GB Models (Gernot Bruckmann) / MAULE „MT-7-420“

GB MODELS / "MAULE MT7-420"
GB MODELS / „MAULE MT7-420“

Es gibt wahrscheinlich sehr wenige Unternehmen, welche sich seit Ihrer Firmengründung auf die Produktion von nur einem einzigen „Artikel“ beschränken, diesen kontinuierlich weiterentwickeln und auch fast 75 Jahre (!) später noch erfolgreich im Geschäft sind. Genau dies ist beim US-amerikanischen Flugzeughersteller MAULE AIR, Inc. der Fall. Im Jahre 1941 wurde das Unternehmen von Belford D. Maule (*1911,†1995) gegründet und produziert seither 1-motorige Hochdecker mit hervorragenden STOL-Eigenschaften (STOL = Short Take Off and Landing). Die ersten Modelle waren lediglich mit einem 2-Bein-Fahrwerk oder Schwimmern sowie Kolbenmotoren erhältlich, erst bei späteren Modellen wurden ein 3-Bein-Fahrwerk sowie ein Turboprop-Antrieb angeboten. Was mich persönlich am aktuellen Modell fasziniert: das Modell verfügt über eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von ca. 306 km/h und kann trotzdem auf kürzesten Distanzen gestartet und gelandet werden. Aktuell ist man bei der „7er-Serie“ angelangt, die „MT-7-420(wobei das „T“ für „turbine“ steht) ist zugleich die Vorlage für das RC-Modell von Gernot Bruckmann.

Fakten zum manntragenden Original der MAULE „MT-7-420“
(Quellen: Wikipedia.de, tradeindia.com, Deutsches Luftfahrt Bundesamt)

Spannweite:               ca. 10,2m
Länge über alles:        ca. 7,2m
Max. Abfluggewicht:  ca. 1.134 kg
Leergewicht:               ca. 725 kg
Motor/Turbine:            ALLISON 250-B17-C (ca. 420 PS)
Propeller:                    80″-3-Blatt-Luftschraube (ca. 203cm)
Reisegeschwindigkeit:  ca. 306 km/h (bei 75% Turbinenleistung)
Mindest-Geschwindigkeit:  ca. 80 km/h mit „maximal flaps“
kürzeste Startstrecke:   ca. 60m (!) m. 1 Pilot und 1/2 Tank
Steigrate:                       ca. 855m/min
Dienstgipfelhöhe:          ca. 6.100m
Treibstoffverbrauch:     ca. 98 l/h (bei 65% Turbinenleistung)

Das RC-Modell der Maule „MT7-420“ von GB Models

Mit dem Kauf der Maule von einem Vereinskollegen habe ich mir selbst Anfang November 2015 ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gemacht, ich hatte bereits seit längerem ein Auge auf sie geworfen. Sie war beim Kauf fast flugfertig, es waren lediglich Motor, Regler, Akku und Empfänger zu verbauen. entschieden.

Motor & Regler

Da meine Bearcat ja nach einem Absturz in Folge eines Regler-Ausfalls in den „Modellflug-Himmel“ aufgestiegen ist, der Motor und auch der Regler aber komplett unbeschädigt waren, habe ich die Maule mit diesen beiden Komponenten ausgestattet.

Elektrik & Elektronik

Im Modell waren aus Sicherheitsgründen bereits 2 getrennte BEC’s verbaut, ebenfalls bereits inkludiert ein „Horst-Schalter“, mit welchem die Haupt-Stromversorgung des Modells ein- und ausgeschaltet werden kann, ohne den Akku an- und abstecken zu müssen.

Beim Flug-Akku habe ich mich für Eisen-Akkus entschieden, gesamt 24 Zellen welche von meinem Vereinskollegen Peter entsprechend zusammengelötet wurden (12S2P), sollten für ausreichend Strom sorgen und bringen dabei rund 2.000g auf die Waage 🙂 Die Vorteile dabei: beim Ladevorgang entfällt das Balancen, die Maule braucht vorne ohnedies einiges an Gewicht (damit der Schwerpunkt stimmt) und die Lebensdauer der Eisen-Akkus.

Mit dem Einbau der Beleuchtung in den Tragflächen sind zu den bisherigen Servokabeln für Querruder und Landeklappen zusätzlich 3 Kabel hinzugekommen. Da die Beleuchtung jedoch mit 7,6V und die Servos mit 4,8V versorgt werden, war es nicht möglich, diese zusätzlichen Kabel in die bestehenden MPX-Steckverbindungen zu integrieren (zudem dienen die Minus-Kabel der Beleuchtung zur Steuerung der Lampen und müssen getrennt voneinander gesteuert werden). Und da ich nicht nochmals 2 Stecker verbauen sondern die Kabel der Flächen mit jeweils nur 1 Steckverbindung anschließen wollte, musste eine andere Variante her. Die Lösung: D-SUB Steckverbindungen mit 15 Polen (wobei theoretisch 9 gereicht hätten).

Beleuchtung

Bezüglich der Beleuchtung war ich mir zunächst nur klar darüber, dass ich gerne eine verbauen wollte, von welchem Hersteller habe ich dann eher spontan entschieden. Aktuell sind meines Erachtens ohnedies nur 2 kompetente Hersteller am Markt etabliert, zum einen Optotronix (Vertrieb über EMCOTEC bzw. IRC-Electronic) und zum anderen Unilight. Zufällig bin ich dann in der Verkaufsbörse von prop.at auf eine passende Beleuchtung gestoßen (um 25% preisgesenkt da nur geöffnet aber nie verbaut) und habe diese dann gekauft.

Das Beleuchtungsset wurde vom Hersteller für Modelle ab einer Spannweite von ca. 2m ausgelegt, und beinhaltet neben dem Steuermodul 2 Landescheinwerfer (je 4W), 1 Beacon (8W), 4 Positionsleuchten (je 4W) (die als Doppelleuchten konfiguriert werden können), 1 ACL (8W) (Anti Collision Light), verschiedene Lichtgehäuse sowie Montage- und Verkabelungszubehör.

 

Cockpit

Bei diesem Modell drängte sich ja ein kleiner Semiscale-Ausbau des Cockpits förmlich auf. Auch wenn in aufgebautem Zustand des Modell die beiden wuchtigen Tragflächen einen Großteil der Sicht auf das Interieur gewaltig einschränken, bei ca. 25cm Breite und rund 65cm Länge des Cockpits sollte doch etwas machbar sein 🙂

Die Herausforderung beim Cockpitausbau lag weniger in den Details und einem „kompromisslosen Leichtbau aufgrund Gewichtsreduktion“ als vielmehr in der Notwendigkeit, dass das Cockpit – besonders im vorderen Bereich – relativ einfach demontierbar sein muss, der Grund: es muss ein Zugang zum Flug-Akku bestehen bleiben (auch wenn dieser zum Laden nicht entfernt werden muss und das Laden von außen über einen Ladestecker erfolgt). Aus diesem Grund habe ich größtenteils mit Power-Magneten zur Befestigung gearbeitet. Als Material kamen sowohl dünnes Sperrholz als auch EPS (Depron®) um Einsatz. Um den Scale-Charakter etwas zu erhöhen habe ich einige Teile mit dünnem grauen Kunstleder überzogen.

Hier ein paar Bilder vom „Rohzustand“:

Bei beiden Türen habe ich jeweils die unteren Hälften ausgenommen und diese mit transparenten Einsätzen aus Kunststoff-Folie ausgestattet (bei einem Teil der manntragenden Maule-Exemplare sind diese unteren Teile ebenfalls so gestaltet und ermöglichen Pilot und Co-Pilot bzw. Passagier eine bessere Sicht nach unten).

Die „Revisionsklappe“ an der Oberseite des Rumpfs habe ich leicht modifiziert und dabei die weiße Bespannungsfolie durch transparenten Kunststoff ersetzt, so ist auch von oben ein Blick ins Cockpit möglich.

Das Armaturenbrett habe ich aus Depron erstellt, auf welchem auf der Vorderseite ein dünnes Sperrholz aufgeleimt ist. Dieses wurde dann hellgrau lackiert und mit einigen Scale-Instrumenten im Maßstab 1:3,5 von der Firma Modellbau Wanitschek versehen. Zusätzliche Schalter sowie der Kompass auf dem Armaturenbrett stammen vom Hersteller AEROTEAM, den Rest habe ich selbst erstellt. Zusätzlich integriert habe ich eine funktionierende Empfängerstrom-Anzeige in Form einer LED-Leiste.

Für den Ausbau des hinteren Bereichs des Cockpits kam ebenfalls EPS zum Einsatz, in jenem Bereich, an welchem die Hauptkomponenten platzierst sind, sind die Abdeckungen mit Magneten ausgestattet und können einfach abgenommen werden.

Die beiden Sitze sind aus 20mm starkem Styropor, 1,5mm Sperrholz als Verstärkung und grauem Kunstleder gefertigt. Jeweils 4 Magnete an den Unterseiten sorgen auch hier für ein einfaches Entfernen.

Um dem Erscheinungsbild der manntragenden Maule noch etwas näher zu kommen, habe ich gemäß dem Original noch 2 Streben im vorderen Teil des Cockpits verbaut, diese sind natürlich auch beim Modell nicht nur Kosmetik sondern dienen als Verstärkung und Kräfteaufnahme im Rumpf.

Und so sieht das fertige Cockpit aus:

Design

Da dieses Modell zum Zeitpunkt als sie der Vorbesitzer gekauft hat nur in weiß verfügbar war, habe ich ihr über die Wintermonate mit einem Design noch etwas Farbe verpasst. Bei der Recherche im Internet nach dem klassischen Maule-Design bin ich auf ein Design sehr oft gestoßen, dieses habe ich dann auch als Vorlage verwendet und mich für die Farbe perlmuttblau entschieden. Bei den Kennungen an den Rumpf-Außenseiten und an der Unterseite der linken Tragfläche sowie den beiden „MAULE“-Schriftzügen an den Stirnseiten der TF’s, habe ich wieder auf meine bevorzugte Bezugsquelle Druckermax in Oberösterreich zurückgegriffen und die Schriften fertig geplottet auf Trägerfolie in gewohnt erstklassiger Qualität erhalten.

Der Erstflug

Sonntag, 27.12.2015

Geplant hatte ich den Erstflug zwar für das Frühjahr 2016, angesichts der frühlingshaften Temperaturen rund um die Weihnachtszeit hat sich dann aber der letzte Sonntag im Dezember 2015 förmlich aufgedrängt (10°C, schneefrei, Sonnenschein, ungetrübter blauer Himmel und fast windstill). Nach ein paar Feinjustierungen bei den Ruderausschlägen, einer Strommessung bei Volllast (95A mit den u.a. Komponenten) und dem Laden des Flugakkus folgte zunächst ein Rollversuch auf der Piste und anschließend mein erster Start (m)eines Großmodells. Dieser erfolgte ohne „Bammel“ aber mit Respekt, die 2,8m Spannweite sind doch eine beindruckende Erscheinung. Im Flug dann noch ein paar kleinere Trimmungen und nach ca. 5 Minuten die erste Landung.

Hier ein paar Fotos vom „Drittflug“ (Danke Horst) und ein paar Standfotos (wobei zu diesem Zeitpunkt das Cockpit noch nicht gebaut war)…

Fazit:  Die Maule fliegt absolut perfekt und unkritisch, die Langsamflugeigenschaften sind ein Traum. Das liegt nicht zuletzt am Konstrukteur des Modells und der Tatsache, dass das Flächenprofil der Maule identisch mit jenem des Swiss Trainer ist, und über dessen Flugeigenschaften braucht man ja nicht zu diskutieren. Positiv überrascht war ich von den Beleuchtungselementen, selbst bei strahlendem Sonnenschein sind die Positonslichter, die ACL’s, das Beacon und auch die Landescheinwerfer auch auf größere Distanzen sehr gut sichtbar.

Die technischen Daten*:
Hersteller:                  GB MODELS (Gernot Bruckmann)
Maßstab:                    ca. 1:3,65
Spannweite:               ca. 2.800mm
Länge über alles:        ca. 2.140mm (ohne Spinner)
Gewicht (flugfertig):    ca. 13,2kg
Material:                     Sperrholz, Balsa, Bespannungsfolie
Steuerung:                 Höhe, Seite, Quer, Motor, Landeklappen, Beleuchtung
QR-Servos:                2 Stück DYMOND „D 7550 MG“
LKL-Servos:              2 Stück DYMOND „DS 9500“
HR-Servos:                2 Stück DYMOND „D 7550 MG“
SR-Servo:                  1 Stück DYMOND „D 7550 MG“
Motor:                         Rotomax 1.6, 2.960W (ca. 4,0PS)
Luftschraube:             APC 22×10″
Regler:                        1 Stk. YEP 120A”
Flug-Akku:                  24 Stk. A123 LiFe-Zellen 2500mAh als 12S-2P konfiguriert
BEC 1 (Empfänger):   4 Stk. SANYO NiCd-Akkus 1800mAh
BEC 2 (extern):          1 Stk. CASTLE CREATIONS „CC Bec Pro“
Beleuchtung:               uniLIGHT, Scale-Beleuchtungsset „Large“
Akku f. Beleuchtung:   1 Stk. HYPERION LiPo 2S 2400mAh, 7,6V
Räder:                         Spornrad:          1 St. Luftreifen ∅ 50mm, Breite 25mm
__________________Hauptfahrwerk:  2 St. Luftreifen190mm, Breite 72mm
Empfänger:                 FUTABA „R6014 HS“ (14 Kanal) 2,4 Ghz
*….alle Angaben ohne Gewähr