PARAMAX / „GFK Mike“

Joker und Donald_c

Sie fragen sich, was mich da geritten hat, als ich den Springer incl. Schirm gebraucht im Forum von RC-Network gekauft habe ? Das frage ich mich selbst auch 🙂 Ich wusste zwar, dass es in diesem Bereich auch regelmäßig Meisterschaften gibt, habe mich aber nicht genauer mit diesem Thema beschäftigt (aber trotzdem immer wieder mal ein Auge darauf geworfen)

In der Regel werden ferngesteuerte Fallschirmspringer mit einem Schleppflugzeug an speziellen Halterungen befestigt an den Tragflächen- oder der Rumpfunterseite oder auch an den Flächenstreben befestigt und in der entsprechenden Höhe dann ausgeklinkt. Dass wir am Platz leider nicht über ein solches ausgestattetes Flugzeug verfügen war mir klar, ich hatte es jedoch erfolgreich verdrängt 🙂

Der Springer

„GFK-MIKE“ – so die Modellbezeichnung des Herstellers Paramax in Deutschland – wurde von mir zunächst umbenannt und erhielt den Namen „D o n a l d„. Dabei sind etwaige Parallelen mit lebenden Personen insbesonders in den USA rein zufällig und komplett unbeabsichtigt.Smiley_haarig

Servos, Elektronik, Empfänger & Akku

Der Springer verfügt über gesamt 3 Servos, zwei sind zur Steuerung der Arme zuständig, einer zur sogenannten Vorbremsung des Fallschirms nach dem Abwurf(Stufe 1) sowie zum Öffnen des Fallschirms (Stufe 2). Ebenfalls im Rumpf verbaut bzw. untergebracht sind eine Empfängerstromversorgung (SBEC von JETI), ein Ortungspiepser (erfolgen 60 Sekunden lang keine Befehle vom Sender an den Empfänger, gibt dieser über einen Piezo-Lautsprecher Alarm), ein Empfänger sowie ein LiPo-Akku. Alle diese Komponenten befinden sich im GFK-Rumpf des Springers, der Zugang erfolgt über den Rücken und wird durch eine kleine Abdeckung aus Holz verschlossen. An der rechten Körperseite befinden sich unter dem Springer-Overall ein Ein/Aus-Schalter sowie eine Ladebuchse. Um den LiPo-Akku beim Laden nicht aus dem Modell nehmen zu müssen, ihn aber trotzdem Balancen zu können, hat sich der Vorbesitzer was Tolles einfallen lassen: er hat ein spezielles Ladekabel angefertigt, in diesem werden nicht nur Plus und Minus des Ladestroms sondern auch über die restlichen 4 verbleibenden Pins die 4 Kabel des Balancer-Steckers „eingespeist“. Im Springer selbst werden diese dann wieder separiert und dem jeweiligen Ziel durchgeführt. Der bestehende Akku hatte (wie vom Verkäufer darauf hingewiesen) seine besten Zeiten hinter sich und wurde von mir durch einen Neuen ersetzt.

Die Programmierung des Senders war ein Thema für sich und ohne Vereinskollege Peter wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen. Dem Donald beizubringen, dass „Rechts“ das Heben nur des rechten und „Links“ nur das Heben des linken Arms sowie „Bremsen“ beide Arme gleichzeitig nach unten bedeutet, war eine ziemliche Prozedur, am Schluß aber erfolgreich, hier ein Video des Funktions-Tests:

                

Der Schirm

Beim Schirm handelt es sich um einen Flächen-Fallschirm, besteht aus Fallschirmseide, besitzt eine Spannweite von ca. 1.550mm und ist zusätzlich mit einem sogenannten Slider ausgestattet. Ein Slider ist rechteckig und besitzt 4 Öffnungen in den Ecken, durch diesen führen die Hauptleinen zum Schirm. Wird der Hauptschirm geöffnet, gleitet der Slider durch den Luftstrom nach oben und verringert quasi die Öffnungsgröße des Schirms, so füllt sich der Schirm nicht schlagartig (was sowohl dem Material als auch dem Springer zu Gute kommt). Eines sollte man auf alle Fälle nicht haben: eine Leinen-Allergie und fehlende Geduld. Anfangs stellen die ganzen Leinen doch ein ziemliches Wirrwarr dar, wobei am Ende eigentlich alles ganz übersichtlich ist :-). Ein wesentliches Thema (welches über Erfolg oder Misserfolg bei ferngesteuerten RC-Fallschirmspringern entscheidet) ist das richtige Packen des Schirms. Öffnet sich der Schirm im freien Fall nicht richtig, dann ist eine Steuerung so gut wie unmöglich und der Ort, an welchem der Springer landet, bleibt dem Zufall überlassen. Öffnet sich der Schirm gar nicht, dann…nein, das lassen wir lieber. Gemäß Fachliteratur sollten zwischen Abwurf und Betätigung der Schirmöffnung mindestens 3 Sekunden freier Fall liegen. In dieser Zeit sollte sich der Springer stabilisiert haben und in „Froschlage“ kontrolliert und möglichst stabil fallen. Erst dann stellt eine Schirmöffnung kein Risiko mehr dar, Leinen und Schirm werden sich dann nicht in den Armen und Beinen des Springers verfangen (wie es beim Öffnen während der Springer trudelt oder sich laufend überschlägt sehr wahrscheinlich wäre). Am RC-Schirm ist mittels einer Leine ein zusätzlicher kleiner Schirm angebracht, der sogenannte Hilfs-Schirm. Dieser dient dazu, den Hauptschirm aus dem „Schirm-Reservoir“ (Container) zu ziehen. Im Gegensatz zum manntragenden Fallschirmspringen (wo dies manuell vom Springer erfolgt) muss dies beim RC-Modell ebenfalls vom Boden aus über den Sender erfolgen.

Ich habe mich dann zunächst im Internet schlau gemacht, wie ein RC-Schirm richtig gepackt wird. Das Ergebnis: es gibt – wie auch beim manntragenden Fallschirmspringen – unterschiedliche Packarten. Aber egal ob Side-Pack, Pro-Pack, Precision-Pack, Psycho-Pack oder was auch immer, eines haben aber alle gemeinsam: das sichere Öffnen des Schirms muss gewährleistet sein. Können sich Schirm und Leinen sicher entfalten, ist es irrelevant, mit welcher Methode der Schirm gepackt bzw. gestopft wurde. Da ich aber bei meiner Recherche auf ein sehr gutes Video von einer Anleitung zum Side-Pack des Schirms gestoßen bin, habe ich mich für diese Variante entschieden.

Die Sicherheit

Beim Thema Sicherheit ist sowohl auf jene von RC-Schleppmodell & RC-Springer als auch auf jene der im Absprunggebiet befindlichen Personen zu achten ! Auf alle Fälle muss ein unbeabsichtigtes Öffnen des Schirms während des Schleppbetriebes vermieden werden. Aus diesem Grund habe ich bei der Schleppmaschine eine entsprechende Abwurf-Vorrichtung verbaut in welcher der Schirm komplett Platz findet und keinem Fahrtwind ausgesetzt ist (wie dies z.B. beim Transport des Springers an den Flächenstreben oder Tragflächen-Unterseite der Fall wäre). Eine weitere Sicherheitseinrichtung: ein gebogener Splint, welcher das Öffnen des Schirms während des Schlepps verhindert, das andere Ende wird am Schlepper fix befestigt und durch das Ausklinken wird der Splint aus der Lasche des Containers gezogen. Auch eine stabile Lage des Springers während des Schlepps ist mit dieser Abwurfvorrichtung gewährleistet, ein Verdrehen oder Baumeln praktisch unmöglich. Befinden sich beim Start Personen im geplanten Abwurfgebiet oder sind andere Piloten mit Ihren Modellen dort unterwegs, müssen diese vorab informiert werden. Sollte sich der Schirm einmal nicht öffnen, fällt der Springer (ca. 1,3kg !) im freien Fall und quasi ungebremst Mutter Erde entgegen und würde anderen Flugmodellen mit Sicherheit ebenso wenig ausweichen wie jedem anderen Gegenstand, welcher sich in der direkten Fall-Linie befindet 🙂 .

Der Schlepper

Nach einigen Überlegungen hatte ich mich entschlossen, selbst einen Schlepper zu kaufen. Auschlaggebend dafür war: sollte irgendwas beim Schleppen passieren (z.B. Springer löst sich nur teilweise vom Modell oder der Schirm entfaltet sich vor dem Abwurf oder Fangleinen verheddern sich im Leitwerk des Schleppers) dann möchte ich damit nicht das Modell eines Kollegen in Gefahr bringen. Meine Anforderungen an den Schlepper waren:  gutmütige Flugeigenschaften, ausreichend Leistung, 2-Bein-Fahrwerk, Schleppkupplung, Landeklappen und ein ausgewogenes Preis/Leistungsverhältnis, im Endeffekt ein reines Zweckmodell. Fündig bin ich schließlich im Online-Shop der Firma PICHLER MODELLBAU geworden, der JOKER XL incl. Antriebsset erfüllte alle diese Anforderungen, natürlich habe ich auch diesem eine eigene Seite auf meiner Homepage gewidmet, diese finden Sie auf der Seite PICHLER „Joker XL“.

Der erste Abwurf

Freitag, 17.6.2016

Ein kleiner Nachteil dieser Art des Modellbaus:  einen Test kann man eigentlich so gut wie nicht durchführen. Klar, ich hätte mich zu einer ausreichend hohen Brücke begeben können und den Springer dort mal hinunterwerfen können, aber hohe Brücken sind meist mit einem längeren Auf- und Abstieg verbunden und führen  – zumindest in unseren Region – über eher unzugängliche und schwer erreichbare Örtlichkeiten. Also hilft nur: Augen zu und durch ! Vereinskollege Peter hat mit dem JOKER XL noch einen kurzen Testflug absolviert während ich den Schirm sorgfältig gepackt habe. Nach der Befestigung von Donald an der Abwurfvorrichtung und erneuten Prüfung aller Funktionen stand dem ersten Versuch nichts im Wege. Das zusätzliche Gewicht von Donald und die durch seine Anwesenheit negativen Auswirkungen auf die Aerodynamik und den Schwerpunkt des Gespanns erforderten etwas mehr Aufmerksamkeit als mit dem leeren Joker, aber wir haben ziemlich bald eine ausreichende Absprunghöhe erreicht und nachdem sich Donald erfolgreich vom Flugzeug gelöst hatte, war der erste Erfolg (Stufe 1) ja schon erzielt. Nach ca. 3-4 Sekunden Fall und dem genauen Verfolgen des schwarzen Punktes (der sich ziemlich schnell der Erdoberfläche näherte) dann Stufe 2: Auslösen des Schirms: zunächst war nur der kleine Hilfsschirm sichtbar der in Folge ohne Probleme den Hauptschirm aus dem Container gezogen hat. Gleich danach öffnete sich der Hauptschirm wie im Bilderbuch, somit auch Stufe 3 ein Erfolg. Als nächstes dann das Steuern. Auch hier keine Probleme (vom Gegenwind einmal abgesehen, der ein Vorwärtskommen nicht ermöglichte) und so setzte Donald brav in der Wiese auf. Bei 3 weiteren Sprünge wurde Donald dann von Vereinskollege Christian gesteuert und ich konnte noch ein paar Impressionen fotografisch festhalten..

Fazit: ein erfolgreiches neues Projekt „der anderen Art“, als Einzelprojekt interessant, als gesamte Einheit, d.h. in Verbindung mit dem Absetzflugzeug als Team gesehen eine Herausforderung bei welcher fliegerisch gesehen der Pilot des Flugzeugs die meiste Arbeit leistet. Wer sich aber zum Ziel setzt, den Springer punktgenau an einem vorher definierten Punkt zu landen, der ist dann natürlich ebenfalls gefordert 🙂

Adaptierungen und Verbesserungen für die nächsten Sprünge

Die Erfahrungen der ersten Sprünge haben mich zu ein paar kleineren Adaptierungen veranlasst. Da zwischen Absetzen des Springers und der Herstellung seiner Flugbereitschaft doch einiges an Zeit vergeht, wurde der Joker mit einem Ein-Aus-Schalter (High Current Switch „made by Horst“) ausgestattet, so kann der Joker in der Zwischenzeit von außen stromlos gemacht werden, ohne jedes Mal die Abdeckung entfernen und den Akku vom Regler trennen zu müssen. Auch das Gummiband, welches den Springer während des Transports in Position halten soll, erwies sich zu schwach bzw. als zu wenig gespannt, die Folge: bereits beim Abheben des Flugzeugs hing Donald durch und kam mit Nase und Händen der Startbahn gefährlich nahe, zudem verschlechterte sich die ohnedies nicht optimale aerodynamische Haltung des Springers. Deshalb wurde das flexible Gummiband durch ein ca. 20mm breites Flachband aus dem Klettersport ersetzt. Zudem habe ich die in einem Forum empfohlene Linie der Befestigung unter den Achselhöhlen zurück in die Höhe des Bauchs gesetzt.

Die technischen Daten des Springers und des Schirms*:

Springer:

Hersteller:                        Paramax
Typ:                                 GFK-Mike alias „Donald“ 🙂
Material:                          GFK
(Körper)Größe ca.           460mm
Gewicht sprungfertig ca.: 1.270g
Servos für Arme:             2 Stk. D-POWER CDS 5185BBTG
Servo f. Kupplung:          1 Stk. DYMOND 4000
Empfänger:                     1 Stk. FUTABA R617FS 2,4Ghz, 6 Kanal
Empfänger-Stromvers.:   1 Stk. JETI SBEC 6-42V
Akku:                               1 Stk. WELLPOWER SE 1300mAh, 11,1V (3S)

Fallschirm:

Hersteller:                         Paramax
Typ:                                  Parafoil96
Spannweite:                     1.550mm

*… alle Angaben ohne Gewähr