CriCri / Modster

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Das manntragende Original:
Bei der „Colomban CriCri“ handelt es sich um das kleinste, leichteste und billigste 2-motorige Flächen-Flugzeug der Welt. Seit dem Erstflug im Jahre 1973 wurden lediglich ca. 200 Exemplare in verschiedenen Evolutionsstufen produziert. Bereits Ende der 50er Jahre befasste sich der französische Ingenieur Michel Colomban (der u.a. auch beim Flugzeughersteller Morane-Saulnier beschäftigt war) mit der Idee, das kleinste Flugzeug der Welt zu konstruieren und dabei sowohl Größe, Antrieb als auch Gewicht auf die absoluten Limitmaße zu reduzieren. Angeblich wettete er mit einem Freund, dass er ein Flugzeug konstruieren könne, welches leichter als er selbst wäre.  Doch erst Ende der 60er Jahre wurde mit dem Baubeginn begonnen. Der Rumpf wurde aus Metall konstruiert, die tragende Fläche betrug ca. 3m² (!), das Leitwerk wurde in T-Form konstruiert und als Antrieb dienten 2 Kettensägen-Motoren mit je ca. 9PS. Das Resultat war ein Flugzeug mit einem Leergewicht von lediglich 63kg.
Wer jetzt aber denkt, bei der CriCri handelt es sich um ein „Rentner-Flugzeug“, dem sei gesagt, dass die ersten Versionen für G-Belastungen von +9g bis -4,5g zugelassen waren. Der Erstflug erfolgte völlig komplikationsfrei durch einen ehemaligen Kampfjet-Piloten mit über 15.000 Flugstunden Erfahrung auf über 250 unterschiedlichen Flugzeugen.

Hier ein paar Bilder einer CriCri, die Fotos wurden im Jahr 2002 gemacht. Herzlichen Dank an Markus Richter für sein Einverständnis zur Veröffentlichung der Bilder.

In den darauffolgenden 10 Jahren folgten weitere Testflüge, das Modell wurde in diesem Zeitraum stetig weiterentwickelt, im Vordergrund standen dabei sowohl die Sicherheit als auch die Zuverlässigkeit. Im September 2010 wurde in Frankreich der Testflug der aktuellsten Ausbaustufe erfolgreich absolviert, bei der Entwicklung war unter anderem die European Aeronautic Defence and Space Company (kurz EADS) beteiligt. Der Antrieb erfolgte mittels 4 Brushless-Motoren mit insgesamt 4 Dreiblatt-Propellern, wobei jeweils 2 Druck- und 2 Zug-Propeller verbaut wurden. Als Energiequelle dienten Lithium-Polymer-Akkus (kurz LiPo) mit einem Gesamtgewicht von ca. 27kg, welche die Motoren mit 100 Volt und 5 Ah für ca. 30 Minuten Flugzeit bei einer Reisegeschwindigkeit von 110 km/h versorgten. Der Rumpf war nun aus GFK (Kunststoff mit Verstärkungen aus Kohlenstoff-Fasern) gefertigt, das Abfluggewicht lag bei ca. 170kg.

Hier noch ein paar Daten der manntragenden CriCri (Version MC-10) (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/CriCri)
Länge:                                     3,90 m
Spannweite:                            5,00 m
Höhe:                                       1,5 m
Motorisierung:                         2 Einzylinder-Motoren, je 9 PS, jeweils 1 2-Blatt-Propeller
Geschwindigkeit (max):             ca. 200 km/h
Reisegeschwindigkeit:               ca. 170 km/h
Reichweite (max):                     ca. 750 km
Leergewicht:                             ca. 63 kg (!!)
Startgewicht (max):                  ca. 170 kg
Steigrate (max):                        ca. 180 m/min
Besatzung / Passagiere:             1 Pilot
G-Belastungen (max.)                +9g / -4,5g

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Das RC-Modell der „CriCri“ von MODSTER

 

Über die „CriCri“ (französisch, Grille) bin ich zufällig gestolpert (natürlich nur im sprichwörtlichen Sinne), indem ich wieder einmal auf verschiedenen Internetseiten die Kategorie „Abverkäufe“ durchgeblättert habe. Und da war sie…..aufgestiegen in meine optischen Sinnesorgane wie Pönix aus der Asche…die „CriCri“…..einzigartig…unkonventionell…gewöhnungsbedürftig…ein richtiger Hin- bzw. je nach Geschmack Weggucker. Der Umstand, dass das Modell noch um ca. 45% preisreduziert war, war zwar nicht ausschlaggebend aber ein positiver Nebeneffekt. Nun kann eine Preisreduktion in dieser Höhe ja verschiedene Gründe haben: ein Überbestand am Lager, das Erscheinen des Modells in einer neuen überarbeiteten Version, mangelndes Interesse bei der Zielgruppe, schlechte Qualität gefolgt von zahlreichen Reklamationen der Besitzer oder das einfache Adjektiv „unfliegbar“. Um ehrlich zu sein: ich habe mich gar nicht lange mit der Suche nach einer Antwort beschäftigt.
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Der Bausatz
Ähnlich wie bei der „Cessna 337“ von SEAGULL fiel mir auch hier die stabile Verpackung und die sehr gut – meist einzeln – verpackten Bauteile auf, keine losen Teile die während des Transportes mehrfach auf Wanderschaft innerhalb des Karton gehen, alles bestens gesichert.

Der Zusammenbau

Das Modell war – wie bei den meisten ARF-Versionen (almost-ready-to-fly) üblich – größtenteils fertig. Nach dem Einharzen der CFK-Ruderhörner, dem Einkleben der Ruderscharniere und der Ruder und dem Verschrauben der beiden Leitwerke habe ich die beiden Servos für Höhe und Seite eingebaut und die Kabel vor dem Verleimen des T-Leitwerks mit dem Rumpf eingezogen und nach vorne zum Servobrett verlegt. Anschießend wurden die beiden Querruder-Servos verbaut, ein geteilter MPX-Stecker ermöglicht das einfache Ein- und Ausstecken bei der Montage bzw. Demontage der Tragflächen. Im Anschluss das Landegestell des Hauptfahrwerks mit dem Rumpf verschrauben, Räder und Radschuhe montieren. Dann noch die Befestigung für das Bugrad mit der Anlenkung, dem Radschuh und dem Rad, Einbau des Servos für die Anlenkung. Die beiden Motor-Spanten werden an den vorher mit dem Rumpf verschraubten Motorenhalterungen angebracht.

Die Kabinenhaube

Neben der einzigartigen Platzierung der beiden Motoren am Rumpf sind auch Form und Größe der Kabinenhaube charakteristisch für das Gesamtbild des Modells. Mir ist jedenfalls kein anderes Flugmodell bekannt, bei welchem die Haube in etwa doppelt so hoch ist wie der Rumpf und ca.  50% der Rumpflänge für sich beansprucht. Aber eines ist klar: ein Absturz auf die Kabinenhaube ist tunlichst zu vermeiden, denn diese Haube zieht man nicht schnell mal tief, um einen Ersatz anzufertigen. D.h. Rückenflug in Bodennähe ist zu vermeiden.

Die Servos
Das komplette Modell ist für die Verwendung von kleinen kompakten 9g-Servos ausgelegt welche jeweils stehend in den entsprechenden Aussparungen Platz finden. Angesichts des geringen Eigengewichts des Modells dürften diese – so hoffe ich jedenfalls – verlässlich Ihren Dienst verrichten (zudem hätten größere Servos in den dünnen Flächen bzw. Leitwerken ohnedies nur schwer bis gar nicht Platz). Gemäß Bauanleitung müsste der Servo für das Seitenruder im Rumpf platziert und die Anlenkung über zwei über Kreuz verlaufende Stahlseile durch den Rumpf ins Heck bis zu den 2 Ruderhörnern des Seitenruders geführt werden. Auf diese Zusatzaufgabe habe ich freiwillig verzichtet und stattdessen einen separaten Servo im Leitwerk verbaut. Den Bugrad-Servo und den SR-Servo habe ich per Y-Kabel auf einen gemeinsamen Steckplatz am Empfänger zusammengeführt (da die beiden so harmonisch miteinander harmonierten und sich so gut verstanden, wollte ich sie nicht trennen).

Elektrik & Elektronik
Was die Komponenten wie Motoren, Regler und Props betrifft, habe ich mich dieses Mal auf die vom Lieferanten für dieses Modell empfohlenen Artikel verlassen. Und ich muss sagen, es war kein Fehler. Die HAWK-FUSION-Regler und -motoren in Verbindung mit den APC-Löffeln passen perfekt zusammen, bei den Motoren fallen insbesonders die mitgelieferten Zubehörteile wie z.B. separat aufschraubbarer Prop-Mitnehmer aus Alu, das Montagekreuz, passende Schrauben sowie die Buchsen, Stecker und auch Schrumpfschläuche positiv auf (da geben sich andere Hersteller wesentlich minimalistischer). Was ich beim nächsten Mal jedoch anders machen würde: ich würde einen der Motoren gegenläufig drehen lassen und mit einer linksdrehenden Luftschraube ausstatten. Dies hätte einerseits den Vorteil, dass beide Motoren ohne Berücksichtigung eines Seitenzugs montiert werden könnten und andererseits – quasi als positiver Nebeneffekt – würden die GFK-Abdeckungen für die Motoren etwas besser passen.

Montage Motorhaube, Motorgondeln- und Motorträger-Abdeckungen
Nun ja, Qualität & Optik der Haube sowie der aus GFK gefertigten 2-teliligen Abdeckungen für die Motorträger sind OK, bei der Passform gibt’s leichte Abzüge in der B-Note und in Sachen Montage-Freundlichkeit das Prädikat „bedingt empfehlenswert“. Die Reihenfolge der Befestigung ist nämlich folgende: Motorhaube –> 2x Abdeckungen Streben –> 2x Abdeckungen Motor hinten –> 2x Abdeckungen Motor vorne ! D.h. bei einem evtl. notwendigen Ausbau der Motorhaube müssen zuerst alle Teile in umgekehrter Reihenfolge demontiert werden bevor man die Haube entfernen kann. Das hätte sicher auch ein wenig eleganter gelöst werden können.

Die „freiwillige technische Abnahme“ durch Vereinskollege Peter / Mittwoch, 9.7.2014
Auch bei der „Grille“ stand mir Peter wieder hilfreich zur Seite, abgesehen von 2 Servos welche wir getauscht hatten (sie gingen unaufgefordert auf Wanderschaft und kannten ihre innere Mitte nicht….obwohl sie neu waren), verlief das Ganze problemlos. Durch den Akku fließen bei Vollgas 70A, d.h. durch jeden der beiden 40A-Regler 35A, also im grünen Bereich. Erstaunlich (und vor allem für mich beruhigend) der Schub- bzw. Zugtest: mit ca. 3,95kg bei 3,0kg Abfluggewicht ist zumindest das Leistungsverhältnis klargestellt (ich hoffe, es ist auch der CriCri klar, ich werde ihr vor dem Start nochmals ins Gewissen reden).

Der Erstflug
Freitag, 18.7.2014

Ein ziemlich heisser Sommertag mit 30°C, leichtem konstanten Westwind und einer zum Erstflug bereiten CriCri. Beratend (und falls notwending beruhigend) an meiner Seite auch diesesmal Vereinskollege Peter. Nach einem erneuten ausgiebigen Check aller Funktionen also Gas-Knüppel ganz nach vorne und nach etwa 2 Drittel der Startstrecke leicht Höhe ziehen und weg war sie (einerseits weil offenbar auch der CriCri ihr Leistungsüberschuss klar war, andererseits da noch Einiges an Tiefe getrimmt werden musste. Ausreichend Höhe war geschafft, allerdings auch ausreichend Entfernung (ohne dass ich dies direkt beabsichtigt hatte). Und da machte sich ein (zumindest für mich) kleiner Nachteil bemerkbar: die Lageerkennung des Modells in größerer Entfernung: a) die überdurchschnittlich große und transparente Haube „verschmilzt“ in einiger Entfernung quasi mit dem Hintergrund und b) in der Frontale bzw. auch Heckansicht erweckt das Modell den Eindruck, über ingesamt 5 Motoren oder – je nachdem wie man es sieht – 5 Räder mit 5 Radschuhen zu verügen. Dies führte auch zu einer kleinen ungewollten Kunstflugeinlage (natürlich in ausreichender Höhe) und in Folge zu einer leichten inneren Unruhe…aber nicht bei mir sondern bei Peter. Sowohl der „Abschmier-Test“ als auch einige simulierte Landeanflüge folgten dann wieder gemäß Plan, das Modell erwies sich als unkritsch. Im Landeanflug reichten 1-2 kurze Gasstöße und dem Bodeneffekt entgegenzuwirken und das Modell war wieder sicher am Boden.
Um zumindest die Haube etwas besser erkennbar zu gestalten, habe ich dann am Folgetag den weissen Mittelstreifen sowie das breiteren weisse Vorderteil der Haube leicht angeschliffen und rot lackiert, mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden, besonders in der Seitenansicht ist die Lageerkennung nun wesentlich besser.Nach meinem erfolgreichen Erstflug (im Gegensatz zur Skymaster überraschenderweise ohne zittrige Knie und Hände) erklärte sich Vereinskollege Christian sofort bereit, das Modell zu fliegen, damit ich ein paar Flugfotos machen konnte. Wobei Christian umgehend bewies, dass nicht nur die manntragende CriCri kunstflugtauglich ist, sondern auch das RC-Modell von Modster: Rückenflug, Messerflug, Fass- und 4-Punkt-Rollen…alles kein Problem, weder für Christian, noch für das Modell….

 

Und hier abschließend noch ein paar Stand- und Detailfotos…..

Fazit:  Abgesehen von den Defiziten hinsichtlich der Baubeschreibung und den mangelhaften technischen Angaben ein absolut empfehlenswertes Modell für all jene, die sich ein wenig vom Mainstream bei den ferngesteuerten Flugmodellen abheben wollen. Durch das relativ geringe Abfluggewicht kann das Modell auch sehr gemütlich geflogen werden, ist aber trotzdem kunstflugtauglich und hebt sich natürlich optisch von den klassischen Modellen ab. Die Flächen sind schnell demontiert, der Transport und auch die Aufbewahrung somit problemlos. Die Qualität ist absolut einwandfrei, die Passform der Bauteile sehr gut. 
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Die technischen Daten*:
Spannweite:                 1.778 mm
Länge (über alles):        1.450 mm
Gewicht (flugfertig):      3.000g
Schubkraft**:                3.950g
Material Rumpf:            Holzbauweise, mit Folie bespannt
Material Flächen:           Holzrippen-Bauweise, vollbeplankt, mit Folie bespannt
Tragflächeninhalt:         ca. 39,3 dm²
Steuerung:                   Höhe, Seite, Quer, Motoren
Ausführung:                  ARF
Bezugsquelle:                Modellsport Schweighofer GmbH         
Hersteller:                     MODSTER
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Von mir verbaute Komponenten:
Motoren:                       2x FUSION HAWK „345/06 BL 850 “ / 850 U/min/V
BL-Regler:                    2x FUSION HAWK „BL 040A HV““ / Dauerbelastung 40A, Maximalbelastung 50A
Flug-Akku:                    1x WELLPOWER LiPo-Akku 4S – 4000mAh, 14,8V
Propeller:                      2x APC 10×5″
Empfänger:                   FUTABA „R608FS“, 2,4Ghz
QR-Servos:                   2 Stk. 9g-Servos aus Bestand
HR-Servo:                     1 Stk. 9g-Servo aus Bestand
SR-Servo:                     1 Stk. 9g-Servo aus Bestand
Bugrad-Servo                1 Stk. 9g-Servo aus Bestand
*….alle Angaben ohne Gewähr
**…flugfertig mit den o.a. verbauten Komponenten