb cool und ließ das Ganze mit gelassener Desinteresse über sich ergehen ). Dann konnte aber mit dem erforderlichen Schub was nicht stimmen, also Schnur um’s Modell, digitale Kofferwaage anhängen und Vollgas. Doch aus dem leichten wurden ein erhebliches Stirnrunzeln: ca. 4,3kg Schub (bei 5,50kg Abfluggewicht ein respektabler Wert). Nachdem auch die zweiten Messungen annähernd identische Ergebnisse lieferten, stand dem Erstflug nichts im Wege. Nochmals vorsichtshalber eine Schwerpunktkontrolle in Rückenlage: neutral mit leichter Tendenz zur Kopflastigkeit, also perfekt. Rauf auf die Piste und siehe da: die Corsair startet ohne mit der Wimper zu zucken und steigt wunderschön weg. Nach ein paar Trimmungen an Höhen- u. Seitenruder und dem Einfahren des Einziehfahrwerks (ja, ich weiß, es ist der gelbe Schalter am Sender 🙂 ), habe ich mit der Corsair dann ein paar Runden absolviert und in ausreichender Höhe auch die Landeklappen getestet: alles perfekt. Also Fahrwerk und Klappen raus, ein paar Landeanflüge simulieren und die Corsair setzte sich brav auf die Landepiste. Die nächste Überraschung folgte dann nach dem Laden des Akkus: nur ca. 2.500mAh verbraucht bei rund 5 Minuten Flugdauer.

Ein paar Tage später hat sich unser Obmann Christian der Corsair angenommen und so konnte ich noch ein paar Fotos des Modells in Aktion schießen…

Fazit:  kurz & bündig:  ein rundum gelungenes Projekt (trotz meinen schlechten Erfahrungen mit Tiefdeckern 🙂

Die technischen Daten*:
Hersteller:                  HANGAR 9
Spannweite:               ca. 1.650mm
Länge über alles:        ca. 1.340mm
Gewicht (flugfertig):    ca. 5,51kg
Standschub:               ca. 4,30kg
Material:                     Sperrholz, Balsa, Rippenbauweise, matte (bedruckte) Folie
Steuerung:                 Höhe, Seite, Quer, Motor, Landeklappen, Einziehfahrwerk
QR-Servos:                2 Stück HITEC „HS-322HD“ (ca. 30 Ncm Stellkraft bei 4,8V)
LKL-Servos:              2 Stück GRAUPNER „C5077“ (ca. 50 Ncm Stellkraft bei 4,8V)
HR-Servo:                 1 Stück HITEC „HS-300“ (ca. 37 Ncm Stellkraft bei 4,8V)
SR-Servo:                  1 Stück HITEC „HS-300“ (ca. 37 Ncm Stellkrfat bei 4,8V)
Motor:                         PLANET HOBBY „Joker 5060-81.650W (ca. 2,2PS)
Luftschraube:             APC 17×10″
Regler:                        1 Stk. PLANET-HOBBY Professional Fun 80A mit SBEC”
Flug-Akku:                  14 Stk LiFe A123 2500mAh à 3,3V (konfiguriert als 7S2P) mit
                                    High Current Switch „HCSW1“ made by Horst 🙂
Räder:                         Hauptfahrwerk: 2 St. Luftreifen 4″ ∅ 104mm, Breite 28mm
Empfänger:                 FUTABA „R6308SBT“ (8 Kanal) 2,4 Ghz
*….alle Angaben ohne Gewähr