BOMBARDIER AEROSPACE / Canadair „CL-415“ XXL Depron

Canadair

Eigentlich hatte ich mir ja nach dem Bau meiner Depron-Corsair geschworen, so ein Projekt mit diesem Zeitaufwand nie mehr in Angriff zu nehmen. Aber wie heißt es so schön: „Sag niemals nie…“. Nachdem ich jedoch meine „Graue Cora“ immer noch sehr gerne fliege und sie nach dem Einbau eines EZFW’s auch im Flug noch eine gute Figur macht, habe ich mich nach einem kleinen Winterprojekt umgesehen und mich ziemlich rasch für den Bau einer CANADAIR aus Depron entschieden. Nach intensiver Suche im Internet bin ich dann auf einen Bauplan gestoßen, eine CL-415 mit einer Spannweite von rund 56 Inch (ca. 142cm) und einer Länge über alles von 39 Inch (ca. 100cm). Nach dem Motto „Darf’s a bisserl mehr sein?“ habe ich nicht lange überlegt und den Bauplan vor dem Druck vom A4-Format auf A3 aufskaliert, dies entspricht einer Vergrößerung von rund 141%. Somit ergeben sich eine Spannweite von rund 190cm und eine Gesamtlänge von etwa 136cm, also ein ordentliche Größe bei gleichzeitiger Beibehaltung einer gut zu transportierenden Größe.

Der Bauplan – Anfertigung der Schablonen

Den Bauplan habe ich wie bereits erwähnt nach längerem Suchen im Internet als kostenlosen Download im PDF-Format entdeckt. Nach dem Ausdruck der 31 DIN A4-Seiten und deren Vergrößerung um 141% (d.h. von A4 auf A3) bin ich wie bereits beim Bau meiner Corsair vorgegangen: grobes Ausschneiden der Bauteil-Schablonen, Aufkleben auf festen Fotokarton, Ausschneiden der Schablonen, Auflegen der Bauteile auf die Depron-Platten, Anzeichnen aller Umrisse und anschließendes Ausschneiden der fertigen Bauteile. Natürlich könnte man direkt die Umrisse der Papierschablonen auf das Depron übertragen, funktioniert aber alles andere als gut…zumindest für meine Ansprüche :-). Während des Baus habe ich dann jedoch zahlreiche Änderungen im Vergleich zum Bauplan vorgenommen, zudem ist hier und dort auch jede Menge Improvisation gefragt, Genaueres dazu aber bei den einzelnen Bauabschnitten.

Im Vergleich zur Corsair sind bei der CANADAIR wesentlich weniger Bauteile notwendig, so sind hier „nur“ ca. 80 Bauteile aus 41 Schablonen herzustellen und zu verbauen (bei der Cora waren dies immerhin 134 Depron-Bauteile aus 60 Schablonen). Dies liegt hauptsächlich daran, dass die CANADAIR wesentlich „kantiger“ konstruiert ist, dafür aber einen CW-Wert besitzt, der einem Kühlschrank im freien Fall ziemlich nahe kommt 🙂

Der Bau

Beim Bau habe ich mich jeweils abwechselnd mit dem Rumpf und den Tragflächen beschäftigt, so konnte der jeweils andere Bauteil in aller Ruhe eine Verbindung mit den verwendeten Klebern (Weissleim und UHUpor) eingehen.

Die Tragflächen

Die Beplankungen der Tragflächen hat der Konstrukteur mit 6mm-Depron vorgesehen. Eine einigermaßen schöne Nasenleiste mit 6mm-Depron zu falten bzw. zu biegen, halte ich nach meinen Erfahrungen beim Bau meiner Depron-Corsair aber für unmöglich und habe stattdessen 3mm-Depron verwendet. Um das Defizit an Stabilität auszugleichen und in diesem Zuge gleich zu erhöhen, habe ich den Aufbau der Tragflächen abgeändert und mich an den positiven Erfahrungen mir der Corsair orientiert. So habe ich die Stärke alle Rippen der Tragflächen verdoppelt (2x6mm-Depron) und bei jeder TF jeweils noch zusätzliche 4 Rippen verbaut sowie zwischen allen Rippen Depron-Quader eingeklebt. Für die Hauptstabilität in den TF’s sorgen im Mittelteil jeweils 2 CFK-Vierkantrohre 8x8mm und 1m Länge, die restlichen 50cm zu den Flächenenden werden durch 4x4mm starke CFK-Vierkantrohre verstärkt. Die beiden Tragflächenhälften wurden dann zusammengeklebt und sind – im Gegensatz zum Bauplan – abnehmbar (aufgrund der größeren Spannweite leider notwendig).

Was mich bereits bei der Herstellung der Schablonen verwundert hat: es waren keine Landeklappen vorgesehen. OK, für ein Depron-Modell sicher keine Notwendigkeit, aber a) hat meine XXl-Version ja knappe 1,9m Spannweite, b) Querruder mit fast 80cm (!) Länge aus 6mm leicht und trotzdem stabil und verwindungssteif gestalten ? und c) gerade in Sachen Optik machen die Landeklappen auch bei der manntragenden Canadair doch einiges her. Aus diesen Gründen habe ich die beiden Querruder im Verhältnis 70:30 geteilt (in etwa wie beim Original) und so zusätzlich Landeklappen verbaut.

Die Motorgondeln sind ebenso aus Depron ausgeführt, lediglich zur Befestigung der Motoren sind 2 Sperrholz-Träger eingeklebt. Zur Nachbildung der Turbinen-Auslässe habe ich 2 leere Getränkedosen aus Aluminium um deren Böden und Deckel erleichtert, der Länge nach aufgeschnitten, auf den gewünschten Durchmesser „gewickelt“, in der Länge zurechtgestutzt und dann mit in die Abdeckungen der Gondeln eingeklebt. Die Gondeln werden danach mit den Tragflächen verklebt. Als Motorsturz gibt der Konstrukteur ca. 3° an (wobei solche Einstellungen bei einem Depronmodell so eine Sache sind, vermutlich wird sich das Modell im Betrieb um mehr als 3° verwinden). Aber ich habe mich an diesen Wert gehalten und die Motorspante mit den Gondeln verklebt. Die Unterseite der Gondeln wird erst nach dem ersten Testlauf geschlossen, so sind ggfs zur Korrektur der Laufrichtung(en) der beiden Motoren die Steckverbindungen der Regler noch frei zugänglich und müssen nicht durch die Öffnungen im Spant „herausgepfrümelt“ werden).

Der Rumpf

Beim Rumpf habe ich mit dem Aussägen der aus Sperrholz zu fertigenden Teile begonnen (Befestigungen für das Fahwerk, Spanten im Bereich der Tragflächenbefestigung sowie für die Motorträger). Das Batteriedeck incl. der darunter befindlichen Verstärkung hat der Konstrukteur zwar ausschließlich mit 6mm-Depron geplant, ich habe zwecks besserer Stabilität eine Schicht 1,5mm Sperrholz aufgeleimt.

Die Tragflächen hat der Konstrukteur zwar ebenfalls abnehmbar geplant, allerdings mit einem ziemlich unsicheren Verschluss (Vorziehen eines Teils des Spantes der danach 2 Röhrchen aufnehmen und sicher halten soll). Deshalb habe ich beide Sperrholz-Rumpfspanten neu gezeichnet und für einen sicheren Halt der Tragflächen ausgelegt: im vorderen Teil werden 2 an der Unterseite befestigte GFK-Rohre in die Öffnungen im Sperrholz geschoben, im hinteren Teil der Tragfläche sorgen 2 Schrauben und 2 Einschlagmuttern M3 im Rumpf für eine ausreichend stabile & sichere Befestigung.

Der Konstrukteur hat bei seinem Plan einen „Special effect“ vorgesehen: einen funktionstüchtigen Wasserabwurf-Schacht. Ist ja durchaus nett, aber ich habe darauf verzichtet (in meinem vergrößerten Modell hätte ein guter Liter Platz, d.h. aber auch zusätzliches Kilo beim Start und bei der Berücksichtigung des Schwerpunkt sowie deutlichen Auswirkungen auf das Flugverhalten und und und). Trotzdem habe ich die Bauteile für den Tank im Rumpf verbaut, sie eignen sich hervorragend als erste Fixpunkte zum Baubeginn des Rumpfs, denn das ist war hier gar nicht so einfach. Den Tank habe ich dann während des Baus als Befestigungsmöglichkeit für die Servos für Höhe und Seite ausgewählt und deshalb an der Oberseite ein Sperrholz mit 1,5mm aufgeklebt. Neben der Befestigung des Hauptfahrwerks dient der Tank zusätzlich als Befestigungsmöglichkeit für die beiden Höhenruder- und den Seitenruder-Servo,

 

Das Cockpit

Das Positive bei der CANADAIR in dieser Bauvariante gleich vorweg: die Kabinenhaube ist abnehmbar geplant (was natürlich den Akkuwechsel wesentlich erleichtert). Der Konstrukteur hat den gesamten vorderen Bereich aus meiner Sicht sehr gut geplant, wenngleich der saubere Zusammenbau der ganzen Teile ziemlich viel Geduld erfordert (an der es mir aber ja nicht mangelt…sagt man..) und an der Bugspitze ein wenig gebastelt werden muss. Das Interessante an diesem Bauabschnitt: da hat man endlich die ganzen widerspenstigen Teile gezähmt und verklebt, schon wird man aufgefordert, das Messer zu zücken und das Cockpit wieder vom Rumpf abzutrennen 🙂

 

Die Leitwerke und die Ruder

Sowohl bei den Leitwerken als auch bei allen Rudern habe ich CFK-Vierkantrohre 4x4mm eingearbeitet, um die erforderliche Stabilität herzustellen. Um einigermaßen akzeptable Aussparungen dafür zu schaffen, verwende ich mittlerweile ausschließlich die „Oberfräsen-Methode“: Halterung+Dremel+Holzbohrer = saubere Nut. Das Leitwerk wäre komplett ohne jegliche Verstärkung mit einer Überlappung von ca. 30mm am Rumpf zu befestigen gewesen, das war mir aber viel zu unsicher, denn ich habe schon bei größeren Modellen in Holzbauweise gesehen, wie Leitwerke im Flug zuerst zu Flattern beginnen und sich danach vom Modell verabschieden, und das ist kein schöner Anblick, vom Endergebnis gar nicht zu reden ;-(

Das Fahrwerk

Lt. Bauplan sind für das Modell starre Fahrwerke aus Draht vorgesehen: 1x ein Hauptfahrwerk aus einem Stück gebogen und 1x für das Bugrad. Beide Fahrwerke wären von außen auf den Rumpf zu schrauben (mit Sperrholz als Unterlage und Gegenstücken im Rumpfinneren. Auf ein lenkbares Bugrad habe auch ich bei meiner XXL-Version verzichtet. Das Hauptfahrwerk habe ich zwar aus Draht (2,5mm) gefertigt, allerdings ein wenig aufwändiger und vorbildgetreuer als vom Konstrukteur geplant. Zudem habe ich die Befestigungsmöglichkeiten im Rumpfinneren angebracht und nicht außen (der funktionslose Wassertank drängte sich da förmlich auf). Ich habe also das HFW aus insgesamt 6 Teilen angefertigt, und die jeweils zusammengehörenden Teile im Rumpfinneren mit stabilen Lusterklemmen befestigt. Damit sich das Fahrwerk dann nicht nach links und rechts verschieben kann, sind an den oberen beiden Teilen noch jeweils 2 Stellringe angebracht. An der Außenseite habe ich die Drähte dann an den Verbindungspunkten mit Draht umwickelt und anschließend mit mit Lötzinn behandelt (der Begriff „Löten“ wäre an dieser Stelle etwas übertrieben..). Das ganze Konstrukt ist schließlich ziemlich stabil geworden und sollte im Echtbetrieb – so hoffe ich – ausreichend dimensioniert sein.

Für das Bugfahrwerk habe ich ebenfalls 2,5mm starken Stahldraht verwendet und diesen entsprechend gebogen, die Befestigung erfolgt mittels 2 Holzquadern, welche an der Ober- und an der Unterseite des Batteriedecks verleimt sind. Im oberen Quader ist eine Lusterklemme angebracht, welche 3 Vorteile hat: das Fahrwerk ist somit verdrehsicher, es kann stufenlos in der Höhe verändert werden und es ist nach Abnahme der Kabinenhaube problemlos von innen zugänglich.

 

Elektrik & Elektronik

Der Großteil der Elektronik ist an Unterseiten der Tragflächen angebracht, d.h. beide Regler und auch die beiden Motoren. Um Auf- u. Abbau des Modell so einfach wie möglich zu gestalten, habe ich die Servo- und die Regler-Kabel auf einen MPX-Stecker zusammengefasst und im Rumpfinneren von einer MBX-Buchse wieder „aufgesplittet“. So müssen lediglich lediglich 2 Steckverbindungen gelöst bzw. verbunden werden.

Das „Testflug-Design“

Nun gibt es ja die manntragenden Canadairs in unterschiedlichen Lackierungen, das klassische Erscheinungsbild ist aus meiner Sicht jedoch noch immer die gelb/orange rote Variante. Im Unterschied zu meiner Corsair habe ich für den Erstflug auf sämtliche Farben und optische Verzierungen verzichtet und die Canadair in unschuldigem und jungfräulichen Weiß ihrer Bestimmung zugeführt, man weiss ja schließlich nie oder – wie Vereinskollege Peter sagen würde: „Na ja, für das eine Mal ?“ 🙂 Rund 65 Arbeitsstunden später war sie dann bereit für die „technische Abnahme“ und die Programmierung…

 

Der Erstflug

Freitag, 30.10.2015

Jetzt war es wieder passiert: ein Winterprojekt, welches bereits im Herbst fertig wurde. Bei wunderbarem Herbstwetter, Sonne, blauem Himmel und idealen Windverhältnissen hat mir Peter bei der Programmierung und letzten Einstellungsarbeiten geholfen. Dann hob die Canadair das erste Mal ab, mit Halbgas und bereits wenigen Metern…und sie flog…und wie…nur wenige Trimmungen und sie schnurrte dahin, mit voll gesetzten Landeklappen war es zwar eher Schweben als Fliegen, aber es stimmte offenbar alles. Zum Landen die Klappen halb gesetzt, alles Bestens, Projekt erfolgreich 🙂

Am Samstag hat mir Horst noch ein paar Fotos von der Canadair „in action“ gemacht, ein paar Fotos habe ich der nachstehenden Galerie zusammengefasst. Was nun über den Winter noch ansteht: Design & Optik…..

Das fertige Design

Nachdem das Modell zu meiner Freude seine Flugfähigkeit unter Beweis gestellt hatte, habe ich es dann noch bemalt. Zur Verwendung kamen Acryllacke auf Wasserbasis (rapsgelb und feuerrot). An beiden Rumpfhälften noch 2 sogenannte „bubbles“ eingeklebt, ein paar Verzierungen und Details mit einem schwarzen wasserfesten Stift…und basta 🙂

Samstag, 7.11.2015

Milde 20°C, windstille, Sonne und blauer Himmel….die besten Voraussetzungen, um von der fertigen Canadair noch ein paar Flugfotos zu machen (Danke an Christian für’s pilotieren 🙂

 

 

 

 

Die technischen Daten*:
Erbauer:                     Pfanner Michael
Bauplan:                    Scott Swanson
Bauzeit (ca.):              08-2015 – 11-2015 (m. längeren Unterbrüchen natürlich)
Arbeitsstunden:          ca. 75h
Spannweite:               ca. 1.870mm
Länge über alles:        ca. 1.360mm
Gewicht (flugfertig):    ca. 2.100g
Material Rumpf:          EPS 6mm, Verstärkungen m. Sperrholz und CFK-Leisten 6x1mm
Material Flächen:       EPS 3mm bzw. 6mm, CFK-Vierkantrohre 8x8mm und 4x4mm
Material Ruder:          EPS 6mm, Verstärkung mit CFK-Vierkantrohren 4x4mm
Material Leitwerke:    EPS 6mm, Verstärkung mit CFK-Vierkantrohren 4x4mm
Material Fahrwerke:   Stahldraht 2,5mm
Steuerung:                 Höhe, Seite, Quer, Motoren, Landeklappen
QR-Servos:                2 Stück no-name (9g)
LKL-Servos:              2 Stück no-name (9g)
HR-Servos:                2 Stück HITEC HS-85-MG
SR-Servo:                  1 Stück no-name 9g
Motoren:                     2 Stück ROBBE E-Coline BL-M, 850 Umin/v
Luftschrauben:           2 Stück ROBBE 3-Blatt-Propeller (ex Robbe „TwinAir“)
Regler:                        2 Stück ROBBE E-Coline BL-C, 40A
Akku:                           1 Stück WELLPOWER LiPo 4S, 14,8V – 5000mAh
Räder:                         Bugfahrwerk:     1 Stück Luftreifen Durchmesser 55mm
__________________Hauptfahrwerk:  2 Stück Moosgummi Durchmesser 75mm
Empfänger:                 1 Stück MODSTER-AIR / QuickSky 7 Kanal, 2,4Ghz
Lackierung:                  Acryllacke „rapsgelb“ und „feuerrot“ auf Wasserbasis
*….alle Angaben ohne Gewähr