Corsair F4U / Blackhorse

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Um ehrlich zu sein: ich bin überzeugter Pazifist und habe nie Kriegs-Spielgeräte besessen, und als solches müsste man mein neues Modell streng genommen ja eigentlich bezeichnen.

Nun gut, die Corsair ist natürlich ein für kriegerische Zwecke entwickeltes Fluggerät. Aber zum einen ist das Scale-Modell von Black Horse farblich in einem schönen Blau gehalten, zum anderen wurde auf die Anbringung jeglicher Waffen verzichtet. Zusätzlich habe ich mich für ein anderes Design entschlossen sowie auf die Anbringung der „Navy“-Aufkleber und japanischen Nationalflaggen (=Anzahl der abgeschossenen gegnerischen Flugzeuge) bewusst verzichtet. So habe ich auf prop.at  dieses Modell zu einem wahren Schnäppchenpreis ergattert. Leider wurde das Modell aber nur zur Selbstabholung in der Nähe von Graz angeboten, aber wie es der Zufall will: ein Arbeitskollege von mir fuhr über die Weihnachtsfeiertage nach Graz und hat mir das Modell mitgebracht. Das Modell war noch nicht zusammengebaut aber alle Teile waren unbeschädigt und komplett. Einziger Wermutstropfen: der ursprüngliche Besitzer hatte begonnen, die Scharniere der Querruder sowie Ruderhörner (die nicht zum Lieferumfang gehörten), einzukleben. Mit Epoxidharz…mit viel Epoxidharz…und leider nicht sehr sauber, d.h. ich habe rund 2 Stunden alleine damit verbracht, mit Aceton, diversen anderen Lösungsmitteln und viel Geduld die eingetrockneten Harzreste und zahlreichen (in Harz verewigten) Fingerabrücke von den beiden Tragflächen zu entfernen.

Fakten zum manntragenden Original der Corsair
(Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Chance_Vought_F4U):

Beim Original der Corsair F4U handelt es sich um ein Flugzeug, welches von 1942 bis 1952 gebaut wurde und hauptsächlich im 2. Weltkrieg zum Einsatz kam. In den Jahren 1950-1953 wurde sie dann noch im Koreakrieg sowie im Jahre 1969 im Krieg zwischen den beiden Staaten El Salvador und Honduras.

Bereits im Jahre 1938 wurde der erste Prototyp entworfen, die Entwickler legten dabei das Hauptaugenmerk auf minimalen Luftwiderstand und maximale Geschwindigkeit. In Folge musste in einem sehr kleinen Rumpf der größte damals produzierte Motor Platz finden, ein PRATT & WHITNEY 18-Zylinder-Doppelsternmotor des Typs „R-2800“ mit einer Leistung von 1.824 PS, einem Hubraum von ca. 46 Litern und einem Trockengewicht von ca. 1.100 kg.

Um diese enorme Leistung und das damit verbundene Drehmoment in Vortrieb umzuwandeln, wurde ein Dreiblatt-Propeller mit einem Durchmesser von 4 Metern (!) eingesetzt. Um aber trotzdem ein konventionelles Einziehfahrwerk verbauen zu können, entschlossen sich die Konstrukteure dazu, die beiden Flügelhälften gleich am Rumpf schräg nach unten abzuknicken und damit quasi die Bodenfreiheit zu erhöhen. Dadurch enstand das für die Corsair typische Profil mit den „Knick-Flügeln“.

Technische Daten der ersten Hauptserien-Version „F4U-1“:

Länge:                                      9,99m
Spannweite:                            12,49m
Höhe:                                        4,58m
Leergewicht:                      ca. 4.000kg
Maximales Startgewicht:     ca. 6.300kg
Maximalgeschwindigkeit:     ca. 670 km/h
Maximale Reichweite:          ca. 1.722 km
Dienstgipfelhöhe:                ca. 11.300m

Das RC-Modell der “Corsair F4U” von BLACKHORSE

Das Set

Leider war die Orginalverpackung beim Kauf des Modells nicht mehr vorhanden. Es waren aber ausnahmslos alle Bauteile incl. der erforderlichen Kleinteile dabei, der Bausatz also als vollständig zu betrachten. Bis auf ein paar kleine „kosmetische Defizite“ war das Modell völlig unbeschädigt und quasi neuwertig.

Der Zusammenbau

Der Bausatz weist einen hohen Fertigungsgrad auf, d.h. Rumpf, Flächen und Leitwerke sind fertig aufgebaut und bereits mit ORACOVER-Folie bespannt, zudem wurden einige der Arbeiten bereits vom Vorbesitzer des Modells durchgeführt, zum Teil aber falsch und generell ohne jegliche Sorgfalt.
Nach dem Einbau der Servos für die Querruder und die Landeklappen in den beiden Tragflächenhälften sowie des Höhenruder- und Seitenruderservos im Rumpf, konnte schließlich mit dem Verkleben von Höhen- und Seitenleitwerk begonnen werden. Hier war lediglich die Folie an den zu verklebenden Stellen zu entfernen, aufgrund der genauen Passform aller Teile waren ansonsten so gut wie keine weiteren Anpassungsarbeiten durchzuführen. Zur Verklebung habe ich 24 Stunden-Epoxid-Harz verwendet. Das gefederte Heckrad wird über ein Gestänge mit dem Seitenruder verbunden und auf diese Weise gemeinsam mit diesem angelenkt.

Beim Einbau des Motors habe ich den vom Motorenhersteller mitgelieferten Motorträger verwendet, zwischen Rumpf und Motorträger wurden Distanzhülsen mit 15mm Länge eingebaut um die notwendigen Abstände zwischen Motor, Motorhaube und Luftschraube herzustellen.
Die Montage der Motorhaube ist das etwas kompliziert, diese wird mittels 10x3mm Schrauben an 4 Punkten von außen befestigt. Die Befestigungsstellen sind vorgegeben, es handelt sich dabei um kleine Sperrholzwürfel mit ca. 10mm Kantenlänge….aber mit etwas Geduld, einer hellen Lampe und überlegtem Anvisieren konnte ich ohne Ausmessen 4 „Volltreffer“ beim Bohren für mich verbuchen 😉

Projekt „Einziehfahrwerk“ /  „Strom statt Luft“

Dieses Modell wurde vom Hersteller mit einem pneumatischen Einziehfahrwerk ausgestattet welches das Ein- und Ausfahren der beiden Hauptfahrwerke ermöglicht. Besonderheit bei diesem Fahrwerk: die federgedämpften Beine mit den Rädern klappen nicht nur im 90° Winkel nach unten bzw. oben weg sondern führen dabei auch noch eine Drehbewegung von ca. 100° aus. Was mir jedoch von Anfang an unsympathisch war: der Betrieb mit Druckluft. Zum einen erfolgt das Ein- und Ausklappen alles andere als scalegerecht sondern erinnert eher an das Aufspringen eines Tankdeckels beim PKW. Weiters müssten ein Druckluftbehälter, zahlreiche T-Stücke, das Steuerventil, zahlreiche Druckluftschläuche, ein Anschluss-Ventil zum Betanken von außen und ein optionales Manometer im Modell verbaut werden. Ach ja, eine Luftpumpe oder einen Kompressor würde man dann auch noch benötigen und bei der verbauten Variante müssten zusätzlich jeweils bei Auf- und Abbau des Modells 4 Druckluftschläuche an- und ausgesteckt werden. Zusätzlich bin ich auch von der Zuverlässigkeit der Pneumatik nicht überzeugt (ich habe schon einige Modell gesehen, bei welchem bei der Landung die EZFW’s nur teilweise oder gar nicht ausgefahren sind, und auf solche Zusatzherausforderungen möchte ich zu Beginn verzichten.) Alle diese Punkte haben mich dann dazu veranlasst, das bereits (zudem leider auch nicht professionell) verbaute pneumatische Fahrwerk zu entfernen . Dabei stellte sich die Frage: entweder ein komplett neues ca. 100° drehendes 2-Bein EZFW oder die bestehenden Fahrwerke mit einem Elektroservo auszustatten.  Ich habe mich schließlich zunächst für die kostengünstigere aber mit einem höheren Arbeitsaufwand verbundene Variante der Modifizierung entschlossen, also dem Betrieb der bestehenden EZFW’s per Servo. So habe ich dann die beiden Fahrwerke von den Pneumatikzylindern und den Schläuchen befreit und auf’s Wesentliche reduziert:

Nun waren 2 weitere Probleme zu lösen. Bauartbedingt ist zwar ausreichend Platz in den Flügeln, um einen Servo fachgerecht zu verbauen, allerdings ist der Platz was die Montagearbeiten betrifft sehr knapp. Und das zweite Problem: die Ansteuerung der Schubstange des EZFW’s. Das (rein mechanische) Problem: wird die kurze Schubstange mit einem normalen Servohebel oder einer Scheibe angesteuert, bewegt sich die Schubstange nicht nur vor und zurück sondern auch nach oben und unten.

Plan A: Mein Vereinskollege Peter hatte eine Idee: ein sogenannter Linear-Servo würde zumindest dieses Problem lösen. Bei einem solchen Servo erfolgt die Bewegung nicht mittels einer Drehbewegung sondern mittels einer horizontalen linearen Bewegung. Etwas ernüchternd war dann allerdings die Suche eines solchen Servos im Internet: die einzigen neuen Linear-Servos, die ich gefunden habe, haben eine Stellkraft von ca. 0,15kg (!) und finden hauptsächlich bei Modellautos und -eisenbahnen Anwendung. Und gebrauchte Servos mit 4,8V Betriebsspannung und ausreichender Stellkraft sind offenbar nicht mehr auffindbar. Doch so schnell wird nicht aufgegeben und nachdem ich ein paar Vereinskollegen mit meinem Problem kontaktiert hatte, war ich noch am selben Abend glücklicher Besitzer von 4 Linear-Servos (Danke Peter aus Nüziders) des Herstellers GRAUPNER, Typ CL bzw. C05.

GRAUPNER_Linearservos

Allerdings haben diese Servos eine Besonderheit: die Steuerung erfolgt nicht wie heute üblich über einen positiven sondern einen negativen Impuls, d.h. sie sind mit den heutigen Empfängern/Reglern/Sendern nicht kompatibel. Hier haben sich die Modellflieger von damals im Zeitraum der Umstellung jedoch zu helfen gewusst: um die linearen Servos weiterhin betreiben zu können, wurde mittels einem selbst angefertigten elektronischen Bauteil das Negativ-Signal in ein Positiv-Signal umgewandelt also invertiert. Um die Servos mit moderner Steuerelektronik betreiben zu können, hat mir eine Kollege (Danke Horst) 2 sogenannte Inverter herstgestellt, diese haben lediglich etwa die Größe eines Servosteckers und werden einfach zwischen Linearservo und Empfänger eingebunden. Der erste Testlauf mittels Servotester liess die Linearservos schnurren wie ein Kätzchen. Eines hatte ich jedoch nicht bedacht: den Servoweg ! Um die Schubstange des EZFW’s von Anschlag zu Anschlag zu bewegen, ist eine Wegstrecke von 25mm erforderlich, der Weg der Linearservos beträgt jedoch nur 20mm. Klar, es gäbe jetzt eine Menge von Varianten, dies mittels Umlenkungen, Zahnrädern und Zahnstangen, Drehpunkten und Gestängen irgendwie zu lösen. Aber bei allen in Erwägung gezogenen Varianten stellte sich ein grundlegendes Problem heraus: der Platz..sowohl zur eigentlichen Unterbringung und Befestigung des Servos, als auch dem unzureichenden Platz für den Servoarm (der eine bestimmte Länge benötigt, um mittels der Drehbewegung eine gerade Wegstrecke von 25mm zu gewährleisten. Das war jetzt der Zeitpunkt, an dem ich kurz bereute, dass bereits eingebaute pneumatische Fahrwerk demontiert zu haben. Aber nur kurz.

Dann eben Plan B: die Suche nach einem neuen EZFW, welches folgende Kriterien erfüllt: elektrisch, servolos, 90° einklappend und dabei 90° rotierend für Modelle bis ca. 5kg Abfluggewicht und unter € 500,00 Neupreis.
Fazit: kaum zu glauben aber wahr: gibt’s nicht !

Also Plan C: ich suche mir ein EZFW, welches o.a. Voraussetzungen erfüllt, beim Einklappen aber nicht rotiert und versuche, die Drehbewegung anhand einer Umlenkung selbst zu konstruieren, mehr bleibt mir theoretisch ohnedies nicht mehr übrig (wenn wir von der letzten Lösung absehen, dem Einbau eines starren Fahrwerkes). Ich habe schließlich ein passendes EZFW gefunden, und zwar einem Produkt von HORIZON HOBBY (E-Flite), Typ EFGL400. Dieses zeichnet sich durch eine hervorragende Verarbeitung aus und benötigt – wie bei einem Scale-Modell gewünscht – für das komplette Ein- bzw. Ausfahren fast 3 Sekunden.

Um das neue EZFW verbauen zu können, mussten zunächst die vom Hersteller eingeleimten Holzstege, an denen das alte EZFW verschraubt war, in der Breite reduziert werden. Zudem ist die Montageplatte des neuen EZFW’s zur Befestigung auf der Oberseite angebracht (beim alten an der Unterseite). So musste nun auch noch der daduch entstandene Zwischenraum (ca. 25mm) fachgerecht aufgefüllt und sicher verklebt werden. Die Kräfte, welche bei einer womöglich etwas unsanfteren Landung auf ein Fahrwerk einwirken, sind nicht zu unterschätzen und um so größer, je länger die Distanz zwischen Drehpunkt und dem Untergrund, auf welchem gelandet wird. Und da ich schon so manches Modell gesehen habe, welches sich beim Landen von seinem Fahrgestell bzw. -werk samt Teilen der Rumpfunterseite verabschiedet hat, wollte ich hier auf Nummer sicher gehen und habe mich beim Einbau der Fahrwerke in die Rolle des interessierten und assistierenden Gehilfen begeben und mein Vereinskollege Jogi in die des „leitenden Chirurgen“.
Nach dem Aufrauhen der Klebeflächen wurden jeweils zwei ca. 20mm starke Sperrholzquader eingeharzt auf welchen die EZFW’s dann montiert wurden.

Damit die Fahrwerkbeine die zum Einklappen der Räder erforderliche Drehung überhaupt ausführen können, wurde eine gehärtete Stahlschraube M5 auf der einen Seite vorsichtig abgefräst, so passt sie exakt in die Aufnahme am EZFW und wird dort mit 2 Inbusschrauben fest angebracht. In den Aluteil des Beines wurde ein M5-Gewinde geschnitten, so kann das Bein auf das Gegenstück am EZFW aufgeschraubt werden, die Drehung ist somit möglich und die bestmögliche Stabilität gegeben.

Nun musste also noch der eigentliche Drehmechanismus angebaut werden, Vorbild war das vom Hersteller gelieferte EZFW. Vom alten EZFW habe ich ja die beiden Teleskop-Federbeine demontiert, diese haben bereits die jeweiligen Kugelköpfe an den Beinen montiert. Wo muss jetzt aber der zweite Anlenkpunkt angebracht werden ? Nach einigen Recherchen im Internet hat mein Vereinskollege Peter dann schließlich einen mit Fotos dokumentierten Baubericht eines Modelbauers gefunden, welcher ebenfalls eine „normales“ Einziehfahrwerk in eine drehendes EZFW umgebaut hat. Nach dem Versetzen der Kugelköpfe an den Federbeinen und ein paar Tests war der korrekte Punkt dann gefunden. Zur Befestigung der Kugelköpfe habe ich kleine Laschen aus Blech gefertigt welche einfach bei jeweils einer der Befestigungsschrauben der EZFW’s mitverschraubt werden.

Leider passten nach den zahlreichen Umbaumaßnahmen und den abweichenden Abmessungen der neuen EZFW’s die alten Radabdeckungen nich mehr. Doch die Anforderungen an die Funkion blieben ja die selben: der Drehpunkt muss an der Vorderseite des Flügels bzw. EZFW’s sein (dies erfolgte wie auch vorher mittels Scharnieren), die Abdeckung muss eine Ausnehmung für das obenliegende Anlenkungsgestänge haben und sie muss beweglich sein, um beim Ein- und Ausfahren des EZFW’s quasi nach oben und unten gleiten zu können. Und durch die neu gefrästen Ausnehmungen zur Befestigung der Anlenkungen war auch noch eine größere Breite erforderlich. Ich habe mir ja lange überlegt, ob ich nicht einfach auf diese beiden Abdeckungen verzichte, aber irgendwie gehören sie doch dazu.

Die Abdeckungen habe ich aus 5mm Sperrholz erstellt, als Scharniere dienten Ruder-Scharniere (aus Kunststoff mit Metallsplinten). Um die Aussparungen der Anlenkungen für den Drehmechanismus abzudecken, habe ich Halbschalen aus einem PVC-Rohr gefertigt. Und um die Rundungen der Tragflächen einigermaßen auf die Abdeckungen übertragen zu können, wurden noch kleine seitliche Abdeckungen – ebenfalls aus Kunststoff erstellt). Zur Verbindung der Abdeckungen mit den Teleskop-Federbeinen habe ich die Halterungen von den alten Abdeckungen abgetrennt und an den neuen angebracht. Zum Schluss noch schwarzer Lack darüber – fertig.

Die Elektrik & Elektronik
Da ich im Zuge des Kaufs des Modells auch noch einige neue und qualitativ hochwertige Servos kaufen konnte, habe ich natürlich diese für dem Einbau im Modell verwendet (auch wenn sie überdimensioniert sind..). Im Gegensatz zu meinen anderen Modellen habe ich bei der Corsair erstmals auch einen Empfänger-Akku verbaut, dieser besteht aus 4 Nickel-Cadmium-Akkus mit je 1,2V und 1800mAh, in der Plus-Leitung wurde dann noch ein Ein-Ausschalter eingebaut. Ebenfalls neu ist, dass ich mich bei diesem Modell entschlossen habe, den Akku auch beim Laden im Modell zu belassen. Aufgrund der Konstruktion der Corsair müsste zur Akkuentnahme das Modell jeweils gedreht werden, die untere Rumpfabdeckung sowie beide Tragflächenhälften entfernt werden. So habe ich ein zusätzliche Kabel-Paar am Akku verlötet, am Ende eine MPX-Hochstrombuchse angebracht und diese mit einem Einbaurahmen an der Außenseite des Rumpfs eingebaut. Da beim Laden von LiPo-Akkus leider aber auch eine Balancierung der Einzelzellen notwendig ist, habe ich in Folge auch alle Balancer-Kabel entsprechend verlängert und den Stecker mittels kleiner Magnete im Rumpf befestigt. So kann beim Laden das Balancer-Kabel relativ einfach entnommen und wieder sicher verstaut werden.

Und nochmals eine Première: da der Akku ja auch beim Laden im Modell bleibt, zum Laden aber natürlich vom Regler getrennt werden muss, habe ich einen sogenannten High Current Switch (HCSW1, made by Horst) im Modell verbaut. Dieser ermöglicht das sichere (und „blitzfreie“) Ein- und Ausschalten der Stromversorgung ohne manuelle Trennung des Akkus. Dieser Vorgang erfolgt über einen einfachen Ein-Aus-Kippschalter welchen ich ebenfalls im vorderen Teil der Rump-Außenseite verbaut habe.

Als Empfänger habe ich einen 8-Kanal Telemetrie-Empfänger von FUTABA (R6308SBT) verbaut. In Verbindung mit dem GPS-Sensor (FUTABA, GPS-F1675) liefert mir dieser dann im Flugbetrieb Daten wie Steig- und Sinkrate, Höhe, Distanz zum Modell und dessen Geschwindigkeit auch die GPS-Koordinaten.

Da die Flügel auch zusammengesteckt (ca. 180cm Spannweite) gerade noch in mein Auto passen, habe ich auch bei diesem Modell auf die bei der „TwinAir“ angewendete Steckverbindung mittels MPX-Buchse und Stecker zurückgegriffen. So müssen nicht bei jedem Auf- und Abbau die Servostecker am Empfänger ein- und ausgesteckt werden.

Die optische Gestaltung / „Foxy Lady“
Die zu Beginn erwähnten Gründe haben mich veranlasst, die Corsair nicht in der vom Hersteller vorgesehenen „Kriegsbemalung“ zu gestalten sondern ein eigenes Design zu entwerfen („Hardcore-Scale-Piloten“ mögen mir dies verzeihen ;-). Als ich das Modell gleich nach dem Kauf zusammengesteckt habe, stand sie da…wie eine Dame…eine Lady…eine Foxy Lady…das war’s….in Anlehnung an den Song „Foxy Lady“ aus dem Jahre 1967 von Jimi Hendrix. Als Grundlage habe ich mittels Laserdrucker bedruckbare selbstklebende weiße Etikettenfolie in der Größe 210mm x 297mm des Herstellers AVERY-ZWECKFORM verwendet, diese Folien sind zwar nicht ganz billig, dafür sind sie aus Polyester gefertigt, öl-, schmutz- und UV-resistent sowie temperaturbeständig (-20°C bis +80°C) und zudem spritzwasser- und reißfest.

Nach Abschluss der Bauarbeiten habe ich nochmals das gesamte Modell vorsichtig mit Aceton gesäubert. Nachdem alle Aufkleber sowie die Beschriftungen diverser Schalter und Buchsen auf dem Modell angebracht und leicht mit einem Föhn angewärmt wurden, erhielt das Modell noch seinen letzten Schliff, und zwar mittels einer handelsüblichen Politur für KZF-Lacke.
Und Mitte Februar, nach etlichen Stunden Arbeit war sie dann soweit fertig und ich war mit dem Endergebnis mehr als zufrieden….

Mein Vereinskollege Peter hat beim Modell nach der Fertigstellung auf meine Bitte hin eine „inoffizielle technische Abnahme“ durchgeführt (der Erstflug bleibt bei neuen Modellen spannend genug, da braucht es nicht zusätzlich noch unliebsame Überraschungen, die bereits davor beseitigt werden müssen.). Und diese Abnahme hat sich als gute Entscheidung erwiesen, ich korrigiere: als sehr gute. Ich hatte zwar nach der Fertigstellung den Schwerpunkt des Modells geprüft, bin dabei jedoch fälschlicherweise bereits von einer leicht nach vorne gekippten Grundposition ausgegangen. Allerdings muss die Ausgangsposition für die SP-Prüfung immer waagrecht sein. Der Schwerpunkt ist dann richtig, wenn das Modell langsam die Nase nach unten bewegt, sich also leicht nach vorne neigt. Auf keinen Fall jedoch darf sich das Modell nach hinten neigen und so eine Hecklastigkeit anzeigen. Und so war es leider bei meiner Corsair. Hätte der Erstflug so stattgefunden: lassen wir das lieber, aber vermutlich wäre sie rückwärts vom Himmel gefallen…ähnlich einem Storch, welchem man einen Rucksack mit ein paar Ziegelsteinen auf den Rücken schnallt.

Was sich noch herausgestellt hatte war, dass der 16×10″-Dreiblatt-Propeller zu wenig Vortrieb erzeugt, ich habe mich aus diesem Grund für einen neuen entschieden und dieser müsste dann mit 18×12″die erforderliche Umsetzung in Vortrieb leisten können. Und der neue Prop hat auch noch einen positiven Nebeneffekt: er ist mit 182g um 42g schwerer als der alte und trägt so ebenfalls zur Verlagerung des Schwerpunktes nach vorne bei.

Und so habe ich ein weiteres Wochenende in den Umbau investiert und jedes nicht fest verbaute Gramm so weit wie nur irgendwie möglich vor den Schwerpunkt versetzt. D.h. Haupt- und Empfängerakku, Regler und HighCurrentSwitch incl. aller Kabel mussten irgendwie um den Motor herum platziert werden und so in der Motorhaube Platz finden. Zudem habe ich die Servogestänge für Seiten- und Höhenruder verlängert und die beiden Servos ca. 20cm nach vorne versetzt. Aber nach dem Einsatz von Dremmel, gebogenen Stahldrähten (um die Kabel durchzuziehen) und ein paar kleinen aber sonst harmlosem Flüchen, war es dann geschafft. Auf den folgenden Fotos sind man sehr gut, wie sich der Rumpf geleert und die Motorhaube gefüllt haben:

Und was habe ich hinsichtlich des Baus von neuen Modellen daraus gelernt: vor dem Einbau sämtlicher Komponenten diese zunächst mal lose bzw. leicht mit Klebeband fixiert anordnen und den Schwerpunkt prüfen.

Der Erstflug
Samstag, 23.3.2013

Nun war es also soweit. Mein Vereinskollege Peter hat mir freundlicherweise auch bei diesem Modell den Erstflug über- bzw. besser gesagt abgenommen. Was sich gleich nach dem Start herausstellte: zu wenig Leistung ! Der Dreiblatt-Propeller (18×12) entwickelt in Verbindung mit dem 5S-LiPo-Akku einfach zu wenig Vortrieb. Ansonsten ist das Modell nicht kritisch, auch bei halb gesetzten Landeklappen und mit Schleppgas folgt sie brav und ohne Schwanken oder Anzeichen des Abschmierens den Steuerbefehlen. Bei der Landung hat sich dann eine kleine – aber unbedingt zu behebende –  Schwachstelle gezeigt, das Alurohr des Teleskop-Federbeines ist gebrochen.

Leistungsdefizit:
hier werde ich den 5S-LiPo-Akku gegen einen 7S-Fe-Akku (Eisen) austauschen, dieser hat fast die gleichen Abmessungen wie der 5S-LiPo (was größere Umbaumaßnahmen verhindert) und ist mit ca. 760g auch erfreulicherweise noch rund 140g schwerer. Erfreulich deshalb, weil der Schwerpunkt des Modells ohnedies im Grenzbereich zur Hecklastigkeit liegt und im vorderen Teil ein wenig Ballast gut gebrauchen kann. Zusätzlich habe ich den Motor gegen einen etwas größeren Motor ausgetauscht.

Fahrwerk:
vermutlich werde ich mich für sogenannte „geschleppte Federbeine“ des renommierten Herstellers Jet-1A entscheiden. Diese haben den Vorteil, dass sie wesentlich stabiler sind und vor allem, dass sie beim Landen die Kräfte besser und effektiver aufnehmen können als das standardmäßig verbaute Teleskopfederbein (welches nur eine Auf- und Abwärtsbewegung durchführen kann, Kräfte, die jedoch schräg einwirken, ungefedert auf die Befestigungsaufnahme weiterleiten….)

Die Umbaumaßnahmen waren dann Ende März abgeschlossen, einem weiteren Testflug stand somit nichts mehr im Wege.

Der „zweite Erstflug“
Montag, 1.4.2013

Mit dem stärkeren Akku sowie einem größeren und leistungsstärkeren Motor hob sie dann ab..zwar etwas spät, aber doch. Doch bereits kurz nachher war klar: zu wenig Schub. Die Folge: abgeschmiert….Fahrwerk verbogen, die rechte Fläche hing mehr oder weniger nur noch an den Servokabeln am Rumpf…ein erbärmlicher Anblick. Dieser Anblick, die unzähligen Stunden, welche ich in dieses Modell investiert habe und der Umstand, dass 2 Tage zuvor meine Hand Kontakt mit dem Propeller hatte (und mir einen Spitalsbesuch bescherte), haben mich veranlasst, das Modell an Ort und Stelle auszuschlachten und die hölzernen Überreste in unserer „Bestattungstonne“ zu entsorgen. Das war’s. Schade. Sehr schade.

Die technischen Daten*:

Spannweite:                 1760 mm
Gewicht (flugfertig):      4.900g
Länge (über alles):        1320 mm
Material Rumpf:             Sperrholz (balsabeplankt)
Material Flächen:           Sperrholz (balsabeplankt)
Frequenz:                      2,4 Ghz
Steuerung:                    Höhe, Seite, Quer, Landeklappen, Einziehfahrwerk, Motor
empfohlener Akku:         2x4S/4500mAh LiPo
Ausführung:                   ARF
Link zum Hersteller:      Black Horse

Von mir verbaute Komponenten:

Motor:                            LIPOLICE LPA-5025/26T-255KV 1600W
Akku:                             noch nicht fix, vermutlich 7S-Eisen
Schalter Hauptstrom:      HCSW1 High Current Switch (by Horst)
Propeller:                       GRAUPNER G-Sonic 18-12″ 3-Blatt
Regler:                           FUSION HAWK 60A / programmierbar
Empfänger:                    FUTABA R6308SBT mit integrierter Telemetrie
GPS-Multi-Sensor:          FUTABA-ROBBE (1-F1675)
Empfänger-Akku:           4 Stk. SANYO NiCd-Akkus / à 1,2V 1800mAh
QR-Servos**:                2 Stk. HITEC HS-645MG
LKL-Servos:                   2 Stk. GRAUPNER C5077
Einziehfahrwerk:            2 Stk. HORIZON HOBBY EFLG400
Federbeine:                   2 Stk. Jet-1A (J125.939)
HR-Servo**:                  1 Stk. FITEC FS5617M
SR-Servo**:                   1 Stk. FITEC FS5617M

*….alle Angaben ohne Gewähr
**..diese Servos wurden zu einem sehr günstigen Preis vom Verkäufer des Modells veräussert und ich habe sie deshalb auch verbaut (mit Stellkräften von 15-20kg, z.T. mit Titangetrieben, Glockenankermotoren und Alu-Servohebeln ausgestattet, sind sie ohne Frage überdimensioniert