Canadair / Guan’Li

Canadair_Erstflug

Was mir bisher noch fehlte, war ein geeignetes und einigermaßen preiswertes Modell zum Schneefliegen (für den Anbau von Schiern an meiner FunCub fehlte mir ein wenig die Motivation). Besonders gut zum Winterfliegen eignen sich jene Modelle, welche entweder den Antrieb höher gesetzt haben (z.B. Oberseite der Tragflächen) oder Modelle mit einem sogenannten Druckantrieb (dabei befindet sich der Propeller auf der Oberseite des Rumpfs, die Luftschrauben drücken dabei das Modell quasi vorwärts). Ich habe mich für die erste Variante und damit für die „Canadair CL-415“ entschieden. Doch auch Modell wie die „TwinAir“ von Multiplex oder die „Catalina“ von Pichler wären eine Alternative gewesen…

Das manntragende Original ist ein Amphibienflugzeug des kanadischen Unternehmens BOMBARDIER wird vor allem als Löschflugzeug eingesetzt und ist seit Produktionsbeginn im Jahre 1993 das größte und modernste Amphibienflugzeug mit Propellerantrieb. Zum Einsatz kommen dabei 2 Propellerturbinen-Antriebe (sogenannte Turboprops) mit jeweils ca. 2.400PS von Pratt & Whitney. Zum Auffüllen der Löschwassertanks mit einem Gesamt-Fassungsvolumen von ca. 6.000 Liter benötigt die Canadair nur ca. 12 Sekunden.

Hier noch ein paar interessante Daten (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Canadair_CL-415):
Länge:                                    19,82m
Spannweite:                            28,61m
Höhe:                                        8,98m
Maximales Startgewicht:     ca. 17.000 kg von Wasser, ca. 20.000 kg von Land
Maximalgesschwindigkeit:    ca. 290 km/h
Startstrecke:                        ca. 800m von Wasser, ca. 850m von Land
Landestrecke:                       ca. 660m auf Wasser, ca. 675m auf Land
Maximale Reichweite:           ca. 2.400 km

Das RC-Modell der “CANADAIR CL-415” von GUAN’LI

Das Set
Da habe ich ehrlich gesagt nicht schlecht gestaunt, als ich die (original verschlossene) Schachtel vorsichtig geöffnet habe…ausnahmslos alle Bauteile sind einzeln in einer schützenden Schaumstoff-Folie verpackt, ordentlich ohne größere Zwischenräume verstaut und so gegen Verrutschen während des Transports gesichert. Das hätte ich bei einem Modell in diesem Preissegment nicht unbedingt erwartet.

Canadair_Box

Der Zusammenbau

Der Zusammenbau ist eher als Fertigstellung zu bezeichnen, die beiden Servos für das Höhen- und das Seitenruder sind bereits eingebaut, ebenso die beiden Brushless-Motoren. Sowohl der Rumpf als auch die Tragflächen und das Seiten- und das Höhenleitwerk sind bereits lackiert und sogar mit einigen Decals versehen. Ein laser-geschnittener Spant ist auch bereits eingeklebt und überrascht durch eine saubere, präzise und gratfreie Verarbeitung. Der Spant bietet zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für die beiden Regler, die Kabel und den Empfänger (nicht im Lieferumfang). Zur Befestigung des Akkus ist ein Klettband beigelegt, hier empfiehlt es sich, entweder noch eine gummierte rutschfeste Unterlage auf dem Spant anzubringen, um den Akku sicher zu „verzurren“ oder diesen mit Klettband auf Akku und Spant zu fixieren. Die beiden Querruder-Servos sind im Bausatz enthalten, müssen aber noch in den Tragflächen eingepasst werden. Für die Servokabel sind zwar keine Ausnehmungen vorgesehen, diese sind aber mit geringem Aufwand zügig erstellt. Im Anschluss noch ein gelbes Klebeband darüber..fertig. Dem Bausatz liegt u.a. ein Y-Servokabel bei, mit welchem die beiden Querruder-Servos zusammengeschlossen werden. Hier habe ich mich für 2 separate Kabel entschieden und so beiden Querrudern einen eigenen Kanalplatz am Empfänger spendiert.

Die Kabinenhaube schließt sehr präzise mit dem Rumpf ab, zur Befestigung dienen ein kleines Magnet, welches im Rumpf eingeklebt ist sowie eine in der Haube eingeklebte Schlagmutter als Gegenstück…simpel aber effektiv…und zudem kann hier auch nichts abbrechen…

Sind die beiden Tragflächen fertig verkabelt, werden sie zusammengesteckt und verklebt, ich habe hierzu meinen bereits erwähnten UHUpor verwendet (lässt sich auch nach dem Zusammenstecken noch justieren und bleibt auch nach der Aushärtung noch in geringem Maße etwas flexibel…).

Danach werden das Seiten- und das Höhenleitwerk miteinander verklebt, hier ist darauf zu achten, dass die beiden Bauteile genau im 90° Winkel verklebt werden, hier ist leider (bauartbedingt) ein wenig Spiel vorhanden. Zuletzt werden die beiden verklebten Bauteile mit dem Rumpf verbunden (auch hier ist auf eine möglichst präzise Ausrichtung zu achten).
Da ich dieses Modell bevorzugt im Winter bzw. bei nassen Witterungsverhältnissen fliegen möchte, habe ich den vorderen Teil der Rumpfunterseite noch entsprechend präpariert. Dazu habe ich eine selbstklebende transparente Folie (wie sie z.B. zum Einbinden von Büchern verwendet wird) entsprechend zugeschnitten und quasi als „Gleitverbesserer“ an der Rumpfunterseite angebracht, mit ein wenig Geduld gelingt das Ganze sogar falten- und blasenfrei 😉

Kommen wir zum einzigen Negativen bei diesem Modell: der Befestigung der beiden Tragflächenhälften auf der Rumpfoberseite. Wobei ich nicht sicher bin, ob dies bei allen Modellen dieses Typs so ist oder ob es sich lediglich um einen „Ausrutscher“ handelt.

Zur Befestigung der Tragflächen sind insgesamt 4 Schrauben M2 vorgesehen, jeweils 2 Schrauben mit 45mm Länge und 2 Schrauben mit 35mm Länge. Die Schrauben werden dann durch Kunststoffhülsen in den Tragflächen durchgesteckt und in die im Spant verklebten Schlagmuttern eingedreht. Und hier ergibt sich das Problem: die 4 Schlagmuttern, welche an der Unterseite des Spants eingeklebt wurden und sich mit ihren Krallen im Holz gegen ein Verdrehen wehren, sind allesamt so schief angebracht, dass maximal 1 der 4 Schrauben eingedreht werden kann, die restlichen „greifen“ auch mit viel Geduld und Feingefühl nicht. In den beiden folgenden Bildern habe ich die Achsabweichungen mit 4 orangen Strichen markiert…kann nicht funktionieren….auf dem Detailbild ist die Spantunterseite mit einer Schlagmutter in einem großen Klumpen Heißkleber zu sehen…

Aber wie gesagt: das war der einzige Minuspunkt, welchen das Modell bei mir gesammelt hat, ansonsten kein Grund für irgendeine Beanstandung.
Zum Schluss werden noch die beiden Luftschrauben an die Wellen der Motoren geschraubt, aber Achtung: die beiden Motoren drehen gegenläufig (der rechte Motor in Flugrichtung gesehen im Uhrzeigersinn, der linke gegen den UZS). In Folge müssen auch die beiden Luftschrauben 8×3,8 richtig montiert werden, der Hersteller hat sogar 1 Paar Ersatzpropeller dem Bausatz beigelegt. Wobei ich mich immer noch frage, wofür die Buchstaben „R“ und „S“ auf den beiden Luftschrauben stehen….also „R“ hätte ich für „right“ gehalten…aber „S“ ?? Wer eine Idee hat, möge mir diese mitteilen.

Der Erstflug
Samstag, 22.12.2012

Kurz vor Weihnachten war’s dann soweit, zwar ohne Schnee im Tal aber dafür bei milden 10°C und annähernder Windstille. Nachdem mein Vereinskollege Peter noch das letzte Feintuning am Modell vorgenommen hat, habe ich mir ein Herz gefasst und meinen ersten „selbstständigen & alleinigen Erstflug“ mit der Canadair in Angriff genommen, und alles ist heil geblieben. Und wieder war ich angenehm überrascht von diesem Modell: keine einzige Trimmung war erforderlich, das Modell flog neutral und folgte brav allen Steuerbefehlen. Einzigartig, etwas gewöhnungsbedürftig aber bei 2-motorigen Modellen durchaus üblich: das Motorengeräusch…je nach Drehzahl überlagern sich z.T. die Schallwellen oder sie sind komplett gegenläufig…was zu diesem interessanten „wow-wow-wow-wow….“ führt. Die Canadair steigt bei Vollgas zügig und in einem sehr akzeptablen Steigwinkel nach oben. Der „Abschmier-Test“ bei kompletter Gaswegnahme und dem konsequenten Ziehen von Höhe unterstreicht den gutmütigen Charakter dieses Modells: es sinkt lediglich gemächlich. Tiefe langsame Vorbeiflüge sind ebenfalls kein Problem. Beim Landen einfach das Gas raus, das Sinken des Modells mit permanentem Zug am Höhenruder etwas kompensieren und das Modell rutscht noch ein wenig am Boden. Und noch eine Überraschung: ich habe dann einen Start vom nassen Rasen versucht: und siehe da, mit Vollgas und ein wenig Korrektur des Seitenruders lässt sich die Canadair auch problemlos vom Rasen aus starten.
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Fazit:  ein geniales, preiswertes, sauber-verarbeitetes und ziemlich unkritisches Flugmodell. Absolut empfehlenswert, beide Daumen in die Höhe 😉

Die technischen Daten*:

Spannweite:                 1390 mm
Gewicht (flugfertig):      1190g
Länge (über alles):        980 mm
Material Rumpf:             EPS (expandierbares Polystyrol = Styropor)
Material Flächen:           EPS (expandierbares Polystyrol = Styropor)
Empfänger:                   MODSTER AIR „Quick Sky S8
Frequenz:                      2,4 Ghz
Steuerung:                    Höhe, Seite, Quer, Landeklappen, Motoren
empfohlener Akku:         3S/2200mAh LIxx
Ausführung:                   ARF
Link zum Hersteller:      GUAN’LI

*….alle Angaben ohne Gewähr